Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1868)
- Date
- 1868-04-14
- Page
- Seite 305 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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welche Ihnen die letzten Nachrichten auS Jassy Betreffs der Vorlage eines nicht zu billigenden Gesetzesvorfchlages über die Behandlung der Juden eingeflößt haben. Glücklicher Weise bedarf diese Sache nicht mehr vor dem Gewiffen des Europa vom l9. Jahrhundert vertreten zu werden, und ich hoffe, daß dieselbe trotz dieser gehäffigen Kundgebung, die auf immerdar eine Schande für ihre Urheber bleibt, auch in Rumänien den Sieg davon tragen wird. Ich ergreife indessen gern die Gelegenheit, die Sie mir durch Ihren Brief darbieten, um Ihnen laut meine unwandelbaren Sympathien, die ich hinsichtlich Ihrer verfolgten Glaubensgenossen habe, und meine Wünsche zu bezeugen, die ich für die schleunigste Beseitigung einer Unduldsamkeit hege, die heutzutage ein öffentlicher Scandal ist. Empfangen Sie rc. Nigra. Wir erhalten folgende Correspondenz: Paris, 1. Äpril. iPrivatmitth.» Die Angelegenheit der rumänischen Israeliten beschäftigt noch alle Kreise der politischen Welt. Der Kaiser selbst ist, gutem Vernehmen nach, sehr stark gegen den Fürsten Carl aufgebracht, um so mehr, als er von demselben früher große Hoffnungen für die Civilisirung Rumänien's gehegt hatte. Der Fürst hat nämlich längere Zeit die Erziehung der Frau Cornu genoffen, der Milchschwester des Kaisers Napoleon III., einer begabten Frau, welche noch jetzt häufig bei ihrem.kaiserlichem Milchbruder verkehrt. Der einmüthige Unwille, welchen die schändliche Proposition gegen die rumänischen Israeliten in ganz Europa hervorgerufen hat, beginnt denn auch, die Machthaber in Bukarest zu erschrecken. Bereits hat ein Drittel der Deputirten, welche den Gesetzentwurf eingebracht hatten, ihre Unterschrift zurückgezogen, und die bukarester Regierung ergeht sich hier und in London in den feierlichsten Versicherungen, daß sie sich dem Projekte aus allen Kräften widersetzen und dasselbe ohne Zweifel zum Falle bringen werde. Es ist in der That wahrscheinlich, daß unter dem Einflüsse der öffentlichen Meinung Europa's das Ministerium Bratiano so zu handeln gezwungen sein wird: aber man darf nicht vergessen, daß hiermit noch wenig erreicht ist, und daß wie die „France" es dieser Tage in einem zweiten Artikel richtig hervorhob, in Rumänien noch unzählige Beschränkungen, die auf den dortigen Israeliten lasten, abzustellen sind. —. Wir fügen noch hinzu, daß auch die preußische Negierung ihren Einfluß in Bukarest nachdrücklich verwendet, daß der wahnsinnige Entwurf nicht weiter verfolgt werde. Ferner: Der Botschafter Preußens in Paris, Graf v. d. Goltz, hat soeben an Herrn Cremieux, Präsident der Alliance israelile, das folgende Schreiben gerichtet: Paris, 2. April 1868. Mein Herr! Ich habe mich beeilt, dem Herrn Grafen Bismarck das Schreiben zu übermitteln, welches Sie mir unterm 26. März eingesandt und in welchem Sie den Beistand Sr. Majestät des Königs, meines erhabenen Herrn, beim Fürsten Carl von Rumänien zu Gunsten der isr. Bevölkerun dieses Landes in Anspruch nehmen. Sie haben schon aus dem Schreiben des Conseil-Präsidenten vom 22. Februar den lebhaften Antheil ermessen können, den die Regierung des Königs an dieser Frage nimmt. Die Bereitwilligkeit, mit welcher Graf Bismarck dem in Ihrem Briefe vom 26. März kundgegebenen Wunsche Folge gegeben hat, ist hierfür ein neuer Beweis. Se. Excellenz beauftragt mich, Sie davon in Kenntniß zu setzen, daß der preußische General-Consul in Bukarest sofort auf telegraphischem Wege aufgefordert worden ist, dem Fürsten Carl die lebhaftesten Vorstellungen gegen die Gesetzvorlage, betreffend die Israeliten, zu machen, welche soeben den rumänischen Kammern unterbreitet wurde. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung rc. Der preußische Botschafter, Graf v. d. Goltz. Wien, 5. April. Die Neue Freie Presse behauptet heute, das wiener Cabinet habe den österreichischen General-Consul zu Bukarest mit einem energischen Protest gegen den von den rumänischen Deputirten beantragten Juden- und Gesetzentwurf beauftragt, und hierüber habe auch eine Conferenz zwischen Herrn v. Beust und den Vertretern der vier Großmächte mit dem anwesenden russischen Botschafter Jgnatiew Statt gefunden, deren Folge ein gemeinsamer Schritt der Vertragsmächte sein würde. Literarischer Wochenbericht. Berlin, im März. Der letzte Makkabäer. Historischer Roman. Aus den Papieren eines Verstorbenen in 3 Bänden. (Hannover, 1868.) Wenn der Verfasser in der That verstorben ist, so wird er im Reiche der Wahrheit zur Erkenntniß gekommen sein; lebt er noch und ist der Zusatz auf dem Titel nur eine Maske, so mag es gut sein, daß er noch in der Endlichkeit die scharfe Wahrheit vernehme. Das Buch beginnt: 15*