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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 369 (sequence 3)
Language
German
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369 UBWWWW Äst es nicht eigenthümlich, daß das Judenthum im Großen und Ganzen in Ländern mit wahrhaft liberalen Institutionen arsamer vertreten ist, als in absolut regierten und solchen Staaten, welche sich noch nicht aller Segnungen freiheitlicher Entwickelung erfreuen?") Die Einführung der Civilehe müßte über kurz oder lang das Judenthum weniger in religiöser als in ethnologischer Beziehung vernichten.**) Rumänien IV. Was steht jetzt unumstößlich fest? Erstens: Daß im Bakeuer Distrikt große Judenverfolgungen, Austreibungen von Hunderten von Familien geschehen sind (Beweis: die Telegramme der Consuln der Schutzmächte in Jassy und das Namensverzeichniß von 96 ausgetriebenen Familien). Zweitens: Daß diese Austreibungen und Verfolgungen von den rumänischen Behörden ausgehen, und nur eine verhältnißmäßig geringe Betheiligung des *) Wir müssen gestehen, daß wir bei Lesung dieser Worte über die eigentlichen Intentionen des Verfassers zweifelhaft wurden. Hat er sich zu dieser Bemerkung durch die Sucht, den Juden besondere Eigenthümlichkciten zuzuschreiben, oder durch die, so bald von den Juden die Rede ist, immer wieder auftauchende Lust an Verdächtigung verleiten lassen? Was können die Juden dafür, in welchen Ländern sie mehr oder weniger zahlreich sind? Haben hier genau bekannte geschichtliche Thaisachen nicht entscheidend gewirkt? War es der freie Wille des Juden, der sie aus England und Frankreich immer wieder verbannte und sie nöthigte, nach Polen und Rußland eine Zuflucht zu nehinen? War es der freie Wille der Juden, der sie aus Spanien vertrieb und sie nach der Türkei und Nordafrika führte? Sieht man nicht im Gegentheil sie jetzt nach Nordamerika strömen? Und wo bleibt denn der Vorwurf eines allzu großen Liberalismus, welchen die Reaktionäre gegen die Juden schleudern? Redaktion. **) Der Verf. bedient sich hier eines irrigen Ausdrucks. Die Civilehe als solche hat gar keinen Einfluß, er meint vielmehr die Ehen zwischen Juden und Christen. Wir sind dem Verf. nur dankbar, daß er anerkennt, daß in religiöser Hinsicht, d. h. für den Bestand des Judenthums, diese nicht gefährdend sein würde. Aber auch in ethnischer Beziehung, d. h. für das volksthümliche Wesen der Juden, kann sie den Einfluß nicht haben, den der Verf. ihr zuschreibt. Dazu findet sie zu selten statt und wird immer nur ausnahmsweise Vorkommen. Das wirkende Moment in dieser Beziehung ist die wachsende Nivellirung in Sitte und Lebensweise. Redaktion. Volkes selbst stattfindet (Beweis: der Bürgermeistereibefehl, den wir in vor. Nummer mittheilten, der die Thatsachen verhüllende Bericht des Präfekten Lecca, der an der Spitze dieser Verfolgungen stand, und daß zwar Plünderung und Verjagung, nicht aber Mord und Todtschlag stattgefunden). Drittens: Daß die rumänische Regierung diese Verfolgungen von Beginn an angeordnet hat und den Fortgang duldet (Beweis: daß noch kein einziger dabei betheiligter Beamte abgesetzt, kein einziger verjagter Jude wieder zurückgeleitet wurde; die Dokumente über die früheren Anordnungen der Minister sind früher genügend geliefert worden). Viertens: Daß die rumänische Regierung den europäischen Großmächten gegenüber nicht blos ihre eigene Absichtlichkeit in den Judenverfolgungen, sondern auch die offenbarsten Thatsachen ableugnet und Lügen gestraft wird. Fünftens: Daß die Generalconsuln der auswärtigen Mächte in Bukarest, besonders aber der österreichische Generalconsul von Eder die rumänischen Minister hierin unterstützen (den Beweis hierfür lieferte die „Neue fr. Pr." in unwiderleglicher Weise). Sechstens: Fürst Carl hat den allerbesten Willen, wird aber von den Ministern getäuscht, und seine Zusagen und Versprechungen haben bis.jetzt nicht den geringsten Erfolg gehabt (Beweis: er hat nicht minder die Thatsachen den Aussagen seiner Minister gemäß verneint, und endlich reist er selbst nach der Moldau, weil er anfängt, die Wahrheitsliebe seiner Beamten in Zweifel zu ziehen, oder doch so erscheinen will). Siebentens: Die auswärtigen Ministerien von Frankreich, England, Oesterreich und Preußen*) haben sich nachdrücklich für die rumänischen Juden verwendet. *) Wir haben hier Folgendes noch nachzutragen: Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat am 6. _ April in einer Jmmediat - Vorstellung an den König Wilhelm die Bitte gerichtet: „der bei dem Fürsten des rumänischen Volkes, einen: Gliede des erlauchten preußischen Königsstammes, geschehenen Verwendung den möglichsten illachdruck zu geben, um die Sanctionirung eines unmenschlichen Gesetzes (des bekannten Judengesetzes) abzuwehren und dem gegen unsere Glaubensbrüder versuchten Vernichtungskampfe endlich ein Ziel zu setzen." Die im Aufträge des Königs ertheilte Beantwortung der Jmmediat-Vorstellung lautet mit Weglassung des Einganges: In Folge dessen (des königlichen Auftrages) benach- 19*

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