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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-24 · Heft 13 (24.3.1868) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 13 (24.3.1868)
Date
1868-03-24
Page
Seite 252 (sequence 10)
Language
German
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252 d'Israeli schon bei seiner Geburt getauft wurde. Auf diese Weise geht uns Herr d'Israeli eigentlich gar nichts mehr an, und wir sind die letzten, die über dessen Erhebung zum höchsten Amte seines Vaterlandes eine besondere Befriedigung empfinden, da er ja zu den Bekennern des Judenchums nicht gehört, und es uns überall nur auf das Princip der Glaubensfreiheit und der Gleichberechtigung, nicht aber auf das Schicksal von Individuen ankommt, deren Ahnen unserem Stamme entsprungen waren. Dennoch wollen wir hierbei nicht mit Stillschweigen übergehen, daß d'Jsraeli voll Enthusiasmus für den jüdischen Stamm ist und diesen in vielen Schriften mit großer Energie ausgesprochen — ja, mit einer Energie, die ihn vor großen Uebertreibungen nicht schützte. Und wie eine jede Uebertreibung nur schadet, so geschah es auch hier, denn da er sich einbildet, daß alle bedeutenden Menschen von jüdischem Stamme seien, so verfiel er dadurch nicht blos in große Irrthümer, sondern auch in's Lächerliche. Bei der obwaltenden Gelegenheit aber holen seine Gegner, und deren giebt es auch viele solche, welche es aus Mißgunst sind, ohne irgendwie selbst dabei betheiligt zu sein, seine jüdische Abstammung hervor, und unter dem Deckmantel des Liberalismus reiben sie es der englischen Aristokratie unter die Nase, daß sie einen jüdischen Abkömmling zum Premier gemacht und machen mußte. Wir zitiren deshalb Folgendes: Aus London, 26. Febr., schreibt dieWeser-Ztg.: Die „Erziehung" der Torhpartei ist vollendet; sie hat ihre Prüfung überstanden. Wie viel auch nöthig gewesen sein mag, um die betitelten und unbctitelten Land-Edelleute zur Lösung der harten Prüfungsaufgabe zu befähigen — und, wie man hört, war die Atmosphäre in den Schulzimmern der Partei, in den ahnen- und wappengeschmückten Sälen des Carlton- Clubs, gerade während der letzten Tage eine erstickend heiße und schweißtreibende — die Aufgabe ist gelöst und Benjamin Disraeli, der Sohn des Samuel Disraeli, des Sohnes des Ephraim Disraeli, aus dem Stamm Manasse, der Mann ohne christlichen Stamm und ohne christliche, geschweige denn aristokratische Familienconnexionen, ist heute Premier von England und das anerkannte Haupt der stolzesten Geburtsaristokratie der Welt. Die principielle Tragweite dieses Triumphes darf nicht unterschätzt werden. Es ist ein Sieg des Fortschritts über die verrottetsten Vorurtheile des Junkerthums, der geistigen Ueberlegenheit über die hochgeborene Dummheit, des persönlichen Verdienstes über das reactionäre Privilegium. Es ist ein Sieg, über den die Don Quixotie der junkerlichen Ritterlichkeit zu wehklagen und die Freunde der bürgerlichen Freiheit zu jubeln haben. Nicht daß Mr. Disraeli warme Sympathien für irgend ein politisches Glaubensbekenntniß besäße, er hat während seiner wechselvollen Laufbahn nur das Talent bekundet, jede Sache glänzend zu vertreten, die seinem Interesse entsprach*), und sein Interesse schien kein anderes zu sein, als seinen Ehrgeiz zu befriedigen und zu der Stellung zu gelangen, die ihm hat jetzt eingeräumt werden müssen. Die Erhehung Mr. Disraelis ist ein beschämendes und schmerzliches Armuthzeugniß, das sich die britische Junker-Aristokratie ausgestellt hat. Die Whig-Aristokraten , welche keine Junker, sondern Aristokraten im großen Stile sind, brechen in schallendes Hohngelächter aus, die grundsätzlichen Tories dulden und schweigen, aber die aufrichtigen Liberalen jubeln dem erfolgreichen Emporkömmling entgegen, und es gewährt ihnen große Genugthunng, wenn sie sehen, daß drei Herzöge dem Triumphator die Schleppe tragen und die Earls und die Lords sich zufrieden geben müssen, wenn sie nur einen Platz im Troß des Triumphzuges behaupten können! Nachtrag. Bukarest, 10. März. (Privatmitth.) So eben trifft hier eine Deputation aus Wasluc in der Moldau und eine Depesche aus Ocna ebendaselbst ein, welche melden, daß an diesen Orten über dreihundert jüdische Familien aus ihren loyal gepachteten Gütern vor Ablauf ihrer legitimen Contracte mit brutalster Gewalt vertrieben worden sind, wobei selbst Wöchnerinnen und Säuglinge der Mißhandlung nicht entgingen. Und diese Greuelthaten werden von der hiesigen Presse und von der Regierung selbst vor dem Auslande beschönigt! sind es keine Schandthaten, warum verhüllt und bemäntelt Ihr sie? *) Dieser Vorwurf ist unseres Wiffens ganz ungerechtfertigt, da er seit vielen Jahrzehnten der Partei der Tory angehörte, mit ihr stieg und fiel, und nur in der Sache der Judenemancipation von ihr abwich. Red.

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