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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-17 · Heft 12 (17.3.1868) · p. Seite 241

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 12 (17.3.1868)
Date
1868-03-17
Page
Seite 241 (sequence 19)
Language
German
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241 Ofen in der Stube erwärmen konnte. Auf dem Boden, der übrigens nur ein Lehmestrich war, in der Ecke lagen einige kleine Holzstücke; ich ergriff diese und warf sie in den Ofen hinein, so viele ihrer waren. „Mein Herr,' was thun Sie?" rief das Mädchen betroffen, „das ist mein ganzer Vorrath an Holz. Ich konnte meine Mutter nicht verlassen, um mehr im Walde zu sammeln . . ." „Nun gut, antwortete ich, so wollen wir dafür sorgen, daß der Vorrath größer, daß er ausreichend sei für den ganzen Winter, der allzu hart zu werden droht, um mit solchem Dorrath ihn zu bestehen, und Ihrer Mutter ein warmes Zimmer zu beschaffen." Das Mädchen blickte mir immer schärfer in das zu ihr erhobene Angesicht, ans welchem gewiß in diesem Augenblicke ein freundliches Lächeln, eine gewinnende Sympathie ihr entgegenleuchtete. „Aber wer sind Sie, mein Herr? und was führt Sie zu uns?" „Wilhelmine — Sie sehen, ich kenne selbst Ihren Namen —" hob ich an, „ich will es Ihnen gleich sagen; ich will es Ihnen mit aller Offenheit sagen und bitte Sie nur um Eines, meine Worte ganz so zu nehmen, wie ich sie spreche, und keinerlei Hintergedanken, keine andere Absicht bei mir vorauszusetzen. Wollen Sie dies?" „Ich habe keine Ursache bis jetzt, irgend ein Mißtrauen gegen Sie zu hegen," erwiderte sie etwas zögernd, aber ihre Blicke hingen dabei fragend an meinem Gesichte, daß ich aus ihren Worten auch den Satz heraushörte: ich habe auch noch keine Ursache, Ihnen völlig zn trauen. Ich fuhr fort: „Ich bin der Prediger der jüdischen Gemeinde in der Stadt. Vorgestern wurde ich zu einem Kranken gerufen, der von einem heftigen, nicht gefahrlosen, jedenfalls sehr peinigenden Fieber befallen worden. Er nannte mir Ihren Namen und wo Sie zu finden, und bat mich auf's Flehentlichste, zu Ihnen zu eilen; er habe eine Schuld an Sie von Ihrem seligen Vater her zu zahlen und seine Krankheit hindere ihn, dies selbst;u thun. Die doppelte Furcht, seine Krankheit könne ihn überwinden und Sie litten unterdeß Noch, quäle ihn und vermehre sein Uebel auf's Heftigste. Darum sollte ich den Liebesdienst übernehmen, seine Schuld bei Ihnen abzutragen." So hatte ich die Wahrheit gesagt und nur den Zwischenfall verschwiegen, den seine Liebe und ihre Abweisung herbeigeführt. Ich glaubte, es so dem Mädchen leichter zu machen, aus einer dritten Hand entgegenzunehmen, was sie aus der Hand jenes Mannes mit Entschiedenheit zurückgewiesen hatte. „Wie? rief das Mädchen aus, Man ist krank, so krank?" — jetzt hatte ich auch seinen Namen erfahren, aber er war mir unbekannt — „wenn er aber so krank ist, wenn er glaubt, an den Pforten des Todes zu stehen, warum lügt er? Es ist wohl wahr, daß er meinem sel. Vater verpflichtet war, aber eine Schuld, eine Geldschuld hatte er niemals gegen ihn, und so kann er nichts an uns zu zahlen haben. O mein Herr, die Sache verhält sick doch ganz anders und ich kann nichts annehmen, was von ihm kommt, und wenn es auch durch Ihre Hand geht." „Sie haben mich falsch verstanden, liebes Mädchen. Ich weiß allerdings nicht, ob es eine Verschuldung in Geld ist, oder allein eine Verpflichtung, die oft viel schwerer auf uns ruht, als ein Schuldschein, der die Summe benennt, die wir schulden, und dann kann der Empfänger seinerseits nur um so verpflichteter sein, etwas entgegenzunehmen, als es eine kränkende Härte gegen den Anderen ist, der seiner Schuld entledigt zu werden sich gedrungen fühlt." Das Mädchen schwieg noch und schüttelte mit dem Haupte; sie schwankte offenbar, ob sie mir das weitere Geheimniß mittheilen solle, und ich beeilte mich daher, ihr zuvorzukommen, um meine weiteren Gründe paffend anbringen zu können. „Allerdings hat Man mir auch mitgetheilt, und wie hätte er -es verschweigen können, was so leidenschaftlich in seiner Seele glüht, daß er eine heftige Neigung für Sie, Wilhelmine, empfinde, daß er sich um Sie beworben, Sie ihn aber zurückgewiesen haben. Dies kann Sie aber nicht zurückhalten, die ältere Schuld, die er gegen Ihre Familie hat, ihn abtragen zu lassen. Ich begreife Ihrer und Ihrer Mutter Zartgefühl; aber wissen Sie, es giebt Umstände, in welchen jedes andere Gefühl vor dem Gebote der eisernen Nothwendigkeit schweigen muß, wenn dieses Gebot nur nicht ein Unrecht uns auferlegen will. Ihre Mutter ist krank, der Winter ist hereingebrochen, wollen Sie die Leidende den quälendsten Entbehrungen aussetzen, welche nur zu bald die höchste Gefahr, den schlimmsten Ausgang herbeizuführen drohen? Nein, nein, hier ist Ihre erste Pflicht, ich sage es Ihnen unumwunden, Ihre Mutter zu retten und die Hülfe anzunehmen, welche Hand es auch sei, die sie anbietet." Diese Worte schienen das Mädchen tief zu erschüttern; ihre Gestalt sank zusammen und ihre Hände bedeckten ihr Antlitz: es mochten wohl einige Thränen aus den lieben blauen Augen schlüpfen. „Ich weiß nicht, fügte ich noch hinzu, welcher Art und wie groß die Verpflichtung ist, die Elkan gegen Ihre Familie hat; Sie haben sie doch aber selbst zugestanden, und so kann ich Sie nur dringend auffordern, vor Allem der Verpflichtung zu genügen, die Sie gegen Ihre leidensvolle Mutter haben." Wilhelmine hatte sich gefaßt, und mit bebender Stimme sprach sie: „Nein, mein Herr, meine Mutter, der ich doch nichts verschweigen kann, duldet es nicht, und sie hat es entschieden verboten. Es ist nicht blos ein Zartgefühl, es ist eine tiefere Stimme, die uns davor verwarnt; lassen Sie es mich sagen: wir haben eine» Abscheu vor diesem Manne; wir hatten ihn längst, und jetzt ist er unüberwindlich geworden. 3a, ich habe

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