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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-04-14 · Heft 16 (14.4.1868) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 16 (14.4.1868)
Date
1868-04-14
Page
Seite 304 (sequence 2)
Language
German
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da mit unzähligen Jrrthümern, mit dunklen Mächten und ihrem ungeheuren Gewichte, mit Leidenschaften und Verkehrtheiten aller Art zu kämpfen. Wir stehen noch mitten in der Arbeit. Wer vermag anzugeben, wie viele Zeiten noch vorüberfließen werden, bevor diese Arbeit gethan sein wird? Aber zweifeln wir, daß sie fortschreitet, daß sie sich vollendet? Ein klarer Blick in das, was feit einem Jahrhundert geschehen, vor Allem ein Blick auf uns selbst und was uns geschehen, lehrt uns die unzweideutige Wahrheit, läßt uns die Wirklichkeit erkennen. Und underdeß wollen auch wir fest und unerschütterlich jenen Rufen lauschen, die unsere Väter au der Küste des rothen Meeres, am Fuße des Sinai, am Ufer des Jordans vernahmen, und die seitdem aus dem Munde unseres Stammes, aus dem Herzen unserer Geschlechter nicht gewichen sind. Underdeß und allsolang wollen wir das Peßach feiern, das uns jene welterlösenden Rufe immer wiederholt und durch das wir uns ihnen immer wieder zubekennen und zugeloben. Rumänien. Es ist viel leichter, örtliche Verfolgungen und Mißhandlungen in Scene zu setzen, sie dann zu vertuschen oder abzuleugnen, als ein, allen Forderungen des Rechts und der Humanität widersprechendes Gesetz vor den Augen Europas durch die gesetzgeberischen Faktoren in öffentlichen Sitzungen durchzubringen. Es war daher sicherlich ein grober Fehlgriff der Judenfeinde in Rumänien, den drakonischen Entwurf einzubringen, der nun doch die Augen Aller öffnen muß und die rumänische Regierung zwingt, bestimmte Position zu nehmen. So geht -es aber immer, wenn die Leidenschaft ihr eigenes Maß überfüllt, und wir haben stets behauptet, daß es für uns zuträglicher sei, übertriebene Feinde gegenüber zu haben, als solche, welche ihren Haß in feinere Formen zu bringen verstehen. Wir haben bereits in vor. Nr. aus Paris mitgetheilt, daß die französische Regierung diesem Gesetzentwurf gegenüber eine energische Haltung annehmen und daß sie nicht dulden werde, daß den ausdrücklichen Grundsätzen des Vertrages, auf welchem die Existenz des rumänischen Staates beruht, so Hohn gesprochen werde. Die Lllisnee israSlite universelle hat sich auch an den englischen und den italienischen Gesandten in Paris gewendet, und diese haben in sehr sympathischer Weise die kräftige Verwendung ihrer Regierungen zugesagt. Die Angelegenheit ist daher schon in ei» zweites Stadium getreten. Bon der rumänischen Regierung versetzt man sich bereits wieder auf die Linie des Ableugnens. Der Gesetzentwurf wird, wie eine aus Bucharest in Paris eingegangene Depesche betheuert, nicht von der liberalen Majorität der Kammer, am allerwenigsten von der Regierung selbst begünstigt, und Hr. Cretzulesco in Paris hat dem Marquis de Moustier versichern müssen, daß die „von der Kusa'schen Bojarenpartei eingebrachte Vorlage" jedenfalls abgewiesen werden würde. Es wird allerdings hierdurch Niemand getäuscht. Unter den Unterzeichnern des Antrages befinden sich der Kammerpräsident, also der Erwählte der Regierung und der Redacteur des Regierungsblattes „Romanu", ein Herr Hajdeu sein getaufter Jude). Wie soll also der Antrag von der regierungsfeindlichen Partei ausgegangen sein? Allein auch diese Ableugnung ist schon ein Triumph der guten Sache, und wir wollen gern dem fliehenden Feinde eine goldene Brücke bauen, wenn damit nicht allein der verabscheuungswerthe Antrag fällt, sondern endlich auch die reellen Verfolgungen aufhören. Nach den neuesten Nachrichten haben 10 von den 31 Unterzeichnern ihre Unterschrift zurückgenommen, und die Majorität der Abgeordneten protestirt heftig dagegen, daß die Unterzeichner die Majorität verträten, — Die Antwortschreiben des englischen und des italienichsen Gesandten an Herrn Crämieux lauten wie folgt: Englische Botschaft. Paris, 27. März. Mein Herr! Ich beeile mich, Ihnen den Empfang des Briefes, welchen Sie gestern an mich gerichtet haben, so wie de» des demselben beigefügten Telegrammes anzukündigen. Die Nachricht, welche Sie darin melden, war schon zur Kenntniß der Regierung der Königin gelangt, welche nicht verfehlte, sofort dem Agenten Ihrer Majestät in Bukarest die nothwendigen Instruktionen zu übersenden. Ich ergreife diese Gelegenheit, um Ihnen das Interesse kundzugeben, welches die Regierung der Königin an der Sache der israelitischen Gemeinschaft in Europa nimmt, und den Antheil, den ich persönlich darin nehme. Genehmigen rc. Lyons. Italienische Gesandschaft. Paris, 27. März. Mein Herr! Ich schließe mich mit vollster Entrüstung meiner Vernunft und meines Herzens den Gefühlen an,

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