Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-04-21 · Heft 17 (21.4.1868) · p. Seite 340

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 17 (21.4.1868)
Date
1868-04-21
Page
Seite 340 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226653--26006-3261527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jnferat. In einem anonymen Artikel in Nr. 13 des „Israelit" ist von Gumbinnen aus behauptet worden, daß es in Ostpreußen keine-jüdischen Proletarier gebe, und daß es deßhalb angemessen Ware, wenn die zur Unterstützung hilfsbedürftigen Glaubensgenossen Ostpreußens gesammelten Liebesgaben zur Abhilfe der Noth der in Polen lebenden Israeliten verwendet würden. Wir sind weit davon entfernt, gegen die Unterstützung unserer in der That große Noth leidenden Glaubensgenossen in Polen zu eifern, können jedoch nicht umhin zu behaupten, daß auch in Ostpreußen viele Gemeinden eristireu, bei denen die Noth groß und Hilfe dringend nothwendig ist. So zählen z. B. zu der hiesigen Gemeinde ca. 3V Familien, von denen mindestens 10 Proletarier im strengsten Sinn des Wortes, also hilfsbedürftig sind, und zehn andere, welche zwar nicht unterstützungsbedürftig, aber doch so unbemittelt sind, daß sie andere zu unterstützen nicht vermögen; die übrigen 10 — sämmtlich auch keineswegs reich — haben die Pflicht, ihre darbenden Glaubensgenossen zu unterstützen und ihr, leider nur zu groß cs Elend zu lindern. So bereitwillig und opferfreudig sie dies auch thun, so können wir doch nur mit dem herzlichsten Danke eingestehn, daß diejenigen Gaben, welche wir zur Abhilfe der Noth unserer hiesigen Glaubensgenossen von dem Eentral-Unterstützungs-Eomite für Ostpreußen zu Schippenbeil erhalten haben, äußerst gelegen gekommen sind. Es ist durch sie manches" Elend gemindert, manche Dankesthrane geflossen! Ein Gleiches können wir von den Gemeinden in Allenstein, Wartenburg und Guttstadt sagen, wo manche Mitglieder ohne die erhabene Unterstützung nicht einmal im Stande gewesen wären, sich zum heiligen Osterfeste ihre Osterluchen zu beschaffen. Ja, es herrscht Noth, große Noth bei vielen unserer Glaubensgenossen in Ostpreußen, zumal in den polnischen Grenzorten, wo fast täglich Hilfesuchende aus Polen anlangen, denen auch nach Kräften Liebesgaben mit Opferwilligkeit gespendet werden. Wir halten es sonach für unabweisbare Pflicht, die für Ostpreußen gesammelten Beträge auch zu dem bestimmten Zwecke zu verwenden, wünschen aber von Herzen, daß auch für unsere nothleidende Glaubensbrüder in Polen recht schleunige Hülfe eintreten möchte. Gewiß werden bei diesem Werke der Barmherzigkeit und Mildthätigkeit auch selbst die ärmern Glaubensgenossen Ostpreußens nicht fehlen! Hohn sie in in Ostpreußen im April 1868. Der Vorstand der Synagogengemeinde. _B. Hoffmann. I. Lesser._ Die Unterzeichneten fühlen sich verpflichtet gegen eine anonyme Beschuldigung aus Gumbinnen Folgendes zu erklären: Das jüdische Central-Unterslützungscomite für Ostpreußen n Schippenbeil, wenn auch nur in einer ganz kleinen Gemeinde bestehend, hat seit seinem Wirken so viel Gutes gestiftet, so viele Thränen getrocknet, so vielen verschämten Armen aufgeholfen, so vielen kleinen unbemittelten Gemeinden möglich gemacht, ihren Bedürftigen zu dem in diesem Jahre so sehr theuern Peßach die nöthlgen Mazzos, Fleisch, Kartoffeln rc. zu beschaffen, daß wir nicht umhin können, ihm öffentlich unfern Dank auszusprechen. Nach unserer Ueberzeugung und unserem Dafürhalten hat das jüdische Comite in Schippenbeil die eingegangenen Summen sehr gut verwendet, und wenn es auch wahr sein mag, daß Gemeinden wie Heilsberg, Rastenburg re. stets ihre Armen selbst unterstützt haben, so werden sie es doch sehr gerne gesehen haben in diesem für uns so unglücklichen Jahre einen Zuschuß zu bekommen, zumal die diesjährige Noth auch mit Krankheiten verbunden ist. Wenn auch das Unglück unserer Glaubensgenossen in Rußland und Polen weit größer als in dieser Provinz ist, so hat doch das Comite in Sch. das Recht erst für uns bis zur neuen Ernte zu sorgen, und alle Gelder, die für Ostpreußen ursprünglich bestimmt sind, für sich in Anspruch zu nehmen. Osterode in Ostpr. den 6. April 1868. Der Religionslehrer. F. Sturmann. Der Vorstand der Synagogengemeiude. S. 2. Jacobsohn. E. Friedländer. I. L. Krause. Zum Nothstarrde. Aus N eidenburg in Ostpreußen. Wer wie wir an Ort und