Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1868)
- Date
- 1868-04-21
- Page
- Seite 335 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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wäre, indem er bei der Charakteristik des Talmuds auch auf die Consequenzen des talmudischen Systems in ihren extremen Ausflüssen eingegangen wäre, und dann die tückische Methode der Gegner charakterisirt hätte, welche dergleichen extreme Abfälle von den gesunden Aesten abschneiden und sie für das Mark des Stammes uud die eigentlichen Früchte ausgeben. Dennoch verliert diese Verfahrungsweise der Talmudfresser immer mehr Boden, je öfter systematische und umfassende Darstellungen über die Totalität des Talmuds au das Licht treten. Unsere Zeit weiß den Werth solcher, aus der Wissenschaft geschöpften und vom Geiste der Wissenschaft durchdrungenen Arbeiten gegenüber dergleichen, nur von gehässigen Absichten oder bornirten Borurtheilen aufgeschürften Schlacken genügend zu würdigen. Rußland. Mitau, im März. (Privatmitth.) Es ist längst bekannt, daß Theologen in einem Streite nicht gut rasten können, und, uiögen sie noch so oft in überzeugendster Weise besiegt sein, doch das letzte Wort behalten wollen. Es liegt dies in der Zähigkeit der Ansichten, welche sie vertreten und in den Begriffen, welche sie von der geistlichen Würde haben. In dem Streit um die Bauskesche Judenmission waren nicht blos von jüdischer, sondern auch von christlicher Seite zu harte Schläge gefallen, und die kurländische Pastoren- Welt fürchtet bei solchen Zeichen der Emancipation ihrer eigenen Heerde zu viel für den Einfluß, den sie beansprucht, als daß sie nicht immer und immer wieder ihre Stimme erheben sollte. Wir übersenden Ihnen hierbei eine eben erschienene Broschüre: Ein Wort über die Judenmission von vr. A. Christiani, General-Superintendent von Livland. (Riga, 1868.) Das Schriftchen hat allerdings nur durch den Stand des Verfassers einige Bedeutung. Sein Inhalt ist ganz von der gewöhnlichen Art dieser Tractätchen, und der Vers, macht cs sich um so leichter, als er jede frühere oder spätere Widerlegung von jüdischer Seite ablehnt als auf einem Boden befindlich, auf welchem eine Vereinigung doch nicht möglich. Darin hat er vollkommen Recht; daß er aber auch handgreifliche Jrrthümer, welche Thatsachen betreffen, hierin kinschließt, können wir nicht billigen, wir sagen Jrrthümer, weil wir, den Streit von unserer Seite für beendet haltend, nicht mit weiter greifenden Ausdrücken kommen wollen. Jndeß ist dieses unser Stillschweigen doch kein ganz freiwilliges. Denn des Herrn General-Superintendenten von Livland Wort hatte zunächst die Folge für uns, daß kein diesländisches Blatt eine Erwiederung von uns auf nimmt. Zur ausländischen Presse aber unsere Zuflucht zu nehmen, ist denn doch die Sache nicht wichtig genug. Erwähnen wollen wir nur, mit welcher Sicherheit der Herr Christiani aussagt: „Adler ist der Sohn eines wohlhabenden Rabbiners aus Lublin und von seinem Vater in rabbinisch-talmudischer Weisheit wohl unterrichtet. Sein Herz hatte aber keinen Frieden gefunden; er wandte sich der Schrift zu rc." wie die bekannten pietistischen Phrasen lauten. Der Herr General-Superintendent konnte so gut wie wir, wenn er es wollte, wissen, daß Adler der Sohn eines ganz unwissenden Proletariers und selbst im Talmud höchst unwissend ist. Er konnte auch wissen, welches der frühere ehrenvolle Betrieb des Adler war, der ihn nach Reval führte, wo er als Jude nicht geduldet wurde. Seine Ueberzeugung war also, daß er durch die Taufe eine bleibende Wohnstätte erlange, und erhält er als Missionsgehülfe 600 Rubel jährlichen Gehalt. Das sind Gründe, die auch auf Andere überzeugend wirken können. Bekanntlich machen die Missionsgesellschasten jeden Juden, den sie bekehren, zu einem Rabbiner und Sohn eines Rabbiners. Zu dieser Würde haben sie auch den Herrn Adler sammt seinem Vater graduirt. Mögen sie! Amerika. New-Jork, im März. Alle Staaten der nordamerikanischen Union — Rhode Island ausgenommen — haben die alten Gesetze, welche den Juden das Arbeiten am Sonntag verboten, aufgehoben. Auch Maryland, welches lange Zeit die Juden zwang, den Sonntag zu feiern, hat mittelst eines Actes localer Legislatur auf diese Beschränkung verzichtet. Palästina. Berlin, im März. Hierher gelaugte Briefe melden, daß der neue norddeutsche Consul Di\ Petermann in Jerusalem den Consulatsvertreter, Dragoman Da-