Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1868)
- Date
- 1868-03-24
- Page
- Seite 251 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Würdigkeit des Empfängers dazu veranlaßt. Das Stipendium kann auch zur Beziehung einer Universität ertheilt werden, wenn diese in der Absicht geschieht, die einem Rabbiner nöthige allgemein wissenschaftliche Bildung zu erlangen und von dem betreffenden Ortsrabbiner oder einer talmudischen Autorität im Orte bestätigt wird, daß Lebensweise und Studien des Petenten auch dieser Absicht entsprechen. Sollten sich ein oder mehrere Jahre keine Bewerber melden, so werden die Zinsen zum Capital geschlagen und dann nach Befinden ein neues Stipendium gegründet, oder das schon vorhandene erhöhet. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Febr. (Privatmitth.) In diesen-Tagen erschien hier „als Gedenkblatt für Freunde und Theilnehmer" ein Schriftchen, „Josef Wertheimers Abschied bei Zurücklegung seines Ehrenamtes als Vertreter der israelitischen Cultus - Gemeinde Wiens und als Präses des Vorstandes derselben." Am 23. Dec. v. I. brachten zuerst die sämmtlichen Vorstandsmitglieder, später die Cultusbeamten und endlich die Gemeindediener, dem Herrn Josef Wertheimer einen Abschiedsgruß in Adressen und Ansprachen, die der Gefeierte in beredter Weise beantwortete. Diese sind nun in dem gedachten Heftchen abgedruckt, und eine Zeichnung der zu demselben Acte gewidmeten Denkmünze vorangesetzt. Die Denkmünze zeigt auf der einen Teste das Portrait Wertheimers in trefflicher Ausführung, die Rückseite in einem Lorbeerkranze die Worte: tvo-a 3*1 m:i73N 3's. Auf diese Weise ist der Austritt eines so verdienstvollen Mannes, unter dessen Leitung die Wiener-Cultusgemeinde sicherlich ihre wichtigste Periode durchlebt hat, würdig gefeiert worden, und je seltener ein solcher Vorgang ist, desto angemeffener war diese seine Fstirung durch die Schrift. Frankreich. Paris, 2. März. (Privatmitth.) Wir leben noch immer in einer Art Interregnum, da die Regierung das neuerwählte Consistorium noch nicht bestätigt hat. Niemand weiß, woran dies liegt, da die Wahl nun schon vor fünf Wochen geschehen ist. Uebrigcns nimmt man hier den Uebelstand wahr, welchen Sie bei den Juden anderer Länder so oft zu rügen haben: nämlich daß die Israeliten bei inneren Streitigkeiten beständig die Regierung zur Einmischung herbeirufen. Es vergeht keine Session des Senates, wo sich nicht Juden über ihre Geistlichen, ihren Vorstand, ihr Consistorium beschweren, und auch unter den Petitionen der diesjährigen Session waren viele solche Klagen und Bitten einiger jüdischen Privatleute. Zwar muß man es dem Senate zum Lobe nachsagen, daß er in diesen Dingen mit vieler Delikatesse verfährt, aber der unangenehme Eindruck, welchen das Publicum durch solche kleinliche Zänkereien erhält, bleibt doch immer. Dieser Tage machte hier eine Hochzeit im portugiesischen Tempel ziemliches Aufsehen. Sie fand zwischen einem Fräulein Dacosta und einem Hrn. Abraham, dem Sohne des Lordmahors von Bristol, statt. Hr. Astruc, der Großrabbiner von Belgien, war zu der Vollziehung der Trauung eigens von Brüssel herüber gekommen und hielt eine kurze, aber recht schöne Ansprache, die sich, wie alle Reden Astrucs, hauptsächlich durch Eleganz und geschmackvolle Form auszeichnete. — Zum Schluffe lassen Sie mich Ihnen von einem vortrefflichen Buche sprechen, das vor kurzem hier unter dem Titel: tzaestions politiques et sociales, erschienen ist. Sein Verfasser ist Hr. Ernst Hendls, der Schwiegersohn des Herrn Albert Cohn, Advokat am hiesigen kaiserlichen Appellhof u. zugleich Sekretär des berühmten Abgeordneten Jules Favre. Das Buch ist der Besprechung der brennenden politischen und sozialen Fragen gewidmet, und dieselben sind in fteisinnigster und zugleich gründlichster Weise erwogen und gelöst. Die lebhafteste Begeisterung für die Freiheit und die Pflichten und Rechte, die von ihr ausgehen, durchweht dieses Werk. Besonders gelungen sind die Artikel über die Vertheidigung vor Gericht und über die Kooporativbewegung. Großbritannien. London, 1. März. Herr Benjamin d'Jsraeli ist englischer Premierminister geworden. Bekanntlich ist dessen Vater, als er sich weigerte, ein jüdisches Gemeindeamt zu übernehmen und deshalb nach damaligem Statut zu einer Geldstrafe verurtheilt ivurde, zur christlichen Kirche übergegangen, so daß Benjamin 13