Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1868)
- Date
- 1868-04-28
- Page
- Seite 366 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Der Brä fiTTout antwor eie: „So; und wie wißt Ihr daß t, v Du Elkan zur An-lage gebracht? lennr o Iso tcn 3’:fa mmenhaug? Da müßt Ihr wohl E was darüder sagen können?" Borcke u ar betreff.'11) es leuchtete ihm ein, daß er eine B ck re gegeben. Doch schnell gefaßt erwiderte ,.fvd> n:. ß reu garnüb to; ich habe mich niemals um a^Iid'C mt Ränke tu ses Menschen gekümmert. Da Hlrswf.u ger auf fciejei u Tische liegt, so ist es doch ubt, reu: ^szusetzen, d. iß er mit der Anklage gegen 2 churle: zufammenhä ngt." „Also ol;v bleibt dabei, daß Ihr den Hirschfänger nicht kennt und daß er nicht Euer Eigenthum ist? Seht i'.m Qüd> genau an. Müller, zeigt ihm doch die Buchstaben." " " - Der Polieist gehorchte und zeigte Jenem die Buchstaben F. I'., die unterhalb des Griffes ein gegraben waren. Borcke stierte dieselben an, schüttelte aber immer mit dem Kopfe und'sprach fest: „Nein!" Der Präsident sagte: „9hm, das wird sich weiter finden. Setzt Euch." Und Borcke wurde zwischen zwei Gensdarmen auf die Anklagebank gesetzt. Nach ihm erschien der schwarze Hans, ein liederlicher, zerlumpter Mensch, dessen Gesicht jedoch einen zwar beschränkten, aber offenen Charakter verrieth. Als ihm der Hirschfänger gezeigt ward mit der Frage, ob er ihn kenne? antwortete er ohne Zögern: „Ja freilich, er gehört ja Borcken. Am Abend vor unserem Unglück holte ich ihn aus Befehl Borckes aus einem Versteck im Walde unter der großen hohle Eiche hervor. Borcke hat nämlich immer an verschiedenen Stetten des Waldes einige Waffen verborgen, um, wenn es Noch'Lhut, leicht zu ihnen zu kommen. Wir gingen mm den Abend mit Elkan, und Dieser bat den Borcke um einen Säbel oder so etwas. Da mußte ich den Hirschfänger holen. Doch kann er da nicht lange gelegen haben, denn ich habe ihn vorher schon oft bei Borcke gesehen. Ich kenne ihn genau, es müssen ein paar Buchstaben unter dem Griff eingegraben sein. Ich weiß zwar nicht welche, denn ich kann nicht lesen, aber darunter müssen sie stehen." Sie wurden it;m gezeigt, und er fügte hinzu: „Ja das sind sie." „Nun Borcke," wandte sich der Präsident zu diesem, „was sagt Ihr nun hierzu?" „Das ist erlogen, jämmerlich erlogen, der Mensch ist mit Elkan verschworen; der Jude hat ihm Geld gegeben, um die Schuld von seinen Schultern auf meine zu wälzen. Wartet, ich will es Euch vergelten!" und er erhob die geballten Fäuste, und auf seinem Gesichte lag eine solche Wuth, daß die Gensdarmen sich nur dichter um ihn drängten, als ob sie fürchteten, daß ein Ausbruch erfolgen, daß Borcke sich auf den Einen oder den Anderen stürzen würde. Aber Haus schrie ihm muthig entgegen: „Was? Ich gelogen? Ich Geld erhalten? Habe ich denn den Elkan wiedergeseheu seit dem Augenblicke, wo ich ihm den Hirschfänger übergeben, und da warst Du doch selbst dabei? Elkan ging von uns fort nach Nendorf, und in derselben Nacht wurden wir und er abgefaugen. Seitdem habe ich kein Wort von ihm gehört, sehe ihn jetzt zum ersten Male wieder, und weiß garuicht, um was es sich handelt. „Seid nur ruhig, Hans," sprach der Präsident, „wir wissen jetzt genug, setzt Euch." Es war ein eigentümlicher Anblick, der mich im Innersten aufregte, diese drei Menschen jetzt neben einander auf derselben Bank zu sehen, während der wüthendste Haß gegen einander in ihren Herzen wühlte, oder doch .ein Kampf sich zwischen ihnen angesponnen, an dessen Ansgang Leben und Tod für sie hing. Wie hätten sie sich zerfleischt, wenn die gesetzliche Macht sie nicht daran gehindert! Der eine der beiden Schmuggler, die noch herbeigeführt worden, wußte nichts auszusagen; der andere dagegen erkannte ebenfalls den Hirschfänger als das Eigenthmn Borckes; ja er gab noch ein besonderes Merkmal an, nämlich, daß nicht weit von der Spitze auf der einen Seite ein Stückchen aus der Schärfe herausgesprungen; das sei geschehen, als Borcke einst damit in einen harten Eichenknoll genauen, um Feuer anzumachen. Es habe ihm, dem Zeugen, damals sehr leid - gethan, weil er ein Liebhaber von Waffen sei und der Hirschfänger eine sehr gute Klinge. Hiemit war das Verhör beendet. Borcke und die anderen wurden abgeführt. Der Staatsanwalt erhob jetzt die Anklage. Den ersten Punkt ließ er fallen, und behielt sich nur vor, die betreffende Anklage bei der Steuerbehörde zu erheben. Zu dem zweiten Punkte gab er die Zuziehung der Geschworenen auf, da der Angeklagte Alles zugestanden. Er schilderte die That als eine höchst vermessene, und von den traurigsten Folgen begleitet, dem Tode der unglücklichen Mutter, weßhalb er mildernde Umstände ausschloß. Auch die dritte Anklage hielt er aufrecht, combinirte, daß Borcke immerhin den Hirschfänger doch zuerst von Elkan empfangen haben könne, da nur bei diesem ein Motiv für die Tödtung Pvll's vorhanden gewesen und die Vorgänge am Tage zuvor vollständig gravirend seien. Der Bertheidiger hob sein Plaidoyer an. (Schluß solgt.) Verlag von Bcmuigartucr's Buch Handlung in Leipzig. — Druck von I. B.-Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur IW*. H. Lohe. ' ' i