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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 372

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 372 (sequence 6)
Language
German
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372 chischen Starosten, Rittmeisters außer Dienst Freiherr v. Albon, diese Adresse übergaben, legten sie dem Fürsten in muthigen Worten den wahren Stand der Dinge dar, während Baron Albon die Vorgefundenen' Spitzkugeln vorzeigte, die er als diejenigen mit Fachkenntniß bezeichnet, die, von Baron Eder bekanntlich vergebens reclamirt, an die Nationalgarde vertheilt wurden. Nachdem die Deputation von Sr. Hoheit freundlich entlassen worden, berief sie Minister Bratiano durch eigenhändiges Anklopfen am Fenster in sein Cab inet. Er machte ihnen mit harten Worten Vorwürfe darüber, daß sie ihre Schmerzensschreie nach Europa dringen ließen, worauf sie ihm die vielen Quittungen über die an ihn selbst gerichteten Telegramme, die ohne jeden Erfolg blieben, vorzeigten und ihn fragten, was sie unter dermaligen Umständen hätten thun sollen? Inzwischen füllte sich der Vorplatz mit einer erschreckenden Anzahl der von allen Seiten herbeigeeilten vertriebenen Judenfarnilien. Nicht 500 ist ihre Zahl, sondern über tausend; die Vertriebenen waren nicht von der Stelle zu bringen, bis der in die Kirche fahrende Fürst anhielt und ihre Bittschriften entgegennahm. Hier in Jassy wurde am Vorabend vor der Ankunft des Fürsten in der Primarie (Mairie) eine Sitzung abgehalten, in welcher stürmisch die Durchführung des Einunddreißiger Projectes verlangt und eine Monstre- Petition in dieser Absicht an die Kammer und den Fürsten beschlossen wurde. Ja, es fanden sich Stimmen, die das Ministerium, falls es die geringste Schwenkung zu machen und nicht entschieden auf der betretenen Bahn vorwärts zu schreiten gedenkt, mit Opposition und Mißtrauensvoten laut bedrohten. Nach Schluß der Sitzung wurden Tausende eigens in Druck gelegte Exemplare des Einunddreißiger-Projectes unter die fanatisirte Volksmenge vertheilt, die ihren Wünschen durch zahlreiches Fenstereinschlagen und heroische Prügeleien lebhaften Ausdruck gab. Dieselben Scenen widerholten sich heute Abends bei der Ankunft des Fürsten. Diesen völlig constatirten Thatsachen gegenüber nimmt es sich sonderbar aus, daß I)r. Berthold Auerbach ein Schreiben des Fürsten von Hohenzollern Siegmaringen, des Vaters des Fürsten Carl, in diesem Augenblicke veröffentlicht, welches den vollen Gegensatz zu jenen aufrecht erhält, ein Schreiben, das interessant genug war, daß alle öffentlichen Blätter es reproduzirten. Gerade darum halten wir es für überflüssig, es auch hier wiederzugeben, weil unsere Leser es kennen und für die geschichtliche Constatirung der rumänischen Vorgänge es keine Wichtigkeit hat. Wir erkennen es mit Dank an, daß Auerbach in dieser Katastrophe sich an seinen fürstlichen Freund wandte, obgleich wir im vorigen Jahre bereits die Nutzlosigkeit eines solchen Schrittes erfahren haben. Wir wissen es überhaupt zu würdigen, daß Auerbach oft die Gelegenheit ergreift, unähnlich so vielen jüdischen Belletristen und Literaten, sich als Jude zu dokumentiren, dessen tiefster Sinn und ganzes Herz seinen Glaubens- und Stammesgenossen geblieben. Aber um so weniger begreifen wir, welchen Zweck Auerbach mit der Veröffentlichung dieses Antwortschreibens verfolgen konnte, da offenbar, wenn die neuesten Zeugnisse nicht so unwiderlegbar sprächen, das Schreiben des Fürsten der Sache der mißhandelten und verfolgten rumänischen Juden überaus hätte schaden können, und jetzt auf den Fürsten selbst nur einen dunklen Schatten werfen kann. Denn was hilft alle Hochherzigkeit und aller Freisinn, wenn inan sich aus Liebe zu einem Sohne der offenbaren Wahrheit verschließt, und gegenüber von tausenden von Leidenden deren Klagen für Betrug, für Machinationen von Feinden des.Fürsten ausgiebt. Dies thut der Fürst, und läßt sich zuletzt dennoch in den Widerspruch ein, daß er die Judenverfolgungen in Rumänien mit denen in Böhmen 1866 vergleicht, sie also dennoch zugesteht. Auch wir haben die günstigsten Ansichten über den Fürsten Carl und seinen hochherzigen Vater; aber die Lage der Dinge ist einmal, daß Fürst Carl nicht herrscht, sondern beherrscht wird, daß ihn die Bratianos in das Land gerufen, und daß er sich von ihnen nicht losmachen kann, ohne seinen Thron in die äußerste Gefahr zu bringen. Und so können wir nur abermals hinzufügen, daß ohne energische Intervention der Schutzmächte Alles umsonst und vergeben ist, und diese Intervention für den Fürsten Carl und das rumänische Volk die größte Wohlthat wäre. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 21. April. Auf den Vortrag des Referenten Dr. Hüffer in Bezug auf die Petition eines Herrn Sternberg um Abschaffung des Judeneides und Einführung einer allgemeinen Eidesform beschloß die Commission, die Petition, so weit sie sich auf die Ab-

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