Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1868)
- Date
- 1868-04-28
- Page
- Seite 348 (sequence 5)
- Language
- German
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348 aber fanden sich nur 85 israelitische. Dieses Fakt wurzelt zum großen Theile in der größern Vorsicht der Israeliten, der meist erst dann daran denkt, sich zu verehelichen, wenn er dauernd gesichertes Einkommen hat, während sein christlicher Mitbürger häufig schon durch die Hoffnung auf die Möglichkeit hin, eine Familie zu erhalten, ein Ehebündniß eingeht.*) In Preußen, wo bezügliche Erhebungen seit einer längeren Reihe von Jahren gepflogen werden, kommt durchschnittlich jährlich auf i 13 Christen, aber erst auf 14 L Israeliten eine Trauung, wobei übrigens nicht außer Acht zu lassen ist, daß die Zahl der noch nicht im heiratsfähigen Alter stehenden bei den Israeliten mit ihrer größeren Kinderzahl jedenfalls eine größere sein muß. In diesem Momente ist auch unstreitig die Thatsache begründet, daß im eben gedachten statistischen Ländercomplexe Haines auf je l0,000 Bewohner im Durchschnitte 9808 Christen und 192 Juden kamen, während sich für die Geburten ein bezügliches Verhältniß von 9857 und 143 kunv gibt; auch für Preußen wurde gefunden, daß dort durchschnittlich schon auf 25 christliche, aber nahezu erst auf 30 israelitische Einwohner alljährlich eine Geburt kommt. Der Umstand, daß das israelitische Weib seltener todte Kinder zur Welt bringt, was vielleicht mit einer eigenthümlichen Beckenkonformation in Verbindung steht, daß ferner das israelitische Kind häufiger am Leben erhalten wird, als das christliche, läßt den Kinderreichthum dieses Stammes begreifen. Dazu kommt, daß die Tochter Zions nach angestellten Erhebungen früher reif, und in sexueller Beziehung später welkt, als das Weib anderer Völker des nördlichen, östlichen, und westlichen Europa's, daß sie also länger fruchtbar bleibt als dieses.**) Sie bringt, wie bereits bemerkt, weniger Todtgeborne zur Welt, gebiert häufiger Knaben als ihre christliche Schwester, und ist erwiesenermaßen die Zahl der unehe- *) Dies ist doch jedenfals ein sittliches Moment! Redaktion. **) Wenn dies wahr ist, so steht das jüdische Weib hiermit dem orientalischen, ja schon dem im südlichen Europa gegenüber, welches letztere bekanntlich früh reif, aber ebenso früh verwelkt ist, im Orient bereits mit dem dreißigsten Jahre. Aber es käme vielmehr darauf an, zu beobachten, ob es dem jüdischen Weibe im Oriente nicht ebenso ergehe, so daß, wie wir schon oft in anderen Beziehungen, namentlich in physiognomischer bemerkt haben, in den verschiedenen Klimaten die Juden bei Jahrhunderte langem Wohnsitze daselbst, verschiedenartig sind. Redaktion. lich Gebornen bei diesem Volksstamme eine ausnehmend geringe.*) Aber auch in andern biostatischen Beziehungen zeichnet sich der Jude aus: die höchsten Alter werden unter den Israeliten angetroffen, und während in den gesummten allpreußischen Ländern durchschnittlich von 10,000 Einwohnern jährlich 242, sterben von ebenso viel Israeliten nur 16!. Für den damaligen statistischen Länderkomplex findet Hain unter 10,000 Verstorbenen 9829 Christen und nur 171 Juden, und bemerkt er bei diesem Anlasse, daß die Juden sich im Allgemeinen günstigerer Sterblichkeitsverhältnisse erfreuen, als die Masse der Bevölkerung, unter der sie zerstreut leben. Und wesentlich in dieser allerorts in höherem oder geringerem Grade sich wiederholenden Thatsache wurzelt die ausnehmend starke Vermehrung des israelitischen Volkes. Während im Allgemeinen gefunden wird, daß eine größere Fruchtbarkeit in einer Bevölkerung mit einer höheren Sterblichkeit Hand in Hand geht, findet man bei den Israeliten insoferne ein entgegengesetztes Verhältniß, als hier hohe Geburtenzahl und geringe Ziffer der Todesfälle nebeneinander bestehen. Was da einer besseren Pflege znzuschreiben kommt, läßt sich zifsermäßig um so weniger in Rechnung bringen, als das Racenmoment hier jedenfalls seinen unzweifelhaften Einfluß übt." Im zweiten Artikel wendet sich der Verf. zur Physiognomie und dem Charakter der Juden. Er sagt hier: „Es müßte Aufgabe der Physiologie sein, die Richtigkeit des Ausspruchs Larrey's zu prüfen, welcher den semitischen Stamm als das Prototyp der menschlichen Organisation angesehen wissen will: so viel aber ist gewiß, daß der orientalische Typus, der bei den Juden am ausgesprochensten in solchen Individuen sich offenbart, welche in seltenere Berührung mit Fremden kommen, unstreitig der Ausdruck einer bestimmten Organisation ist. Das nervöse Temperament ist es, welches diesen Volksstamm wesentlich charakterisirt. Dasselbe spricht sich nach einem französischen Fachmanne in folgenden, ein ziemlich getreues Bild des Israeliten liefernden Erscheinungen aus: mittelgroßer Wuchs, ausdrucksvolle und bewegliche Gesichtszüge, bleicher oder *) Dies kann doch der Verf. unmöglich auf physiologischem Wege erklären, sondern allein sittlich, um so mehr, da eine weiter unten von ihm gemachte Bemerkung das gerade Gegentheil Hervorbringen müßte. Redaktion.