Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1868)
- Date
- 1868-04-21
- Page
- Seite 333 (sequence 11)
- Language
- German
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Bekanntlich waren die Vorlagen der strelitzschen Regierung beim Landtage weit liberaler als die der schwerinschen. Was sehen wir jetzt aber? Nicht allein daß sie ihr Wort zurückgenommen, sie hat auch noch große abweichende Zusätze gemacht und die Bestimmungen der Bundesverfassung außer Acht gelassen. Sogar das winzige Herzogthum Meiningen hat in diesen Tagen alle Beschränkungen, die auf den Juden lasteten, aufgehoben (natürlich in Folge der Bundesverfassung), — aber Mecklenburg, das „deutsche Aegypten" kann sich durchaus nicht in die neue Ordnung fügen. Es achter so wenig die Bundesverfassung wie das allgemeine Menschenrecht. Wahrscheinlich werden wir beim Reichstage, der in diesem Monate Zusammentritt, etwas Neues über die mecklenb. Verfassung in Bezug der Juden zu hören bekommen. L. Gemeindelehrer. O e st e r r e i ch i sch e r K a i s e r st a a t. Wien, im März. (Privatmitth.) Der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" hat seinen fünfundzwanzigsten Jahresbericht im Druck erscheinen lassen. Im verflossenen Jahre wurden 113 neue Zöglinge ausgenommen, 49 haben die Lehre verlassen, 37 sind als Gehilfen bei den Genossenschaften abgeschrieben worden, so daß am Schlüsse des vergangenen Jahres 193 Zöglinge (gegen 166 am Schlüsse des Jahres 1866) unter Obhut des Vereines verblieben, als höchste Ziffer, welche die Zöglingszahl seit dem Bestehen des Vereins erreicht hat. In Folge dcffen erhöhten sich die Ausgaben. Der Vorstand richtet daher die Aufmerksamkeit auf zwei Momente, das eine, die Zahl der Vcrcinszöglinge, welche in steter Zunahme begriffen, im Vorjahre von 238 auf 279, somit um 41 gestiegen, während das andere, die Ziffer der Jahres^ Beiträge, sich von fl. 3633.25 auf fl. 3550 herabgemindert hat, so daß er trotz der größtmöglichen Oekonomie in allen Zweigen der Verwaltung fl. 266.84 kr. dem Reservefonds zu entnehmen sich genöthigt sah. Er sagt: „ Während die sich von Jahr zu Jahr steigernde Zahl der Zöglinge, deren Viele aus den entferntesten Provinzen der Monarchie zum Vereine als rettendem Asyle ihre Zuflucht nehme, den schlagendsten Beweis dafür liefert, daß der Verein ein, wenn auch nur humanitäres Bedürfniß geworden sei, legt uns die verminderte Einnahme die größten Beschränkungen in der Aufnahme der Zöglinge auf. Es ist dies um so trauriger, als die civilisatorische Aufgabe des Vereines in der glücklich geänderten Stellung des Juden im Vaterlande nur einen neuen mächtigen Sporn zur erhöhten Thätigkeit findet und die Ansprüche an den Bildungsgrad des Arbeiters, wenn er nicht ewig der Sklave seiner eigenen Unfähigkeit bleiben soll, sich von Tag zu Tag gewaltig steigern." Dem Vereine ist ein Vermächtniß der Frau Nanette Schlesinger von 5000 fl. zugute gekommen, so daß er gegenwärtig ein Gesammtkapital von 67,500 fl. besitzt. Die Einnahmen betrugen 1867 6465 fl., die Ausgaben 6731 fl., worunter der Hauptposten Wäsche und Bekleidung mit 3902 fl. SBteit, im April (Privatmitth.). Es wird interessiren, zu erfahren, daß Sie, Herr Redakteur, Ihre Zeitung und ganz besonders Ihre Broschüre über die Kreuzigung auch aus die Kanzel unserer guten Residenzstadt gebracht worden ist. Der?. Wiesinger hielt am 3. d. in der Kirche am Peter seine letzte Fastenpredigt, welche er der Polemik gegen Sie und Ihre Schrift widmete. Es kann Ihnen dies nur zur Ehre gereichen und zeigt, daß Ihre Broschüre noch immer ein nicht ganz verdauter Bissen für gewisse Klassen ist. Selbstverständlich war die Polemik des Paters keine Widerlegung und die Motive seines Verdammungsurtheils just nicht die rationellsten. Zuletzt wurde Ihnen angezeigt, daß Sie „nicht in das Himmelreich kommen werden." Traurige Aussichten für Sie, wenn Sie nicht bald Ihren Frieden mit I'. Wiesinger machen! — Jedenfalls hat die Sache doch Sensation hier gemacht, und wird so zur Verbreitung Ihrer Broschüre an hiesigem Orte beitragen*). *) Wir haben hierüber mehrfache Schreiben erhalten, und wollen nur den einen Punkt berühren, daß der fromme Pater in seiner Predigt die Sache so darstellt, als ob wir die Uebersetzungen in die verschiedenen Sprachen veranlaßt hätten. Es wäre dies an sich durchaus kein Unrecht. Denn jeder Autor, der von seinen Ueberzengungen ganz durchdrungen ist, hat sogar die Verpflichtung, für deren Verbreitung nach Kräften zu sorgen. Aber es ist einfach nicht wahr. Bonden erschienenen Uebersetzungen ist keine einzige durch uns veranlaßt worden; zu einigen derselben sind wir nicht einmal um die Erlaubniß angegangen worden, und haben wir z. B. die holländische noch nicht einmal zu Gesichte bekommen, soniiarny-* I