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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-31 · Heft 14 (31.3.1868) · p. Seite 273

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 14 (31.3.1868)
Date
1868-03-31
Page
Seite 273 (sequence 11)
Language
German
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273 gesetzlich constatirten Verluste entschädigt werden sollen. Dieserhalb ist eine Untersuchung eingeleitet, um die Urheber der Erhebung ausfindig zu machen und die Opfer derselben schadlos zu halten. Gleich Ihnen diese traurigen Vorfälle bedauernd, glaube ich Ihnen doch Behutsamkeit anempfehlen zu müssen gegen die Uebertreibungen, welche sie in den meisten öffentlichen Blättern erfahren haben, und bin ich im Stande Ihnen zu versichern, daß sie, wenn auch in jeder Hinsicht zu bedauern, doch von der ihnen in correcter Weise beigelegten Bedeutung weit entfernt sind. Die Wahrheit zwingt mich, hinzuzufügen, daß es nach den Ergebnissen der Untersuchung, die ihren Fortgang nimmt, Ihre Religionsgenossen waren, welche jenen Aufruhr unglücklicher Weise veranlaßt, wenn' nicht provocirt hatten. Genehmigen Sie rc. Stephan Golisue. Wir wünschen vom Herzen, daß das Versprechen der Entschädigung diesmal besser gehalten werde, als das bei der Zerstörung der Synagoge zu Bukarest gegebene, wo zwar der Fürst Carl seinen Edelsinn in einem beträchtlichen Geschenke bewies, nicht aber der Staat oder die Stadt die Pflicht der Entschädigung erfüllte. Leicht ist es übrigens, indem man zugiebt, daß die Untersuchung noch im Gange sei, die Behauptung aufzustellen, die Juden hätten den Aufstand provocirt, und die Zeitungen übertrieben die Schilderungen. Die Natur der Sachlage widerspricht dem und alle Berichte aus authentischen Quellen sagen das Gegentheil aus. Hoffen wir nur, daß dergleichen Vorfälle in Rumänien nicht mehr Vorkommen, und mögen endlich die Zusicherungen einer gerechten Behandlung und der religiösen Toleranz endlich zur Wahrheit werden. Wir hätten noch manche Bemerkung über das obige Schreiben zu machen, aber in dem Verlangen, daß endlich Ruhe und Sicherheit wieder über jene gequälten Menschen komme, wollen wir sie unterdrücken. Alle ministeriellen Schreiben aber werden uns nicht abhalten, wachsam nach dieser Seite hin zu sein. Frankreich. Paris, im März.' Ein Herr Lunel hatte eine Petition an den Senat gerichtet, in welcher er eine ganze Reihe von Anschuldigungen, namentlich gegen den in den französischen Synagogen üblichen Tarif für die Mizwoth, Trauungen, Beerdigungen rc., gegen die Verwaltung der Consistorien, die keine Rechenschaft ablegten, und gegen das Wahlreglement zu den Consistorien aufgeführt hatte. In der Sitzung des Senates vom 11. Februar kam die Petition zur Verhandlung, und der Berichterstatter!, Herr Chaixd'Est-Ange, hatte eine sehr sorgfältige Untersuchung der Thatsachen vorgenommen und erstattete einen sehr ausführlichen Bericht, auf welchen hin der Senat nach dem Anträge der Commission zur Tagesordnung überging. Der Berichterstatter wies nach, daß viele der angeführten Beschuldigungen irrig seien, indem keinem Israeliten die Hülfe der Religion versagt oder von Zahlung gewisser Summen abhängig gemacht werde, sondern die letztere erst nach dem Maßstabe des Luxus eintrete, der dabei entfaltet werden solle, so wie daß die Mizwoth nicht religiöses Bedürfniß, sondern nur Ehrensache seien, andere Angriffe aber sich gegen die kaiserlichen Reglements richten, gegen welche bis jetzt selbst kein Israelit protestirt habe. Die Vorschläge des Herrn Lunel charakterisirt er von diesem Standpunkte aus. Es bewährte sich auch hierbei, daß wer zu viel beweisen will, nichts beweist und daß blinder Eifer nur schadet. Amerika. Philadelphia, im Februar. (Privatmitth.) Am 4. fand die Beerdigung des Rev. Jsaac Leeser unter großer Theilnahme statt, und seitdem folgten von sehr vielen Gemeinden und Brüderschaften Resolutionen, um sein Andenken zu ehren. Sein Absterben bedeutet immerhin eine nicht unwesentliche Lücke im amerikanichen Judenthume. Er war 1806 in Münster in Westfalen geboren, und lag dem jüdischen Studium daselbst ob. Neunzehn Jahre alt, wanderte er in Amerika ein (1825), wo damals in jüdisch-religiöser Beziehung noch eine wahre Wüste war. Man kann ihn als Pionier des Judenthums in Amerika ansehen. Der „Occident“ wird wahrscheinlich nicht fortgesetzt werden. Nachtrag. Berlin, 20. März. (Privatmitth.) Es waren hier mehrere angesehene Männer zusammengetreten, um 14*

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