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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 368

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 368 (sequence 2)
Language
German
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368 die Verbreitung des jüdischen Stammes. Wir heben hier Folgendes heraus: Ist das Volk Gottes doch in größerer oder geringerer Anhäufung über die ganze bewohnte Erde zerstreut, und in Europa von Gibraltar bis nach Norwegen, und in Afrika von Algier bis an das Cap, in Asien von Cochinchina bis an den Kaukasus undvon Japan bis nach Peking, in Amerika von Montevideo bis Quebek, und feit 50 Jahren in Australien bietet der Jude das merkwürdige Beispiel eines Volksstammes, der in allen Klimaten gedeiht; und durch Jahrhunderte im Jvrdanthale über 1200 Fuß unter dem Niveau des Meeres lebte und gedieh. Der Jude gehört zu den wenigen Stämmen, die wahrhaft kosmopolitisch organisirt unter allen Himmelsstrichen gedeihen, während im Allgemeinen der Mensch ebenso wie manche Pflanzenkraft der angebornen Organisation an gewisse Breiten gebunden ist. Keinem Europäer ist es noch gelungen, sein Geschlecht im Norden Afrikas oder in tropischen Gegenden fortzupflanzen. Die aus dem Kaukasus stammenden Mameluken sind nicht im Stande, sich in Egypten durch Zeugung zu erhalten, und Volney bemerkt, daß seit 550 Jahren, wo die Mamedie Stellung der Juden mit dem Ausschluß von den bildenden Künsten geradezu verbunden. In dieser kurzen Zeit und bei dieser geringen Seelenzahl haben sich doch bereits namentlich in der Malerei eine verhältnißmäßig nicht unbedeutende Zahl von Juden bemerklich gemacht. Die große Neigung und Befähigung für Musik und Mathematik zeugt wider das Vorwiegen des blos kritischen Geistes, denn auch die Mathematik erfordert einen synthetischen Geist. Die Dichtung blühte bei den Juden verhältnißmäßig in allen Zeiten und Zonen, und es ist hierbei zu bemerken, daß dieser Hang zur Poesie bei den Juden weniger in die Tiefe, als in die Breite ging, so daß der poetische Geist bei den Juden weniger in Genialität, als in der Verbreitung bei dem Volke, gewissermaßen einem poetischen Anfluge der Volksstimmung sich bethätigte. Man spricht da immer von „orientalischer Phantasie", aber ist dies nicht jedenfalls ein Zeugniß gegen den vorausgesetzten „kriegerischen Geist?" Wir geben zu, daß die Geistesrichtung eines Volkes immerhin mit seinen genetischen Anlagen zusammenhängt; jemehr und je länger aber bestimmte historische Verhältnisse vorhanden sind, desto weniger verbleibt der genetischen Anlage Kraft und Einfluß, und die geschichtlichen Verhältniffe werden zu den wesentlichen Faktoren und Bedingungen des Geistes. Bei welchem Volke sind aber die geschicknlichen Verhältnisse älter und waren bestimmter und beherrschender? Lasset also den Juden noch Zeit, bevor Ihr ein Urtheil über sie fället. Redaktion. luken "in'Egypten sind, keine Familie sich über die zweite Generation erhalten konnte, indem ihre Kinder im zarten Blüthenalter dahinsterben. Die Ottomanen alldort entgehen diesem Schicksale nur dadurch, daß sie eingeborne Weiber heirathen. In Algerien sterben die von europäischen christlichen Eltern gebornen Kinder im zartesten Alter, und es findet sich dort keine Familie aus der zweiten Generation. Auf den Antillen werden höchst selten europäische Familien angetroffen, wo die Großeltern beider Theile auf den Inseln geboren sind, und die weiße Bevölkerung erhält sich dort nur durch Kreuzungen mit einwanderndcn Europäern. Die englische Regierung hat das Mögliche versucht, um Ehen zwischen englischen Soldaten und englischen Weibern in den indischen Besitzungen zu begünstigen, ist aber bis nun noch nicht dahin gekommen, soviel Sprößlinge dieser Verbindungen am Leben zu erhalten, daß es möglich gewesen wäre, die Pfeifer und Trommler ver dortigen Regimenter aus ihnen zu ersetzen. Nur der Jude gedeiht kraft einer eigenthümlichen Elastizität unter den verschiedensten Himmelsstrichen. Tait hält dafür, daß die Juden zu den Völkern gehörten, welche Ostindien kolonisirten: ein englischer Gelehrter hat in jüngster Zeit bewiesen, daß eine ganze Provinz in China von Inden bewohnt ist. Jnteresiant ist die Bemerkung eines französischen Gelehrten, welcher gegenüber' der inhumanen Ansicht, daß die Zerstreuung der Juden über die Erde die Folge des göttlichen Fluches sei, weil das jüdische Volk nicht den Heiland anerkannt, beweiset, daß lang vor der Geburt Christi Juden weit zerstreut in der Welt lebten. In Europa, wo es heute an vier Millionen Israeliten giebt, zählt die habsburgische Monarchie zu den Staaten, in denen das Judenthum am stärksten vertreten ist: 1857 kamen hier auf 33 Einwohner I Jude, und nur Polen, wo das Verhältniß l zu 7 beträgt, steht diesfalls noch vor Oesterreich; hierauf kommt Rußland mit 42, Holland mit 52, die Türkei mit 61, Deutschland ohne Oesterreich und Preußen mit 105*), Belgien mit 333, Italien mit 412, England mit 446, Frankreich mit 468, die Schweiz mit 595, die skandinavischen Länder mit 664. *) In Preußen, ohne die annektirten Provinzen, ist das Verhältniß wie t zu 72, im norddeutschen Bunde ungefähr dasselbe. Redaktion.

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