Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1868)
- Date
- 1868-03-17
- Page
- Seite 229 (sequence 7)
- Language
- German
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229 VI. Neu-Verbaß, 1. März. In unserem Vorigen hatten wir Veranlassung über die zweite Berathung der Conferenz unter dem persönlichen Vorsitze Sr. Exc. des Herrn Cultus- und Unterrichtsministers Baron Eötvös zu berichten. Tags darauf, am 26. Febr., hatten die Conferenzmitglieder die Ehre einer Audienz beim Herrn Ministerpräsidenten Grafen Andrässh. Herr Dr. Joseph Popper als gewählter Sprecher derselben, richtete an Se. Excellenz folgende Ansprache: Hochgeborener Herr Ministerpräsident! Ew. Excellenz! Die israelitischen Landesbürger der beiden Brüderländer ergreifen mit Eifer die Gelegenheit, Ew. Exc., dem hochverdienten Präsidenten der gesetzlichen ungarischen Nationalregierung, die huldigende Verehrung und den innigsten Dank dafür auszudrücken, daß Ew. Excellenz für die gesetzliche Einführung der Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen mit Ihrem mächtigen Einfluß mitzuwirken geruhten. Wohl sind in einem freien constitutionelle Staate große moralische Aktionen nicht das Verdienst Einzelner! Wir wissen und fühlen es daher auch, daß es der Genius der Nation war, dem wir es zu verdanken haben, daß die ruhmreichen Annalen unseres Vaterlandes um ein neues glänzendes Blatt bereichert wurden, mit einem Blatte, auf dem für ewige Zeiten verzeichnet steht, daß nahezu eine halbe Million auf der geheiligten Erde dieses Vaterlandes geborener Kinder der gemeinsamen theuern Mutter wiedergegeben werde. Der Ruhm für die Gewährung dieser Gabe gebührt der hochherzigen ungarischen Nation, Sr. Majestät unserem allergnädigsten Herrn und König, und dem Reichstage. Seien Sie dafür gepriesen und gesegnet! Allein die Art und Weise der Gewährung, welche bisher ohne Vorgang in der Emancipationsgeschichte unserer Glaubensgenossen — daß wir nicht nur als Äugünstiges Ergebniß erreicht werden. Nach einer Mittheilung des Lloyd wurde in Folge einer Vereinbarung sämmtlicher orthodoxen Conferenz - Mitglieder die Erklärung abgegeben, die Hoffnung der Orthodoxen, daß die Conferenz zur Eintracht führen werden, sei nicht getäuscht worden. Dem Congresse werde das Werk gelingen. den, sondern auch als Ungarn stolz ausblicken können auf die an der Spitze der Regierung stehenden hochsinnigen Patrioten — das ist Euerer Excellenz unsterbliches Verdienst, das nicht nur in unserem eigenen, sondern auch in dem Herzen unserer in welchem Theile der Welt immer lebenden Glaubensgenossen der dankbarsten Anerkennung begegnet. Euere Excellenz! Gegenwärtig haben wir das Glück, uns als die mit dem hochschätzbaren Vertrauen des k. ungarischen Herrn Cultus- und Unterrichtsministers beehrten Conferenzmitglieder vorzustellen und der Gunst und dem Schutze Euerer Excellenz die große und heilige Angelegenheit zu empfehlen, welche wir hier vertreten. Das Grundprincip, von dem wir in unseren Vorarbeiten für die Regelung unserer inneren confessionellen Angelegenheiten ausgegangen sind, ist: unter unversehrter Aufrechthaltung der heiligen Lehren unserer altehr würdigen Religion den Anforderungen des Zeitgeistes nach Möglichkeit zu entsprechen und die gerechten Anforderungen des Staates zu erfüllen. Den Erfolg des großen und unsererseits unbegrenzte Opferwilligkeit erheischenden Werkes konnten wir beinahe als gewiß betrachten, wenn nicht leider ein Theil unserer Glaubensgenossen sich hätte auf den Irrweg verleiten lassen, auf dem man ihnen glauben macht, daß wir, indem wir in die Verwaltung unserer inneren Angelegenheiten Ordnung und in unseren Schulen die religiöse und zeitgemäße Wissenschaftlichkeit einzubürgern bestrebt sind, in unserem alten überlieferten Ritus Aenderuugen vorzunehmen, und einen Druck auf die Gewissen auszuüben wünschten. Gestatten Euer Exeellenz uns feierlich zu erklären, daß uns nichts ferner liege, als zu einer solchen Voraussetzung auch nur den geringsten begründeten Vorwand zu bieten. Lassen Euer Excellenz uns glauben und hoffen, daß die ungarische Regierung unsere eifrigen patriotischen Bestrebungen zu würdigen und ihrer gnädigen Unterstützung theilhaftig zu machen geruhen werde, die wir ans der Tiefe unseres Herzens wünschen, daß Gott der Allmächtige Euer Excellenz segne und lange am Leben erhalte! Die Antwort des Herrn Ministerpräsidenten giebt der „Pest. Ll.", wie folgt, wieder: Seine Excellenz dankte zunächst für das ihm gegenüber ausgesprochene Vertrauen, den ihm gespendeten Dank jedoch lehnte er ab; er habe in dieser Angelegenheit wie in jeder anderen nur seiner Ueberzeugung ge-