Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1868)
- Date
- 1868-04-07
- Page
- Seite 288 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226651--25952-3261471- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
288 aus Herend, M. Fleischmann aus Pest und Schlesinger aus Waag-Neustadtl. Der Sprecher der altgläubigen isr. Vertrauensmänner richtete an seine Excellenz nachstehende Ansprache: „Ew. Excellenz! In Folge der gnädigen Aeußerung Ew. Excellenz, wonach für den Fall, daß während der Conserenzberathungen Meinungsverschiedenheiten zu Tage träten, der Minorität das Recht zustehen würde, ihre Separatansicht zu unterbreiten: gestatten wir uns, unsere auf den Entwurf des Wahlstatutes bezüglichen Modifikationen in tiefster Ergegebenheit der h. Aufmerksamkeit Ew. Excellenz zu empfehlen." Se. Excellenz der Herr Cultusminister erwiederte hierauf im Wesentlichen Folgendes: Er werde das ihm überreichte Elaborat mit großer Aufmerksamkeit durchlesen und mit dem Operate der Majorität der isr. Conferenz vergleichen. Er sagte ferner, daß sie ihre Gemeinde- und Schulelaborate zu jeder Zeit einreichen dürfen, die er ebenfalls dem Congresfe vvrlegen werde, dem es dann anheimgestellt bleibt, was er als Basis seiner Thätigkeit wählen wolle. In religiösen Angelegenheiten ist ein Compromiß nicht möglich, da eine Ueberzeugung nur als eine ganze denkbar fei. Was zwischen diesen beiden Ansichten schwankt, würde weder die eine noch die andere Partei befriedigen. Er würde es denn auch nicht dulden, daß der eine Theil den andern unterdrücke, weshalb es auch am zweckmäßigsten sei, bezüglich des öff. Gottesdienstes, wo dieß nöthig erscheint, eine vollständige Trennung platzgreifen zu lassen; die allg. administrativen Angelegenheiten könnten dessen ungeachtet vereint bleiben. Es möge immerhin sein, daß die Altgläubigen die Mehrzahl der im Lande wohnenden isr. Bevölkerung bilden; in manchen Gemeinden dürste trotzdem die andere Partei die Majorität haben, weshalb die Basis gegenseitiger Freiheit auch die beste und sicherste sei. Eine Trennung würde für die Regierung von minder großem Uebel sein, als für die Judenheit selbst. Die Religiösität könne nicht als Hinderniß der Civilisation betrachtet werden; er wisse die religiöse Ueberzeugung zu würdigen und werde sie auch zu jeder Zeit beschützen. Herr Grün aus Maros-Ujvär nahm hierauf im Namen der Conferenz-Minorität von Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister in nachstehenden Worten Abchied: „Wir sind Freunde des Beisammenbleibens; aus der Tiefe unseres Herzen wünschen wir die Einigkeit. Feierlich versprechen wir, die erhabenenen Intentionen Ew. Excellenz, die eigentlich die Vereinigung unserer moralischen und geistigen Interessen anstreben, ans vollem Herzen zu unterstützen und die Realisirung derselben auf der gemeinsamen Basis des Fortschrittes und der Religiosität mit vereinten Kräften fördern zu wollen, nachdem wir tief überzeugt sind, daß echte Religiosität mit allgemeiner Bildung nichtkollidire. Wir könnten uns hiebei auf Beispiele berufen, doch müßten wir ja in diesem Falle fast sämmtliche gefeierte Namen Europa's und unseres theuern Vaterlandes der Reihe nach aufzählen." Hierauf wurde die Conferenz-Minorität huldvoll entlassen. Indem wir hiermit den Cyclus unserer Artikel über die ungarisch-jüdische Notablenversammlung vorläufig abschließen, werden wir es nicht unterlassen, den weitern Phasen dieser wichtigen Angelegenheit die vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden, und die geschätzten Leser dieses Blattes rechtzeitig davon zu unterrichten. Sal. Blum. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. Februar. Aus Paris schreibt man: Der Kaiser hat dem jungen Gelehrten Delaunay eine wissenschaftliche Misiion nach Italien zur Aufsuchung neuer Manuskripte Philo's von Alexandria anvertraut. Paris, im Febr. (II. Literarischer Brief?) Ist es nicht erstaunenswerth für unsere Zeit, wo man glaubt, daß die jüdische Literatur mit den alten Veteranen ganz in den Hintergrund tritt, das Gegentheil zu sehen? Jeder Tag bringt uns die Kunde der Veröffentlichung eines neuen Werkes; jeder Literaturkundige bestrebt sich etwas Neues zu geben, und wenn auch so manches hätte ausbleiben können, so müssen wir sagen p'riv Nllwb «2 niowb «Vtö Wundern wir uns hauptsächlich, wenn ein ganz hebräisches Werk erscheint, und fragen wir, wer sind die Käufer, denn Leser finden sich am Ende schon; es bleibt uns nichts andres übrig, als zur alten Mischna zurückzukommen, die löst uns das Räthsel rinn «sn DM73 "O D^:s mdd i-iwn. Die Reichen wissen ja gar nicht mehr, daß es eine jü- . *) Den ersten s. S. 534. vor. I.