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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 375 (sequence 9)
Language
German
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375 Gelder geben werden, wie das Comits für die nochleidenden Juden in Ostpreußen zu Schippenbeil es gethan Hat und thut. Schwersenz, Provinz Posen, den 30. März 1868. Die heute in der hiesigen isr. dreiklassigen Elementarschule unter der umsichtigen Leitung des Schulinspectors, Predigers Thönert, stattgefundene öffentliche Prüfung hat ein befriedigendes Resultat ergeben. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen in den stylistischen Uebungen und in der Calligraphie. Solche Erfolge sind gleich ehrend für die mit Berufstreue wirkenden Lehrer, die Herren Dienstag, Lesser und Grünfeld, als lobend für die Schüler. — Mit 'voller Befriedigung kann die Gemeinde auf die Schule blicken. — — Was nur noch zu wünschen übrig bleibt, ist, daß das Hebräische als obligatorischer Unterrichtsgegenstand eingeführt werden möchte. Wir wollen damit nicht etwa sagen, daß hier nicht hebräisch gelehrt wird; im Gegentheil, zwei Lehrer, die Herren Leffer und Grünfeld, ertheilen in täglich zwei Stunden hebräischen Privatunterricht, an welchem sich ein ziemlich beträchtlicher Theil der Schüler betheiligt; doch will es uns bedünken, daß ein weit größerer Erfolg zu erzielen wäre, wenn ein systematischer hebr. Unterricht in der öffentlichen Elementar-Schule von sämmtlichen drei Lehrern ertheilt werden möchte. Zwar wurde schon früher einmal von hier aus ein ähnlicher Wunsch laut; ja, es kam sogar vor etwa acht Jahren unter dem nach allen Seiten bewährten Schulvorstande, Kaufmann Michaelis Badt, dieser Plan theilweise zur Ausfühcung; allein mit der Niederlegung seines Amtes hörte diese löbliche Einrichtung zum Bedauern der Gemeinde wieder auf. Wir halten aber diesen Gegenstand für zu wichtig, als daß wir ihn nicht wiederholt einer Besprechung unterziehen und die Aufmerksamkeit des zeitigen fachkundigen Schulvorstandes darauf lenken sollten, damit derselbe vereint mit den sonst von gutem Willen beseelten Herren Lehrern diesen für unsere isr. Jugend so hochwichtigen Gegenstand mit Ernst und Eifer in die Hand nehme und eine für alle Theile befriedigende Lösung herbeiführe. Das walte Gott! Die hiesige Rabbinerstelle bleibt eingetretener Differenzen wegen einstweilen noch unbesetzt. Als Hauptursache kann wohl die Finanzkalamität gelten, in welche die durch Todesfälle und Verzug mehrerer wohlhabender Mitglieder merklich kleiner gewordene, und durch den im vorigen Jahre vollendeten, auf mehrere tausend Thaler veranschlagten Bau des stattlichen Gemeinde- Hauses nebst Badeanstalt in einige Schulden gerathene Gemeinde versetzt worden. Vorläufig ist dem Vernehmen nach die für den Rabbiner bestimmt gewesene Wohnung auf drei Jahre anderweit vermiethet worden. Wird die Gemeinde bis dahin auf dem Niveau einer geordneten Finanzlage angelangt sein und die Leistungsfähigkeit derselben sich wieder wie ehedem gekräftigt haben, dann dürfte wohl die Rabbinerfrage wieder ernstlich erwogen werden. — Von einflußreicher Seite ist schon jetzt der Vorschlag gemacht worden, die Gemeinde möge s. Z. die hiesige Elementarschule in eine höhere Bürgerschule umwandeln und an Stelle eines Rabbiners einen Mann herbeirufen, welcher die Fähigkeit besitzt, dieser Schule als Direktor vorzustehen, außerdem aber auch religiöse Borträge zu halten. Die Gemeinde hätte sonach den doppelten Vortheil, daß sie ihre Jugend nicht auf auswärtige höhere Schulen zu schicken braucht, was sehr vielen bei dem bedeutenden Kostenaufwande gar nicht möglich ist, und auch dem religiösen Bedürfniß nach einer guten Predigt wäre Genüge geleistet. Es wäre uns, hochverehrter Herr Redacteur, sehr wünschenswerth, Ihre Ansicht hierüber, so wie auch in Betreff des oben beregten hebr. obl. Unterrichtes zu hören.*) *) Wir halten eigentlich unsere Ansicht über diesen Gegenstand für genügend bekannt, nnd wollen sie daher hier nur kurz resumiren. Wenn bei entschiedenem confessionellen Charakter der öffentlichen Schulen eines Ortes auch die jüdisch-confessionelle Schule eine Nothwendigkeit ist, so hat dieselbe auch die Verpflichtung, diesem ihrem Charakter zu entsprechen. Dies kann sie nur, invem sie einen tüchtigen jüdischen Religionsunterricht und wiederum als integrirenden Theil dieses den Unterricht im Hebräischen pflegt. Ohne den Religionsnnd hebräischen Unterricht hätte die jüdische Schule nur eine negative Tendenz, und jeder tüchtige Pädagoge weiß, daß dies viel mehr schädlich als nützlich ist. Dann aber muß eben der hebräische Unterricht organisch und systematisch mit den übrigen Unterrichtszweigen verbunden sein. Privatunterricht kann natürlich da, wo die Schule eine solche Lücke hat, nicht entbehrt werden. Aber er bleibt, neben der Schule herlaufend, stets mangelhaft. Ihm fehlt die Disciplin der Schule, und hiermit ein Nerv der Wirksamkeit. Außerdem wird eine bedeutende Zahl Schüler ohne denselben bleiben nnd bleiben müssen, und oft werden gerade die befähigten Knaben, deren Eltern es ein Bedürfniß wäre, ohne diesen Unterricht bleiben, weil ihnen die Mittel dazu fehlen. Unserer Meinung nach 19

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