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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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32. Jahrgang allgemeine M 19. des Zudenthums. Ein unparteiisches Drgan für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 5. Mai 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, m > bis Bogen. Preis des Jahrgang» 1 Thlr. Halb,ahrig 2 Thlr. Biertelmhrig l Thlr. Inserate werden mit i »/*. 9tar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet, tfüe Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen'an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Jüdische Volksverhältniffe. — Rumänien IV- Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Bonn, Köln, Schwerfens, Dresden. Rußland: Petersburg. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Eine Episode aus meinem Leben. Leitende Artikel. Bonn, 27. April. Jüdische Volksverhältniffe. (Schluß^ Es wäre eine der interessantesten Ausgaben für den Kulturhistoriker, alle Leistungen der in irgend einer Richtung hervorragenden Inden zusammenzustellen, um daraus zu ermitteln, welche Geistesrichtungen die vorherrschenden bei diesem Volke sind. Uns will es bei einer flüchtigen Lustrirung der verschiedenen Größen bedünken, als ob mehr der kritische Geist als das schaffende Element bei den meisten Schöpfungen dieser Stammesgenossen zur Geltung komme, der Geist der Skepsis, wie er in den Werken Börne's und Heine's zum ausgesprochenen Ausdrucke gelangt; oder sollte es Zufall sein, daß, während das Judenthum hervorragende Kapazitäten in der Verwaltung und Rechtspflege, in ärztlichen Kreisen unter Philosophen, Dichtern, Musikern u. s. f. zählt, die bildende Kunst unseres Wissens bis heute nur in sehr geringem Maße erfolgreich von Israeliten geübt wird, oder Nachwirkung des mosaischen Gesetzes, welches sich gegen die Bildnerei aussprach?"*) In geistiger Beziehung gehört ein hoher Grad von Vorsicht zu den charakteristischen Eigeuthümlichkeiten des Juden, in welcher die meisten guten und schlechten Eigenschaften dieses Stammes wurzeln. Dieselbe ist wohl meist die Frucht Jahrhunderte langer Verfolgungen, die zum größten Theile die Schattenseiten verschulden, welche man heute bei den Massen beobachtet; und der Kamps um das Dasein hat den Juden gegenüber der rohen materiellen Uebermacht gezwungen, mit den Waffen des Geistes zu kämpfen. Der Umstand aber, daß der Jude im Allgemeinen langlebiger ist, als der Christ, setzt ihn unter übrigens gleichen Verhältnissen in die Lage, mehr für die Erziehung seines Kindes zu thun als jener. Zuletzt richtet der Vers/ seine Aufmerksamkeit auf *) Hierbei wird durchaus außer Betracht gelassen, daß die Zeit, in welcher die Juden dem Culturleben der civilisirten Völker angehören, noch eine zu kurze, und daß die Zahl der Juden gerade unter den civilisirten Völkern, welche den plastischen Künsten besondere Neigung und Befähigung zuwenden, eine sehr geringe ist. Bei den Nordamerikanern sind die bildenden Künste noch von sehr jungem Datum, bei den Engländern mehr die Liebhaberei als die Befähigung für jene vorhanden; in Frankreich leben nur hunderttausend, in Italien noch nicht vierzigtausend Juden. Die Cultur in der jüdischen Masse ist selbst in diesen Ländern wenig über ein halbes Jahrhundert alt. Vorher war in den früheren Jahrtausenden

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