Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1868)
- Date
- 1868-04-21
- Page
- Seite 339 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermittler, welche im Stande sind, einem achtbaren Kaufmann, Fabrikanten, in einer der größeren Städte Deutschlands eine Braut mit Vermögen zuzuführen, wollen ihre Adresse unter H. S. abgeben. Im Verlage von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig ist nunmehr vollständig erschienen: Cliakläisclics Wörterbuch über die Targumim und einen grossen Theil des rabb. Schriftthums von Rabb. Dr. J. Levy. 2 Bände in 4°. Preis 11 Thaler. Das Chald. Wörterbuch, die Frucht unverdrossenen, eisernen Fleisses und vieljäbriger ernster Studien, füllt eine Lücke aus, die auf dem Boden semitischer Sprachforschung und jüdisch-theologischer Wissenschaft von Fachmännern längst gefühlt wurde. Durch eine hier zum ersten Male gelieferte gründliche Bearbeitung sämmtlicher Targumim ist nicht bloss für alttestamentliche Exegese ein wesentlicher Fortschritt erzielt, sondern auch den neutestamentlichen Exegeten eine höchst schätzenswerthe Fundgrube dargeboten. Das weitschichtige Gebiet der Talmud- und Midraschliteratur hat hier ausser einer sprachlichen auch eine sachliche gründliche Behandlung gefunden: so dass dieses Wörterbuch gleichzeitig als eine encyclopädische Zusammenstellungaus dem gesammten rabbinischen Schriftthum angesehen werden darf. Die hinzugefügten Nachträge des Hrn. Prof. Dr. Fleischer haben die aufgestellten Sprachvergleichungen wesentlich bereichert und gereichen dem Werke zur wahren Zierde. Die jüdischen Schulamts-Candibaten. Es gab eine Zeit (und sie liegt nicht so fern hinter uns), in welcher Mädchen, welche Gouvernanten werden wollten, nicht wußten, wo sie sich für das vorher abzulegende Examen ordentlich vorbereiten sollten. In der Neuzeit können in eine derartige Verlegenheit nur ganz unbemittelte junge Damen kommen. Für jüdische Jünglinge, welche sich dem Lehrfache zu widmen beabsichtigen, Weht dieselbe Verlegenheit, wenn sie nicht im ^ande sind, das Seminar in Berlin zu besuchen. Seit 10 Jahren habe ich einen Theil meiner Mußezeit solchen Jünglingen gewidmet und sie theils für die Rektorats-Prüfung, theils für das Commissions-Examen vorbereitet. Drei Uebelstände sind mir dabei consequent begegnet. Erstens meldeten sich die jungen Leute gewöhnlich zu spät: 3—4 Monate vor der Prüfung; sodann treten sie nicht gleichzeitig ein; endlich beschränkten sie ihre Vorbereitung auf einige Wissensfächer. An eine auch nur bescheidenen Ansprüchen genügende Präparation war unter solchen Verhältnissen nicht zu denken. Kein Wunder also, daß die Aermsten dann nur mit „Zittern und Zagen" vor die Prüfungscommission hmtraten und gewöhnlich nur ein wahres „Roth-Examen" 'ablegten. Ein „gut bestanden" gehörte in die Rubrik »»Iba avis“. Jetzt, wö die jüdischen Candidaten in den Reihen der Seminar-Abiturienten Platz zu nehmen haben, ist eine gediegene Vorbereitung unerläßlich. Si ist aber auch wünschenswerth im Interesse der jüdischen Schulen, welche doch überall im Stande sein sollten, mit den christlichen zu concurriren in Allem, was Elementar-Kenntniffe und Fertigkeiten anlangt. Auf dem bisherigen Wege mag ich aber auch um meiner selbst willen nicht mehr fortwandeln. „Ich hasse, was da staubig; nur an das Frische glaub' ich". — Dies „Frische" dient dem Lernenden und erquickt den Lehrenden; dies ,,Frische"muß aber da mangeln, wo die Aussicht auf „Ernte" eine so klägliche, wo nur wissenschaftliche „Flickarbeit" vollzogen werden kann. Examinirt wird in: Pädagogik, Muttersprache, Rechnen, Geometrie, Geschichte, Geographie, Physik, Naturbeschreibung. Genügen hierfür 100—lf>0 Repetitions-Stunden? Gewiß nicht. Von mehreren Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß eine Annonce in diesen Blättern nicht nur erwünscht, sondern auch von Erfolg sein würde, theile ich hierdurch meinen Entschluß mit, einen ordentlichen, mehrmonatlichen Vorbereitungs-Cnrsus für die Osterprüfung 1869 abzuhalten, wenn eine hinlängliche Anzahl von Candidaten im Laufe der nächsten Monate sich melden sollte. Breslau, April 1 868. Gustav Battig, Königl. Seminarlehrer. (Bocderbleiche Nr. 8.) Inserat. Mit gerechtem Bedauern haben wir aus dem Mainzer Wochenblatt „Israelit" Nr. 13. ersehen, daß Seitens eines Inserats von Gumbinnen aus, der Nothstand unserer Glaubensbrüder in unserer Provinz für eine Chimäre im Vergleiche gegen Polen gehalten wird, was uns im Anblicke des wahrhaften Nothstandes, welcher auch in unserem Orte unter unseren Glaubensbrüdern herrscht, schmerzlich berühren muß, da wir selbst schon theilweise Hilfe aus unseren geringen Mitteln beischaffen mußten, um dieselben vor dem bittersten Elende zu bewahren. Wenngleich Inserent erklärt, daß es in Ostpreußen keine jüdischen Proletarier giebt, so dürste er gerade jetzt nur in hiesiger Gegend und selbst bei unserer nur kleinen Gemeinde erscheinen, um ein ungefähres Bild von deren jetzigen wahrhaft traurigen Verhältnissen anzuschauen, wahrlich;. er würde sein Inserat widerrufen, würde, wenn gleich auch in Polen großes Elend herrscht, auch zu uns ausrusen: „ich sehe es geht auch euch wahrhaftig schlecht, meine Glaubensbrüder, auch euch ist Hilfe höchst nöthig, wenn ihr nicht dem Verderben Preis gegeben werden sollt." Wir haben nun zwar von dem Eentral-Unterstützungs-Connte zu Schippenbeil eine Unterstützung von 40 Thlr. erhalten und haben solche auch zur augenblicklichen Abhilfe der bittersten Noch nach unserem besten Ermessen gewissenhaft vertheilt, doch reicht dieser kleine Betrag selbstverständlich nicht aus, um den zu unserer Gemeinde gehörenden in der bittersten Armuth lebenden Handwerkern und Handelsleuten Aushilfe zum ferneren"Fortbestehen in ihrer Arbeit und ihrem Gewerbe zu verschaffen, vielmehr mußte dieser Betrag zur Anschaffung von Nahrungsmiteln, welche wir auch zu sehr hohem Preise bezahlen mußten, angewandt werden. Da nun voraussichtlich die Noth bis zur Erndte der ersten Früchte sich immer mehr steigern wird, so hoffen wir vertrauensvoll, daß uns noch ferner gütige Beihülfe für unsere in großer Noth lebenden Glaubensbrüder gewährt werden möge. Liebemühl in Ostpreußen im April 1868. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. C. Rosenthal F. Hirtenfeld I. Jacobsohn.