Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-04-07 · Heft 15 (7.4.1868) · p. Seite 286

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 15 (7.4.1868)
Date
1868-04-07
Page
Seite 286 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226651--25950-3261469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

286 Motive in reichem Maße aufgedeckt. WaS die Rumänen bis jetzt zum Vorwand gebrauchten, verräth ihr Spiel hinlänglich. Es hieß, man wolle die Vagabonden entfernen, und warf sich auf die Ansässigen, seit langer Zeit Angesiedelten. Man nahm selbst seine Zuflucht zum Verzehren von Menschenblut u. dgl. Sehen wir von allen diesen finsteren Künsten ab und heben wir nur nachdrücklich hervor, daß es die Pflicht aller freigesinnten Männer, denen ein Herz für Recht und Humanität schlägt, daß es besonders die Pflicht aller einflußreichen Glaubensgenossen ist, diesem neuen Versuche, Gewalt und Barbarei in Gestalt eines Gesetzes in die europäische Welt zu bringen, mit aller Kraft entgegenzutreten. Die Zeit der Verwendungen ist vorbei, und es liegt nun der unzweifelhafte Beweis vor, daßl alle Verheißungen, von denen sich so viele und bedeutende Männer beschwichtigen ließen, illusorisch waren. Nicht Reclamationen, sondern thatkräftiges Einschreiten thut Roth, und pei-ieulum in mori» I Zum Schlüsse erhalten wir folgende Correspondenz: Paris, 29. März. (Privatmitth.) Der nichtswürdige Gesetzentwurf gegen die Juden, welcher in der rumänischen Kammer eingebracht ist, hat in der französischen Presse eine einstimmige scharfe Verurtheilung gefunden, nur die klerikalen Bl. bleiben stumm. Einer der herbsten Artikel über diesen schmachvollen Vorgang findet sich in der officiellen „France" vom gestrigen Tage. Er ist von Escudier unterzeichnet, stammt aber in Wirklichkeit von unserem Minister des Auswärtigen, Hrn. von Mvustier, für den Herr Escudier zu unterzeichnen pflegt. Durch diesen Umstand wird natürlich dem betreffenden Artikel eine erhöhte Wichtigkeit verliehen, und ich erlaube mir deshalb, Ihnen denselben zu übersetzen: „In der französ. Presse und selbst in der Presse ganz Europa's herrschen nur eine Stimme, um den, des Mittelalters würdigen Gesetzentwurf zu brandmarken, welcher von 31 Abgeordneten des rumänischen Parlaments, unter denen sich der Präsident der Kammer befindet, gegen die Israeliten Rumäniens eingebracht worden ist. „Ein Telegramm aus Bukarest, von officieller Seite abgesandt, versichert heute, daß diese Deputirten nicht zu der liberalen Partei der Kammer gehören, sondern zu der reaktionären. „Schon der Name des Präsidenten der Kammer unter den Urhebern dieses Vorschlages der Intoleranz und des Fanatismus straft diese Versicherung offenbar Lügen. Wir müssen ferner konstatiren, daß unglücklicher Weise die 31 Abgeordneten in Bukarest sich von dem berüchtigten Rundschreiben haben inspiriren lassen, welches im letzten Jahre bei Gelegenheitt der Reise des Hrn. Bratiano in der Moldau veröffentlicht wurde, und das so beklagenswerthe Verfolgungen gegen die jassyer Israeliten zur Folge hatte. „Es ist möglich, daß heute Hr. Bratiano es für nöthig befindet, officiell vor der rumänischen Kammer den rumänischen Entwurf zu bekämpfen, der in derselben eingebracht ist. Aber man kann unmöglich in Abrede stellen, daß er selbst es ist, der im vorigen Jahre unkluger Weise den Keim zu dieser ungerechten Reaction gelegt hat." Man wird bemerken, daß in diesem Artikel ein, für officiöse Kungebungen ungewöhnlich harter Ton herrscht. Es wird der rumänischen Regierung offen Lüge, Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit vorgeworfen. Ich glaube hinzufügen zu dürfen, daß nach den sichersten Nachrichten die französische Regierung entschlossen ist, wenn wider Verhoffen dieser Entwurf von den Kammern und dem Gouvernement Rumänien's angenommen wird, eine solche Verletzung der Verträge nicht zu dulden, sondern die Aufrechterhaltung der allgemeinen Gleichberechtigung in den Fürstenthümern mit allen Mitteln zu erzwingen. Wünschenswerth wäre es freilich, wenn im norddeutschen und im englischen Parlamente neue Interpellationen über diesen Gegenstand stattfänden. Ungarisch-jüdische Uotablenversammlung. IX. Neu-Verbaß, Anfang März. Rede des k. ungarischen Cultus- und Unterrichtsministers Baron Eötv ös bei Gelegenheit des Schlusses der Berathungen der Notablen am I. März. Geehrte Conferenz-Mitglieder! Empfangen Sie meinen aufrichtigsten Dank für die Bereitwilligkeit, womit Sie, von mir ausgefordert, zu dieser Berathung erschienen sind; meinen aufrichtigsten Dank für die eifrige Mitwirkung, womit Sie mich in den, auf die gesetzliche Regelung der von uns verhandelten hochwichtigen öffentlichen Angelegenheit gerichteten Vorarbeiten unterstützt haben. Das Werk, welches wir begonnen haben, wird, all-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.