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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-17 · Heft 12 (17.3.1868) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 12 (17.3.1868)
Date
1868-03-17
Page
Seite 228 (sequence 6)
Language
German
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228 Frage, ob er speziell bezüglich des WahlstatuLes ein Volum 86p3r-alum abgeben werde? Die, wie uns schien, etwas verlegene Antwort des Gefragten lautete, dv.ß er dieß noch nicht wisse, daß es aber immerhin möglich sei! Zufolge eines im „Ungar. Lloyd" enthaltenen Briefes aus dem Publicum ist dieser Vertrauensmann Hr. Sigm. Kraus aus Körös-Ladäny, welcher seine in der Sitzung vom 17. dies, abgebene Erklärung unter dem Titel: „Transaction zur Ausgleichung der sich gegenüberstehenden Parteien im ungarischen Vaterlande" in Druck erscheinen ließ. Herr Kr. constalirt zuerst einen weit klaffenden faktischen Spalt zwischen „alter" und „neuer" Richtung in der ungarischen Judenschaft und beantragt sodann: die Regierung möge mittelst einer Conskription eruiren, zu welcher der beiden Richtungen jede jüdische Familie gehöre, und dann jeder „Parteigruppe" ermöglichen, in zwei geschiedenen Congressen zusammen zu treten, sich in Orts-, Comitats- und Distriktsgemeinden zu constituiren, proportionsmäßig an dem Schulfond zu participiren rc. Wie ein solcher Antrag mit der seinerzeit sehr eifrigen Mitarbeiterschaft des genannten Herrn an dem für den wahren Fortschritt begeistert gewesenen „Ben Chananja" übereinstimmt, ist uns ein Rätshel. Offenbar will die orthodoxe Partei einen Bruch herbeiführen. Im „Pester Lloyd" spricht sich ein Conferenzmitglied über die von den angesehneren orthodoxen Rabbinern ins Werk gesetzten Umtriebe folgendermaßen aus: „Farbe bekennen! Zu gleicher Zeit und noch bevor die Vertrauensmänner zu der von Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister einberufenen isr. Conferenz in Pest eingetroffen, stellten sich auch die Matadore der ungarischen Rabbiner aus Preßburg, B.-Gyarmath, Nagy-Szölös und S.-A.-Ujhely daselbst ein. Wir glaubten anfangs, diese Herren seien, im Bewußtsein ihres geistlichen Berufes, deßhalb auch zufammengetreten, um die auseinandergehenden Richtungen im ungarischen Israel versöhnen und einander näher bringen zu helfen, und dachten uns zur Annahme dieses Glaubens umsomehr berechtigt, als diese Herren Rabbiner als Apostel des Friedens und der Versöhnung gegentheiligen Strebungen und Tendenzen verschlossen bleiben müssen. Nun mußten wir leider die traurige Erfahrung machen, daß dem doch ganz anders sei, wenn wir mit offenen Augen sehen, wie sie aus allen Theilen des Landes ihre Getreuen einberufen und Gefahren für das ungarische Judenthum laut verkünden, wo doch nur von festzustellender, regelmäßiger Ordnung in dem jüdischen Gemeinde-, Schul- und Rabbinerwesen die Rede ist. Wir wollen uns mit diesen Herren in eine meritorische Controverse schon deßhalb nicht einlassen, weil wir im Voraus wissen, daß eine solche zu gar keinem Resultate führen werde; auf Eines jedoch sie aufmerksam zu machen, halten wir uns in unserem Gewissen verpflichtet, und das ist: daß sie jetzt werden Farbe bekennen müssen. Farbe bekennen müssen in einem constitutionellen Staate alle diejenigen, die auf die Geistes¬ und Bildungsrichtung der Staatsbürger Einfluß üben; Farbe bekennen müssen diejenigen, in deren Hände die Bolkserziehung gelegt wird, und Farbe bekennen müssen endlich Alle, denen die schöne Aufgabe geworden, das Material zu dem großen Baue des Vaterlandswohles aus dem Groben herauszuzimmern. Muckerthum und Ultramontanismus sind Möbelstücke, die im absoluten Conkordatstaate zum Comfort der Regierenden allerdings sehr vieles beitragen; im constitutionellen Staate hingegen werden sie für die Regierten bis zur Unerträglichkeit und unbequem." Nun, wir wollen hoffen, daß trotz der Agitationen der Fanatiker die Ordnung der Gemeinde- und Schulverhältnisse unserer vaterländischen Glaubensgenossen durch den in Aussicht stehenden Congreß im Sinne des Fortschrittes festgestellt, und mit Genehmigung der Regierung auch thatsächl. werde ins Leben gerufen werden. Zum Schlüsse der Berathung vom 25. erkundigte Se. Excellenz sich nach dem Stande der übrigen Arbeiten, worauf Hr. Dr. Popper, als Referent der Commission für das Gemeindestatut, erwiederte, daß dieses Elaborat bereits im Plenum durchberathen sei und Sr. Exc. nächstens vorgelegt werden könne*). Sal. Blum. *) Die „Pr." enthält bereits folgende Telegramme: Pest, 2. März. Gestern hat die Schlußsitzung der israelitischen Vertrauensmänner stattgefunden, in welcher ein von denselben ausgearbeitetes Gemeindennd Schulstatut dem Cultusminister unterbreitet wurde. In der gestrigen Schlußsitzung der Jsraeliten-Conferenz stellte Eötvös der eifrigen Thätigkeit den besten Erfolg in Aussicht; wo Eintracht und Einigkeit walten, werde trotz obwaltender Meinungs-Verschiedenheit ein

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