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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-04-21 · Heft 17 (21.4.1868) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 17 (21.4.1868)
Date
1868-04-21
Page
Seite 345 (sequence 23)
Language
German
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i richten, auch hier bist du beschränkt, und es bedarf nes allwissenden Auges, um die Wahrheit zu schauen. kx wer in die innersten Falten der menschlichen Seele l blicken, wer die Keime der Gedanken und Gefühle, itb was sie befruchtet, und was sie zum Witten und ir That bringt, zu erkennen vermag, der darf urteilen. Endlich hob ich an: „Um Ihnen völlig zu glauben, lüßten Sie mir auch mittheilen, wie der Hirschfänger ioll's in Ihre Hände gekommen." Elkan blickte mich scharf an, und erwiderte: „Das Ade ich für mich behalten; ich sage es selbst meinem krtheidiger nicht; dem Gerichtshöfe werde ich es sagen, miit dieser unbeirrt die nöthigen Maßregeln trifft. Es »inmt mir auch hierauf jetzt nicht an, sondern Alles ist tir daran gelegen, wie Sie jenen Bruch meines Schwurs ansehen, denn dieser brennt mir vor Allem auf der -eele; in Allem erblicke ich nur die Schuld jener unligen Leidenschaft, die mich umstrickt hielt; aber daß ich rs heilige Gelöbniß bei Gott gebrochen, war eine That, e meinem Bewußtsein klar war. Wie? Ist das Alles, as mich betroffen, eine gerechte Strafe für meinen Freel an Gott? Aus meiner Kindheit dröhnt mir das tort in das Ohr: „Denn der Herr wird den nicht ngestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht zum alschen!" „Elkan, erwiderte ich, Ihr Leben ist so voller Schatn, daß dieser Eidbruch eben nur ein besonders düsterer leck in demselben ist; man sieht eben den Schatten in: -chatten nur schwer, und unterscheidet ihn kaum." „Sie gehen mir aus dem Wege, Herr!" antwortete «er lebhaft. „Nein, das will ich nicht!" erwiderte ich rasch. „Ich 'ill Ihnen meine Meinung sagen, soweit ich sie in diem Augenblicke deutlich zu fassen vermag. Sie haben iel Unrecht gelitten, Sie haben viel Unrecht gethan. das eine das andere überwiegt? ein irrender Meuhenbruder vermag es nicht zu beurtheilen. Aber das ine weiß ich: wie auch Ihr Urtheil ausfallen möge, er Herr der Barmherzigkeit hat Ihnen die Gnade geehrt, Ihnen Zeit zu lassen, Alles zu büßen, was Sie ethan, sich hindurch zu ringen, Ihre Seele zu reinigen nd so in der Zuversicht auf den allbarmherzigen Richer ruhig in das Jenseits einzugehen, wo Alles ausgelichen wird, was hier in Ihnen und um Sie gestürmt, ^ies ist der Weg, den Sie noch zu beschreiten, dies die Aufgabe, die Sie noch zu lösen haben. Ihr Eidbruch war in schweres Vergehen; aber was Sie betroffen, ist nicht ie härteste Folge desselben; härter ist es, daß er Sie nieder in den Strudel der Gesetzwidrigkeit und Gewaltet zurückgeworfen, und Sie so zur verwerflichsten That ihres Lebens gebracht, jenem Ueberfall des armen Mäd- ^ns, der den Tod ihrer Mutter zur Folge gelabt ..." Elkan fing an zu zittern; sein starker, muskulöser Körper verrieth durch Zuckungen den Sturm, der ihn durchf^hr^ seine Hände bedeckten seiu Haupt, das zu wanken schHn. „Sie sehen, fuhr ich fort, daß ich Ihrer nicht schone. Aber ich fürchte, Sie blicken nur so unverweilt auf dieses eine Vergehen, um das andere nicht gewahren zu müssen. Aber Sie müssen jetzt Alles sehen, alle Wunden und Brandmale Ihrer Seele müssen aufgedeckt werden, wenn nicht um sie zu heilen, doch um dem Vater drobek zu zeigen: alle diese habeich mir geschlagen und eingebrannt, ich verberge keins, sie brennen alle, und nur Deines Gnade vermag sie zu schließen, vermag sie vernarben' zu lassen." Ein Thränenstrom ergoß sich aus den Augen des harten Mannes; er ergriff meine Hand, und sprach stammelnd: „Ich danke Ihnen, Herr ... ich blicke klar /. . sagen Sie nichts mehr, kein Wort . . . Ihre Herzensgüte könnte Sie verleiten, mir mit Sanftmuth zu begegnen, mir einen Schleier wieder über die Augen zu werfen , . . und ich bedarf jetzt der Härte . . . verlassen Sie mich jetzt ..." — Ich weiß es jetzt nicht mehr, wie ich aus der Zelle gekommen, wie aus dem Gefängnisse, wie nach meinem Hause zurück. Es war ein Aufruhr in mir, und durch ihn klang nichts weiter als das Gebet: „O, daß diese Seele gerettet werde!" (Fortsetzung folgt.) Gallerte vo« Abgeordneten jüdischen Glaubens. 29. Cmanuel S. Hart. Er wurde am 29. October 18! 1 in der Stadt Neu- Ajork geboren und frühzeitig für die kaufmännische Laufbahn bestimmt. Noch sehr jung, ging er als Waarenaufseher (Supercargo) zur See, befuhr hauptsächlich das Mittelmeer und die angrenzenden Gewässer, und ließ sich dann in seiner Vaterstadt als Eommissionär (Comniission-mercliani) nieder. Seine treffliche Erziehung befähigte ihn, an allen Tagesfragen lebhaften Antheil zu nehmen, und seine nicht gewöhnlichen Fähigkeiten zogen bald die Aufmerksamkeit seiner Mitbürger auf ihn. Die erste Ehrenstelle, mit der sie ihn betrauten, war die eines Stadtverordneten (Aldennan). Als solcher hatte er Gelegenheit nach weiteren Kreisen hin Beweise seiner rednerischen und administrativen Befähigung, sowie seiner Unbestechlichkeit und Redlichkeit zu geben. Beiläufig gesagt, die zwei zuletzt genannten Eigenschaften sollen bei den New-Aorker Rathsherren sehr gesucht sein, aber höchst selten gefunden werden. Aber gerade in dieser so schlüpfrigen Stellung wußte sich Herr Hart die Ächtung und das Zutrauen seiner Mitbürger zu gewinnen, so daß ihm im Jahre 1851 die Ehre zu Theil wurde, seine Vaterstadt im Repräsentantenhause des Eongresses

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