Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1868)
- Date
- 1868-03-31
- Page
- Seite 272 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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272 sind die Ersten, welche das Gefühl der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit in unseren Glaubensgenossen lobend anerkennen; sobald es aber nur vorgeschützt wird, um der Herrschsucht und dem Fanatismus zu dienen, und dem Gezänk und Hader Mittel zu bieten, sich zu befriedigen, ist es verächtlich, weil es erheuchelt ist. Redaction.) Aus Mähren, im Februar. Man schreibt der „Presse": „Während in Wien, wie wir vernehmen, blos der Vorstand der dortigen israelitischen Cultusgemeinde seitens der Regierung eingeladen wurde, sein Gutachten über die dermalen auf die Tagesordnung gelangte Seminarfrage abzugeben, wurden in unserem Kronlande nicht die jüdischen Communalbehörden, sondern Fachmänner mit dieser ehrenden Mission betraut. Als solche traf die Wahl folgende Herren: den Landesrabbiner A. Placzek in Boskowitz, Dr. B. Placzek, Ignaz Wohlmuth, Franz Flesch in Brünn, Dr. Duschak in Gaya, Dr. Schmiedl, Dr. Gideon Brecher in Proßnitz, Friedrich Karplus in Göding, Dr- Feuchtwang in Nikolsburg, Religions-Professor D. Ehrmann, Ezechiel Cohn in Jamnitz. An competenter Stelle scheint in dieser Frage ein großer Werth auf die Stimmen gelegt zu werden, welche sich aus Mähren vernehmen lassen, weil die Absicht vorhanden ist, die Mittel des mährisch-jüdischen Landesmassafonds, welcher über ein Capital von mehreren hunderttausend Gulden verfügt, für Zwecke des in Angriff zu nehmenden diesleithanischen Seminars in Anspruch zu nehmen. In dieser Erwägung haben auch bereits Vorbesprechungen in Brünn stattgefunden, an denen sich der Landesrabbiner Dr. B. Placzek, Wohlmuth, Karplus und Ehrmann betheiligten. In Beziehung auf den Ort, wo das fragliche Institut zu creiren sei, neigt sich die Majorität der Ansicht dahin, daß die Hauptstadt Böhmens am geeignetsten hiezu erscheine. Neben den localen sprechen rein wissenschaftliche Interessen für diese Wahl. Wien böte wohl mustergiltige Prediger, aber nicht genügende wissenschaftliche Lehrkräfte und Lehrmittel. Ueberdies sprechen dagegen auch locale und sociale Momente." Aus dem Tokaier-Gebirge, im März. (Privatmitth.) In Kaschau wird eine vierclassige Hauptschule ins Leben gerufen und ist bereits der Concurs behufs Besetzung der Lehrerstellen ausgeschrieben. Auch wurde in Ujhely die Erweiterung der Schullocalitäten vom hohen Ministerium für Cultus und Unterricht angeordnet. Wie wir vernehmen, dürfte die Verbindung einer Präparandie mit der Musterschule in naher Aussicht stehen. Vor uns liegt die neueste Schrift, herausgegeben von Moritz Ehrentheil: „Hebräisch-ungarisch-deutsches Wörterbuch, 1. Theil. Pest, Verlag von W. Lauser." Wir haben wohl kaum nöthig das vortreffliche Werk des verdienstvollen Verfassers auf das Wärmste zu empfehlen, nur wünschen wir mit dem geehrten Autor, daß es dem ung. isr. Verein recht bald gelingen möge eine ungarische Bibelübersetzung zu veranstalten, damit der Verfasser bei einer neuen Auflage der Mühe überhoben ist, sich in der Wörtersammlung engstens an ein Werk anzuschließen, welches schon im Jahre 1840 erschienen ist. I. Rosenmeher, Oberlehrer. Donaufürftenthümer. Bukarest, im März. Die Juden-Verfolgungen in Verlad hatten den greisen Sir Moses Montefiore in London zu einem Schreiben an den Fürsten Carl veranlaßt, auf welches der Minister des Auswärtigen am 19. Febr. folgende Antwort ertheilt hat: Se. Durchlaucht Hoheit, der Fürst Carl I-, hat mir den Brixf mitgetheilt, welchen Sie an ihn zu Gunsten der israelitischen Bevölkerung Rumäniens bei Gelegenheit der jüngsten Unruhen in Verlad gerichtet hatten. Se. Durchlaucht Hoheit, welche mich mit der Beantwortung desselben betraut hat, trägt mir gleichzeitig auf, Ihnen für die von Ihnen geäußerten wohlwollenden Wünsche und freundlichen Gesinnungen zu danken. Festhaltend an der in der Thronrede gegebenen Erklärung und getreu den Gefühlen der Gleichheit, welche diese Erklärung bezeugt — Gefühle, deren Sie Sich erinnern werden, da Sie dieselben gelobt haben —, ist Se. Durchlaucht Hoheit fest entschlossen, nicht zu dulden, daß ein Theil seiner Unterthanen, welchem Glauben sie auch angehören mögen, jemals aus religiösen oder anderen Gründen ungerächt bedrängt werde. Auch habe ich Ihnen von Seiten unseres erhabenen Souverains die Versicherung zu geben, daß diejenigen Ihrer Glaubensgenossen, welche unter dem Aufruhr in Verlad zu leiden hatten, für die bei diesen bedauerlichen Vorfällen erlittenen und