Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1868)
- Date
- 1868-04-21
- Page
- Seite 325 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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genossen dadurch gebessert werde, ob mau nicht, was man im Großen vor dem Angesichte Europas, aufgeben muß, im Einzelnen durch die Präfecten und Polizisten und von Zeit zu Zeit durch den Pöbel um so grimmiger vergelten werde, erscheint uns kaum zweifelhaft. Der Fanatismus, der gezwungen ist, sich zu desavouiren, brennt um so mehr im Herzen weiter.- Wir erhielten soeben den Text des Gesetzentwurfes und seiner Motivirung, und wenn es auch jetzt glaublich erscheint, daß der Entwurf legale Kraft nicht erlangen werde, so gehört doch das Ganze zu den Actenstücken der jüngsten Zeit, und wir müssen daher auf die Motive einen Blick werfen. Nicht als ob es unsere Ansicht'sein könnte, hier eine ausführliche Widerlegung zu geben — dazu ist jenes Schriftstück gar nicht angethan —, wohl aber dasselbe zu charakterisiren, was in diesem Falle gleichbedeutend ist mit brandmarken. Denn schwerlich können auf einigen Seiten mehr unsinnige und lügenhafte Behauptungen, mehr verworrene und dabei doch nur vom blödesten Hasse dictirte Auslassungen zusammengehäuft werden, als in diesen Motiven eines Drittels der rumänischen Deputirtenkammer. Was Niemandem im ganzen civilisirten Europa heute noch zu sagen einfatten wird, ohne ausgelacht zu werden, das hat sich nach Rumänien geflüchtet, um hier noch einmal an's Tageslicht zu treten. Widersprüche wie der, alle die mittelalterlichen Beschränkungen, welche in den rumänischen Gesetzen seit Jahrhunderten aufgehäuft sind, herzuzählen, und zu behaupten, daß diese alle nichts geholfen, um die Einwanderung und Bereicherung der Juden zu verhindern, und nun doch nichts weiter als die alten Bedrückungen in verschärftem Maße zu fordern, wollen wir übergehen. National-ökonomischen Unsinn, den schwerlich die Schreiber selbst verstanden haben, so daß sie solchen Galimatias nur hingeworfen zu haben scheinen, um die Augen noch Unwissenderer zu blenden und das Ansehen tiefer gesetzgeberischer Weisheit einigermaßen zu haben, wollen wir ihnen gern überlassen. Es ist geradezu lächerlich, wenn diese Menschen Sätze aufstellen, mit welchen sie ganz West- und Mitteleuropa als bornirt, dumm und in seinen eigenen Eingeweiden wühlend darstellen, sich, die rumänischen Deputaten, aber als die wahren Politiker bezeichnen. Alle Staaten, welche den 3uden nicht sowohl Gleichberechtigung, sondern nur schon Schutz und Sicherheit gewähren, sind nach den Ansichten, welche diese Deputaten kundgeben, geradezu verrückt, wahn- oder blödsinnig. Sie behaupten, daß die Juden „einen fortwährenden Krieg gegen alle Völker, welche sie ausgenommen haben, führen, die Bewohner aller Länder als Feinde ausehen und nirgends die Pflichten und Lasten des Staates übernehmen, dem sie angehören". Ja, die rumänischen Deputirten behaupten allen Ernstes: „Es ist das Bestreben der Juden in Rumänien, hier einen jüdischen Staat zu gründen und von hier aus ihre Oberherrschaft über alle christlichen Völker zu bewerkstelligen." Wir würden Jedermann auffordern, nachzuweisen, ob jemals schon ein größerer Unsinn, ein lächerlicherer Wahnwitz ausgesprochen worden — wenn wir nicht befürchten müßten, dadurch ebenso lächerlich zu werden. Jedenfalls bilden sich diese Rumänen ein, daß die Juden ebenso wie sie selbst glauben, Rumänien sei der Nabel der Welt, von welchem jetzt oder in Zukunft die Universalmonarchie ausgehen werde. Daß solche Politiker sich nicht entblöden, ihre Insinuationen mit den offenbarsten Lügen zu verbrämen, setzt Jedermann voraus. Zuerst wollen sie überreden, daß Rumänien von Juden überschwemmt sei. Vor kurzer Zeit las mau in den dortigen gouvernementalen Bläftern, daß über eine Million Juden in den Donaufürstenthümern leben — diese Lüge war zu stark, und in den Motiven halbirte man die Dose, und man begnügt sich mit einer halben Million. Aber genaue statistische Tabellen haben erwiesen, daß sie in beiden Donaufürstenthümern zusammen nicht über 120,000 Seelen zählen, also nicht einmal auf 40 Rumänen 1 Jude kommt. Die hierauf folgende Behauptung ist, daß sie alle vorhandenen Capitalien in Rumänien an sich gezogen hätten, und daß darum alles Capital aus Rumänien verschwunden sei. Nun ftndet aber gerade das Gegentheil statt: die Juden ziehen fremde Capitalien nach dort. Den besten Beweis liefert der Zinsfuß, der ehemals mindestens 24 pCt. pro Anno war, und der jetzt, nachdem fremde Capitalien mit den und durch die Juden eingewandert sind, auf 12 pCt., ja bis aus 8 pCt. reducirt ist. Hieran schließt sich der Borwurf, daß die Juden die Theuerung aller Lebensmittel bewirkt hätten. Daß in der ganzen Welt der Preis der Lebensmittel gestiegen, d. h. das Geld wohlfeiler geworden,-wollen wir nicht eimnal geltend machen. Aber gesetzt, die Herren Deputirten hätten Recht, so hieße das doch nichts anderes, als daß die Inden den rumänischen Produkten Absatz und Ausfuhr verschafft hätten, und dies käme doch vorzugsweise den rumänischen Producenten zum 17*