Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1868)
- Date
- 1868-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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32. Jahrgang. M 18 A l l g e m c i ii e Zeitung des Zudenthums« Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegebeu von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 28. April. 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/^ Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig l Thlr. Inserate werden mit 1 '/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Jüdische Volksverhältnisse. — Rumänien III. — Eine Interpellation im norddeutschen Reichstage. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichtenr Deutschland:Elbing,Königsberg, Bonn. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Pest. Holland: Mastricht. Afrika: Gibraltar. Asien: Smyrna. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. Leitende Artikel. Bonn, 19. April. Jüdische Volksverhältnisse. Unter dem unpassend gewählten Titel: „Das Judenthum vom naturwissenschaftlichen Standpunkte" brachte der „Pester Lloyd" einen Aufsatz über verschiedene Lebensverhältnisse bei den Juden, der manches Interessante enthält, das wir hier hervorheben. Der Vers, wünscht nämlich, mehrfache Erscheinungen hinsichtlich der Geburten, Sterbefälle, Lebensdauer, Verbreitung u. s. w., die bei den Juden zum Vorschein kommen, naturwissenschaftlich, d. h. physiologisch zu erklären. Was bis jetzt vorzugsweise vom sittlichen Standpunkte ans motivirt erschien, möchte der Vers, aus natürlichen Momenten erklären. Aber es gelingt ihm dies wenig, er muß doch immer zu sittlichen Motiven zurückgreifen, Md phhsiolvgische vermag er nur anzudeüten und durch ein „Vielleicht" einzuführen. Wir unsererseits sind durchaus nicht der Ansicht, daß physiologische Einwirkungen völlig auszuschließen seien, daß vielmehr die Thatsachen Wirkungen sowohl ethischer als physiologischer Ursache seien; aber die ersteren sind greifbar, da sie in geschichtlichen und zu Tage liegenden sittlichen Momenten beruhen, während die naturwissenschaftlichen sehr ungewiß sind, sich noch nicht auf sichere und umfassende Beobachtungen stützen und nur allzusehr dahin neigen, den Juden gesonderte physische Eigenschaften zuzuschreiben. So lange nicht sorgfältige und an den verschiedensten Orten angestellte Beobachtungen bestimmte physische Beschaffenheiten Nachweisen, können wir auf naturwissenschaftliche Erklärungen nichts geben, da hiermit das Reich der Hypothesen weithin eröffnet wäre. Der Vers, sagt: „Obwohl das israelitische Weib ausnehmend fruchtbar ist, wäre es doch ein großer Jrrthum zu glauben, daß sich die Bevölkerung bei diesem Volksstamme nur durch Geburten-Ueberschuß vermehrt. Wir haben auf Grund bezüglicher Erhebungen aus den Volksbewegungsausweisen Wien's für die letzten 5 Jahre gefunden, daß im Durchschnitt auf ein geschlossenes Ehe-- bündniß jährlich bei den Katholiken 2,7, bei den Israeliten 7,8 eheliche Kinder kommen. Dabei ist es aber interessant zu bemerken, daß die Geburtenzahl bei den Israeliten gegenüber der christlichen Bevölkerung eine verhältnißmäßig geringe ist. Nach Hain befanden sich gegen das Jahr 185V in den deutsch-slavischen und damaligen italienischen Ländern unter 10,000 Einwohnern 192 Israeliten, unter 10,000 Trauungen