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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 371 (sequence 5)
Language
German
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371 aus dem'Bakeuer Distrikte verjagten israelitischen Familien veröffentlicht. Auch muß doch dem Fürsten Carl etwas auffällig gewesen seien, denn er soll den Präfekten Lecca von Baken abgesetzt haben, und das will was sagen, denn dieser Lecea ist der Bruder des Major Lecca, der den Fürsten Cusa in der Nacht überfallen hat. Uebrigens erinnere man sich, daß Fürst Carl im vorigen Jahre in Jassy gewesen, wo die jammernden Kinder nach ihren eingesperrten Eltern auf den Straßen umherliefen, und Fürst Carl that nichts und klagte nur über die Uebertreibungen, die von den Feinden seiner Negierung ausgestreut würden. Jndeß kommt hierauf Alles nichts an. Die Hauptfrage ist: werden die europäischen Mächte den constatirten Thatsachen gegenüber Ernst machen oder nicht? In der Sitzung des englischen Unterhauses am 24. benutzte Sir Francis Goldsmid die Besprechung der orientalischen Frage, die Judenverfolgungen in Rumänien einzuflechten und in sehr scharfen Worten zu verurtheilen. In seiner Antwortrede berührte daher Lord Stanley diesen Punkt und sagte : Ich kann die Versicherung geben, daß Niemand die Behandlung der Juden in den Donaufürstenthümern mit größerem Leidwesen verfolgt, als ich. Es ist eine Sache, die mehr noch die Christen berührt, als die Juden, denn wenn auf die Juden die Leiden fallen, so fällt auf die Christen die Schande. «Lauter Beifall.) Ich erinnere mich kaum eines Beispiels, daß in unserer Zeit eine solche Reihe von Unterdrückungen und Gewaltthätigkeiten begangen worden ist, Unterdrückungen, die nicht nur ohne Herausforderung, sondern selbst ohne irgend einen greifbaren oder verständlichen Grund ausgeübt werden. In so fern diese Thatsachen von den örtlichen Behörden erlaubt oder gefördert worden sind, oder, wie ich mir kaum verhehlen kann, in einigen Fällen durch die rumänische Regierung selbst, so vermag ich dies nur dadurch zu erklären, daß es die Tendenz einer schwachen und nicht allzu gewissenhaften Regierung ist, den schlimmsten Leidenschaften der niedrigsten Schicht der Bevölkerung nachzugeben. Die Gerechtigkeit erfordert jedoch von mir, nicht zu verschweigen, daß Fürst Carl sich in sehr scharfem Tone über die Sache ausgesprochen hat; und soweit es ihn und seinen persönlichen Einfluß angeht, glaube ich durchaus, daß er Alles aufgeboten hat und aufbietet, um der Wiederholung solcher Frevel vorzubeugen. Die britische Negierung will und kann die Angelegenheit nicht aus dem Auge verlieren; und ich darf hier wohl erwähnen, daß ich heute Nachmittag erst in Folge neuer Thatsachen, die mir von dem ehrenwerthen Mitgliede (Sir F. Goldsmid) mitgetheilt worden sind, wieder eine neue Depesche mit energischen Vorstellungen abgesandt habe. Die Regierungen Frankreichs, Oesterreichs und anderer Staaten Europas führen dieselbe Sprache, wie wir; und ich glaube, die Kundgebungen der öffentlichen Meinung aus ganz Europa werden ihre Wirkung nicht verfehlen." Lord Stanley schloß seine Rede unter allgemeinem Beifalle. (Wenn dies Alles nur etwas hülfe und den geringsten Eindruck auf Bratiano und seine Helfershelfer machte t Im Gegentheil dieser Eindruck wird durch die Wiederholung der leeren Worte immer schwächer!) Ueber den Aufenthalt des Fürsten Carl in Bakeu und in I a s s y berichtet eine Correspondenz aus letzterem Orte vom 23. April. Die Ankunft des Fürsten erfolgte in Bakeu zu rasch, als daß Präfect Lecca Zeit gehabt hätte, die dort herumirrenden Dörfler als Vagabunden fortzuschaffen und so den Platz zu säubern. Am 19. d. um 4 Uhr Nachmittags langte Fürst Carl in Bakeu an. Sogleich versammelten sich vor seiner Wohnung viele Hunderte der unglücklichen aus ihrer Heimat vertriebenen Juden mit ihren hohlwangigen Weibern und halbnackten Kindern — ein trauriger Anblick für einen einziehenden Regenten! Diese andringenden Bittsteller wurden jedoch nicht zugelassen, die jüdischen Notabeln der Stadt aber für den zweiten Morgen zur Audienz beschieden. Die Zwischenzeit benutzte Minister Bratiano, um einen Emissär in der Person des oft mit den Notabeln verkehrenden General-Cassiers des Bakeuer Kreises an dieselben zu entsenden. Dieser übergab ihnen eine fertig geschriebene Ergebenheits- Adresse an den Fürsten, worin ihre vollkommeneZufriedenheit mit der gegenwärtigen Regierung und dem Präfecten Lecca besonders betont wird. Dieser Emissär, nicht als ausgesprochener Judenfeind bekannt, gab ihnen den Wink, daß Negierung und Präfect reuevoll Alles gutmachen wollen; es sei deßhalb nöthig, ihrer beim Fürsten lobend zu gedenken. Die Notabeln, welche sofort den Hintergedanken dieses unerbetenen Rathes witterten, versprachen zwar, ihn zu befolgen, um desto sicherer zur Audienz zugelassen zu werden, verfaßten aber eine Adresse ganz anderen Inhaltes. In dieser beschweren sie sich über alle erlittene Unbill, und als sie am 19. d. um 9 Uhr Morgens dem Fürsten in Gegenwart des k. k. österrei-

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