Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1868)
- Date
- 1868-03-17
- Page
- Seite 242 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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m Vertrauen zu Ihnen, mein Herr; die Theilnahme, die Sie uns beweisen, sagt mir, daß Sie dennoch uns in unserer grenzenlosen Bedrängniß etwas Hülfe schaffen können; ich sehe Sie schon jetzt als einen Boten Gottes an, dessen Barmherzigkeit Wittwen und Waisen nie verläßt; ich will Ihnen Alles sagen, Sie sollen Alles wissen, was ich weiß." (Fortsetzung folgt.) Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 28. Philip Philipps.*) Philipps entstammt einer alten portugiesischen Familie. Er wurde am 13. December 1807 in Charleston, Süd-Carolina, geboren und bezog, noch sehr jung, die Militärakademie in Norwich im Staate Vermont, welche er jedoch bald mit jener in Middeltown in Connecticut vertauschte. Im Jahre >825 kehrte er nach seiner Vaterstadt Charleston zurück und verlegte sich mit solchem Eifer auf das Studium der Rechte, daß er einen Tag nach der Erlangung seiner Volljährigkeit zur Ausübung der Advocatur zugelassen wurde. Kaum 25 Jahre alt, betrat er die politische Arena. Er wurde nämlich im Jahre >832 zum Mitgliede der sogenannten Nullisicativn-Convention gewählt, die zu Charleston tagte, welche von dem Staate Süd-Carolina zu dem Zwecke berufen war, die vom Bunde in Betreff des Zolltarifs erlassenen Gesetze als null und nichtig zu erklären; denn sowie im Jahre I86l, so war auch damals Süd-Carolina der erste Staat, der sich gegen die Autorität des Bundes auflehnte, aber Dank der Energie des damaligen Präsidenten, General Jackson, blieb er auch der einzige und wurde bald wieder zu seiner Pflicht zurückgebracht. Zur Ehre des Herrn Philipps jedoch müssen wir bemerken, daß er mit der winzigen Minorität stimmte, die von einer Losreißung vom Bunde nichts wissen wollte. Im Jahre >834 wurde er für den Zeitraum von zwei Jahren zur Staatslegislatur erwählt, legte aber schon im darauf folgenden Jahre sein Mandat nieder und siedelte nach Mobile in Alabama über, woselbst er mit außerordentlichem Erfolge die Advocatur betrieb. Aber auch als Politiker gewann er in kurzer Zeit in seiner neuen Heimath das Zutrauen seiner Mitbürger in solchem Grade, daß er im Jahre >837 zum Mitgliede der de- ) Die biographischen Skizzen aller amerikanischen Abgeordneten sind vom Rabb. Hochh eimer in Baltimore abgefaßt; das Material mußte von ihm in mühsamer Weise zusammengesucht worden, so daß wir demselben nur sehr dankbar dafür sein können. Red aktion. mokratischen Convention von Alabama, und von dieser zu ihrem Präsidenten erwählt wurde. Im Jahre >844 wurde er in die Staatslegislatur gesandt, woselbst er zum Vorsitzenden des Ausschusses ernannt wurde, in dessen Bereich die Beziehungen zum Bunde fielen (Chairman of ihe Commillee on federal relalions). Im Jahre >849 wurde er zum Präsidenten einer Convention erwählt, die die innern Verbesserungen sich zur Aufgabe gemacht hatte (Internal improvement eonvention). Das Jahr >851 sah ihn wiederholt in der Staatslegislatur. Gegen Ende dieses Jahres besuchte er als Abgeordneter seines Staates die Convention zu Baltimore, in welcher Franklin Pierce von der demokratischen Partei zum Präsidenten der Bereinigten Staaten ernannt wurde. Im Jahre >852 wurde er von seinem Staate Alabama zum Mitgliede des Abgeordnetenhauses des Congreffes zu Washington gewählt, welche Stellung er vom Jahre >853—55 ehrenvoll und zur vollsten Zufriedenheit seiner Wähler ausfüllte, so daß dieselben, als im Jahre >855 sein Mandat abgelaufen war, ihn von Neuem wählen wollten, welche Ehre aber Herr Philipps ablehnte. Er ließ sich nun in Washington häuslich nieder, zog sich von der Tagespolitik ganz und gar zurück und lebte von nun an seinem Berufe mit solchem Erfolge, daß er zu den geachtetsten Advokaten der Hauptstadt gehörte. Als im Jahre >857 in der bekannten schweiz-amerikanischen Angelegenheit die bedeutendsten israelitischen Gemeinden der Vereinigten Staaten Delegaten nach Baltimore sandten, die von dort aus als eine Deputation, der auch Schreiber dieses als einer der Delegaten für Baltimore angehörte, nach Washington zu einer Audienz beim Präsidenten Buchanan sich begaben, war es besonders Herr Philipps,> der sich unserer Sache auf's Wärmste annahm und sie mit allem Eifer vor dem Präsidenten vertrat*), wie er auch in der Folge Vieles zu ihrer Förderung und endlichen Lösung beigetragen. Seit mehreren Jahren hat sich derselbe von Washington nach Richmond in Virginien zurückgezogen und lebt daselbst seiner avokatischen Praxis. Herr Philipps ist ein Mann von imposantem, wahrhaft ritterlichem Aussehen und ein durchaus edler Charakter. Notiz. Als Benoit Foul.d (der Bruder des späteren Finanzministers) zum Mitgliede der französischen Deputirtenkammer gewählt wurde, bemerkte Heine: Jetzt wisse er, daß die Juden emancipirt seien; bis jetzt hätten sich nur einzelne talent- und verdienstreiche Juden heraufgearbeitet; wenn aber erst mittelmäßige und bornirte Köpfe aus der Reihe der Juden Etwas im Staate werden, dann ist die Emancipation fertig. *1 Siehe hierüber meinen Bericht A. Z. d. I. >857, S. 682. Verlag vou Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschftld. Verantwortlicher Redakteur IMr. H. Lohe.