Stelle der ostpreußischen Noth sich befindet, wer wiewir den Jammer und das Elend auseigner Anschauung kennt, und von der Brodlosigkeit so vieler armer Handwerker in der jetzt so bedrückten Zeit, wenn auch minder hier, doch in den Nachbarstädten in verstärkterem Grade tagtäglich hört, kann mit Freuden nur den regen Wohlthätigkeitssinn begrüßen, den unsere Glaubensbrüder von weib und breit bekunden, und den Segen des Himmels auf die herabflehen , die, wie die Schippenbeiler, von der Noth ihrer Brüder tief ergriffen, an die Spitze des edlen Werkes der Rettung sich gestellt und frühzeitig einen Hilferuf erlassen , der in den Herzen unserer Brüder so mächtigen Wiederhall gesunden. Um so schmerzlicher muß es uns berühren zu hören, daß das edle Unternehmen der Schippenbeiler, die, wie wir aus eigner Ueberzeugung wissen, so viel Heil bereits gestiftet, aus eigner Mitte, von eignen Brüdern verdunkelt, herabgewürdigt und in ihr bestes Wirken hemmend eingegriffen wird. Ein Inserat nämlich, in Nr. 13. des Mainzer Jsrae - l iten, enthält aus Gumbinnen einen Aufruf zur Aushilfe des Nothstandes für Polen und Rußland, wobei die Gumbinner, neidisch auf ihre kleinere Nachbargemeinde, oder wie sie dieselbe ironisch nennen, „Duodezgemeinde" Schippenbeil, deren Vergehen blos dann besteht, daß sie ihnen zuvorgekommen und viel früher an der Feuerglocke gezogen, dieselbe schmähen, indem sie die eine Klaffe der dortigen Gegend nicht für zu arm, die andere für zu wohlhabend schildern, als daß noch Hilfe von auswärts nöthig wäre. Ja, die Gumbinner finden den Hilferuf des Schippenbeiler Hüfscomites nicht nur für unbe: gründet, sondern sogar strafbar, indem sie die Worte hinzufügen- , . n« irr'b rrrn* Dazu können wir, die wir aus eigner Anschauung die gedrückte Lage unserer ostpreußischen Brüder genau kennen, nicht schweigen. Wohl sind in allen von dem Comits bereits unterstützten Gemeinden wohlhabende Leute genug vorhanden, aber so wenig die alleinige Hilfe sämmtlicher Ostpreußen, wie wir aus dem Hilferuf, der von dort aus ergangen, ersehen, im Stande ist, die Provinz vom Untergange zu retten , ebenso wenig wird es den paar wohlhabenden Israeliten möglich, durch alleinige Hilfe dem Elend ihrer Brüder zu steuern. — bwv «b ünw prr bs larp DN Wir müßten ungerecht sein, wollten wir gegen den Hilferuf für Polen und Rußland Einspruch erheben. Wir wohnen hier hart an der Grenze Polens und kennen das Elend. Tagtäglich haben wir erbärmliche, verhungerte Gesichter vor Augen, die uns mehr als zuviel in Anspruch nehmen; aber der Polen halber die Unsrigen zurücksetzen, der Polen halber, deren Nebel weit tiefer wurzelt und von viel früher her sich datirt, deren Armuth in der so frühen Verheirathung ohne alle Aussicht aus Existenz ihren Grund hat, der Polen halber, für die, um sie aus ihrer bedrückten Lage zu reißen, Millionen nicht hinreichcn würden, derer halber den deutschen Bruder seinem Elend überlassen, ist weder vernünftig noch gesetzlich. Die -pß-np mna iw y Und solche giebt es leider jetzt in unserer Provinz in Masse, darunter Familienväter ettcb by imOTD 11D& , die eher dem Hungertode erliegen, als sich der Oeffentlichkeit preisgeben. Solchen Familienvätern hat unseres Wissens das Schippenbeiler Hilfs-Comite bereits reichliche Hilfe gespendet. Wir kennen zahlreiche Familien, denen mit seiner Unterstützung schwere Sorgen vom Herzen genommen worden, und die in Dankesthranen sich nunmehr ergießen. Wir kennen aber auch noch zahlreiche Familien, die noch immer fragen: niip ywa •v-iT?? Familienväter, die am Sederabende nicht recht gut sprechen konnten: nmsiöb pp» Familienväter, die am Pesachabend, trotz der freiheitlichen Stellung, die sie einnehmen, s sich dachten, auch armsel Eine sä I Ruf dieses < helfende Ha digung aber sammelten ( um dieselbe! Polen zu se Neider Soeber Schreiben d es heißt, d s Gemeinden , Schippenbei Umsom unterstützen > zufahren. Neiden Ferner an der dem eingeganger Kohn, Reli mandel, Ra 15 Sg.; d 6 Pf.; N. l^ammlun, zwei rnoderi Falkenburg 10 Thlr.; 10 Thlr.; l Vorst. A. « 11 Sgr. 1 Beilsheim Braunschw« 10 Thlr. 5 mann, Tha Verein, St lSammlun iSammlun Sammluna S. Bing \ A. Fcinber i. P. 10 3 A.; chelly, K Thlr.; ij Aachen v Wölbstein Lehrer M lung) 40 der Jftae ^0 Thlr. Unterstütz A. H. H, reichliä Nothle lendeu, die un unterst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.