Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-10 · Heft 11 (10.3.1868) · p. Seite 212

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 11 (10.3.1868)
Date
1868-03-10
Page
Seite 212 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226647--25874-3261389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

212 paar Reden von Schülern und eine kleine Collation, wobei der Director des Schulvorstands, Hr. Ritter und Commerzienrath I. W. Heymann, noch eine kleine Anrede hielt, beendigten die Festlichkeit. Hr-. Bauer, der sich noch des vollsten Besitzes seiner körperlichen und geistigen Kräfte erfreut/ sagte in seiner Antwort u. A.: daß diese Geräthe nicht allein bei der Sitzung von binb enp T>a sondern auch tnpb ®np -p3 in Anwendung kämen; bei ihm sei das Letztere immer der Fall, indem er vom Sabbathtage, von Woche zu Woche an seinen heiligen Beruf schreite. Hier noch die Bemerkung, daß der Jubilar seit 52 Jahren als Lehrer der hebräischen Sprache thätig ist; und daß er nicht vergebens in seinem heiligen Amte gearbeitet hat, geht daraus hervor, daß sich nur sehr Wenige in unserer Gemeinde befinden, die des Hebräischen unkundig sind. So wünschen wir, daß der geliebte Lehrer noch eine Reihe von Jahren im Stande sein möge diesen Hauptpfeiler unseres Glaubens in die jungen Herzen unserer Kinder einzupflanzen. Correspond enz. Monatsberichte ans Ungarn VIII. Neu-Berbaß im Febr. 1888. Als in dem bewegten Jahre 1848 die Emancipation der Juden angeregt wurde, soll Kossuth geäußert haben, daß die Botirung der Gleichberechtigung die Inden der Schlachtbank überliefern würde. Es mag nun dahingestellt bleiben, ob das Volk in jener aufgeregten Epoche wirklich zu gewaltthätigen Schritten gegen die Juden sich hätte verleiten lassen, oder ob jene Aeußerung nur ein bequemer Vorwand gewesen, genug — gegenwärtig , kaum daß die Gleichberechtigung zum Gesetze erhoben worden, liegen bereits die sprechendsten Beweise dafür vor, daß die, die Emancipation befürwortenden Stimmen der ungarischen liberalen Presse wirklich das Echo der öffentlichen Meinungen bildeten. Die Journale bringen fast täglich aus den verschiedenen Theilen des Landes Berichte über das erfreuliche Entgegenkommen der christlichen Bewohner ihren neuen Mitbürgern, den Juden, gegenüber. Nachdem nun die öffentliche Meinung selbst, durch die überzeugende That, ihrer Uebereinstimmung mit dem vom Reichstage geschaffenen und vom Könige sanctionirten Emancipativnsgesetze den geeigneten Ausdruck gießt, so wollen wir in Nachstehendem — der in unserem vorigen Berichte ausgesprochenen Absicht entgegen — diesen Manifestationen der öffentlichen Meinung, wie sie sich namentlich bei Gelegenheit der Emancipationsfeierlichkeiten und der jüngsten Wahlanlässe kundgaben, den Vorrang lassen vor den Jubeläußerungen der freisinnigen Presse. Wir beginnen mit der Registrirung der gottesdienstlichen Dankfeierlichkeiten, wobei wir jedoch nur die charakteristischesten näher schildern werden, da wir sonst den Raum dieses Bl. allzusehr in Anspruch nehmen müßten. Den Reigen derselben eröffnete die isr. Gemeinde zu Szeged in am 4. Jänner. Oberrabbiner Löw hielt unter großer Betheiligung der christlichen Bevölkerung eine gediegene Festrede in ungar. Sprache, die das Journal „Pesti Naplö“ seinen Lesern vollinhaltlich mittheilte. Hierauf folgte am -6. die Gemeinde zu Neutra, welche nach Beendigung der Feierlichkeit 1100 fl. ö. W. an Arme ohne Unterschied der Confession vertheilte, und zugleich beschloß, alljährlich 20 arme Schulkinder ohne Unterschied der Confession zu bekleiden. Am 11. fand die Emancipationsfeier in S. a. U j h e l y statt. Oberrabbiner Jeremias Löw hielt die Festrede, welche ihn, wie der „P. 8." bemerkt, als Denker und liberalen Volksredner kennzeichnete, was, wie das citirte Blatt hinzufügt, um so wichtiger ist, als der genannte Oberrabbi bei der orthodox-jüdischen Partei unseres Landes in hohem Ansehen steht. Die Dankesfeier in Pest, welche am 12. abgehalten wurde, war eine überaus imposante. Ungefähr 8,000 Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung (unter andern zahlreiche Reichstagsdeputirte, Vertreter der Stadtbehörde, Deputationen zahlreicher Anstalten und Vereine) wohnten derselben bei. Die Feier w«d mit Absingung einer vom verdienstvollen Ober - Canlor Friedmann neu componirten Cantate introducirt, worauf die ungarische Festrede des Predigers Di-. Cohn folgte, welche einen solch' tiefen Eindruck hervorbrachte, daß zahlreiche Honoratioren nach Beendigung der Feier den Redner umdrängten und beglückwünschten. Den Schluß der erhebenden Feier bildete eine ebenfalls vom genannten Obercantor neu componirte Gesangspisce unter Zugrundelegung des 118. Psalms.*) Unmittelbar nach der Feier entsendete der Gemeinde- *) Ein in hohem Ansehen stehender Nichtisraelit umarmte nach der gottesdienstlichen Feier einen ihm befreundeten Israeliten mit den Worten: Ich war selbst nicht frei von Vorurtheilen gegen Euch, und danke da-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.