Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1868)
- Date
- 1868-05-05
- Page
- Seite 370 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Achtens: Aber diese Verwendung hat garnichts geholfen. So viel steht fest, und es reiht sich an diese Fakta die einfache Schlußfolgerung: wenn nicht die Schutzmächte bald aus den bloßen Vorstellungen ernsthafte und bestimmte Drohungen machen werden, so werden die rumänischen Gewalthaber ihre Mißhandlungen und Grausamkeiten nur in immer größerem Maßstabe ausführen. Ja, bestimmt formulirte Drohungen, deren schließliche Ausführung nicht im Entferntesten zweifelhaft sein darf, sind von Seiten der Cabinete unumgänglich nothwendig oder sie machen sich allesammt nur lächerlich in den Augen der Völker und der späteren Geschlechter. Denn die Bratianos und Genossen wollen nichts weiter als Zeit gewinnen, bis in dem von ihnen künstlich erhaltenen Halbdunkel die abscheuliche Verfolgung durchgeführt ist, und als ein faii aecompli angesehen werden kann. Diese Menschen sind auch so klug, um zu wissen, daß auch das frecheste Ableugnen auf die Dauer nicht Stich hält, sie zweifeln garnicht, daß die Wahrheit zu Tage kommt, aber was hinterdrein kommt, glauben sie ertragen zu können. Sie rechnen auf die Schlaffheit der Cabinete und auf deren Uneinigkeit. s)la&) dem bloßen Stirnrunzeln Napoleons III. fragen sie längst nichts mehr, Englands Indolenz in der auswärtigen Politik ist auch ihnen bekannt, von Preußen haben sie nichts zu fürchten, und Oesterreich? Nun, sehen wir, ob Reichskanzler von Beust über Worte richtige ich den Vorstand der jüdischen Gemeinde ergebenst, daß ich auf Allerhöchsten Befehl schon nach Eingang der ersten Nachricht über jenen Gesetzentwurf auf telegraphischem Wege Erkundigungen in Bukarest eingezogen hatte. Hierauf ist mir aus sicherster Quelle die Mittheilung zugegangen, daß der gedachte Gesetzentwurf gegen den Willen des Fürsten Carl eingebracht worden ist, daß dessen Annahme nicht zi erwarten stehe, und wenn sie dennoch erfolgte, die Sanctionirung des Gesetzes Seitens der fürstlichen Regierung nicht Statt finden werde. Wenn somit in dieser Beziehung für den Vorstand der jüdischen Gemeinde keine Veranlassung zur Beunruhigung vorhanden ist, so hat die königliche Regierung auch nicht unterlassen, jetzt eben so uue es beretts der früherem Anlasse geschehen, in Folge der in neuster Zeit verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in der Moldau in Bukarest Vorstellungen machen zu lassen, und es ist uns hierauf die Zusicherung ertheilt worden, daß Maßregeln getroffen seien, um jede etwaige Beunruhigung der israelitischen Glaubensgenossen zu verhindern. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, gez. Graf Bismarck. hinauskommt. Sicher ist nur das Eine, daß, wenn die Mächte keinen größeren Ernst als bisher machen, das Papier verschwendet war, welches für h^e Bittschriften, die Antworten und die diplomatischen Auslassungen in Bukarest verbraucht worden!- Von der Nutzlosigkeit der Reise des Fürsten Carl werden wir denn schon benachrichtigt. Seine Minister werden sich nicht der Unwahrheit bezüchtigen lassen. Ein amt. liches Telegramm aus Jassy vom 2l. April meldet: Fürst Carl habe auf seiner Reise durch die Moldau die persönliche Ueberzeugung gewonnen, daß die Gerüchte von Judenverfolgungen irrig sind. Diesem folgte denn auch die Berichtigung auf dem Fuße Der Pariser Constitutionnel vom 24. April veröffentlicht folgendes Aktenstück: „Auf die Aufforderung des Herrn von Wolfarth, Vorstehers der Agentur und des General-Consulats Oesterreichs in der Moldau, haben sich die Unterzeichneten Consuln von England, Oesterreich, Frankreich, Griechenland, Preußen und Rußland zu dem einzigen Zwecke, die Agenten und Generalconsuln zu Bukarest über die bedauernswerthen Ereignisse, welche sich in der Moldau (Distrikt von Bakeu) zugetragen haben, aufzuklären und zu unterrichten, versammelt und hierzu die Erklärungen angehört, welche ihnen die vertrauenswürdigsten Israeliten von Jassy gemacht haben, so wie der Vortrag der Aktenstücke und Berichte, die vom Cousular- Agenten Oesterreichs in Bakeu bezüglich der Vorgänge in den Landgemeinden dieses Distriktes eingelaufen sind. In Folge dieser Erklärungen und des Vortrages der Aktenstücke und der Berichte waren die Unterzeichneten einstimmig, anzuerkennen, daß es für sie nicht zweifelhaft ist, daß die heute gegen die Israeliten gerichteten Verfolgungen und Scherereien wirkliche und vollständig begründete Thatsachen sind. In Folge dessen sind die Unterzeichneten mit Bedauern dazu geführt worden, sich zu überzeugen, daß die so kategorischen Dementis, welche den Agenten und General-Consuln zu Bukarest von der rumänischen Regierung gegeben worden sind, mit den Thatsachen, die zu constatiren sie im Stande waren, im offenen Widerspruche stehen. Jassy, den 15. April 1868. Saint Clair, englischer Consul. v."Wolfarth, österreichischer Consul. CH. Dalabarte, französischer Consul. Lakellarides, griechischer Consul. Göring, preußischer Consul. Kartschewsky, russischer Consul. Außerdem wird abermals ein Verzeichniß von 25.