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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-10 · Heft 11 (10.3.1868) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 11 (10.3.1868)
Date
1868-03-10
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 lenden Menschen die Rede sein darf, brachte er auch mir für mein dreißigjähriges Bemühen die erhoffte Satisfaktion. An diesem Tage erwarb die Nativ» für ewige Zeiten 400,000 Bürger, denn es ist meine Ueberzeugnng, daß der Mensch nur jenes Land als sein Vaterland erkennen kann, in welchem er sich frei und gleichgestellt fühlt. Ein Freudentag war er für die Israeliten, aber er war auch ein äußerst glücklicher Tag für das Land, denn ich glaube, es ist dies die größte Errungenschaft, welche eine Nation innerhalb eines einzigen Tages gewinnen kann. Die Freiheit zu proklamiren, ist eine große That, aber die Freiheit wahrhaftig in's Leben treten zu machen, ist eine große Aufgabe. Eine Aufgabe für Sie, denn das Land konnte Ihnen blos die Fesseln abnehmen, es konnte die Hindernisse beseitigen, aber wahrhaft frei kann jeder nur durch seine eigene Thätigkeit sein. Unsere Nation, welche die Freiheit stets hochgehalten, hat dieses große Princip stets zu Ehren gebracht, indem sie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Autonomie walten ließ. So ist es denn auch unsere Aufgabe, die confessivnellen Angelegenheiten der Israeliten durch deren eigene Thätigkeit regeln zu lassen; leichter und bequemer wäre es allerdings, den Gegenstand durch Octroyirung einer, nach irgend einer Chablone ausgearbeiteten Verfassung abzuthun, aber eine dauerhafte Befriedigung bieten nur solche Institutionen, die die eigene Schöpfung derjenigen sind, welche sich derselben zu bedienen berufen sein werden. Ich werde Sie daher zu bitten haben, mir den Modus anzugeben, wie der Zusammentritt einer solchen Körperschaft zu bewirken sei, in welcher sämmtliche Gemeinden Ungarns ihre berechtigten Vertreter sehen würden. Natürlich werden Sie, nachdem Sie hier versammelt, und so viele ausgezeichnete Capacitäten vereint sind, hiebei nicht stehen bleiben, und die Conferenz, welcher übrigens irgend eine Beschlußfähigkeit nicht innewohnt, wird auch jene Vorarbeiten erledigen, über welche endgiltig zu beschließen der seinerzeit, der baldmöglichst zusammentretende Congreß berufen sein wird. Es ist zunächst das Interesse der israelitischen Glaubensgenossen, daß sie zu einer Organisation gelangen, welche ihnen die möglichste Freiheit und Selbständigkeit auf confessionellem Gebiete sichert, es ist aber nicht minder im Interesse des Staates, der das Aufsichtsrecht der mosaischen Religion gegenüber in demselben Maße in Anspruch nimmt, wie allen anderen Confefsionen gegenüber. Noch bemerkte der Cultusminister bezüglich der Art des Vorgehens der Conferenz, daß er selbst morgen (Montag) um >0 Uhr die Berathungen eröffnen werde und daß die Mitglieder der Conferenz dieselben dann unter sich entweder in Gesammtsitzungen oder in einzelnen Deputationen fortsetzen mögen, und sobald sie mit einem der Elaborate zu Stande gekommen, möge ihm die Mittheilung davon gemacht werden, er stehe der Conferenz jeder Zeit zur Verfügung. Hierauf folgte die persönliche Vorstellung der einzelnen Conferenzmitglieder. Der Minister reichte jedem die Hand und sagte jedem einige freundliche Worte. Am Abende desselben Tages wurde zu Ehren der Notablen aus der Provinz ein Banket veranstaltet, bei welchem das Wohl des Königs, des Cultusministers, des Reichstages, Deäk's, Tißä's rc. ausgebracht wurde. Das bis nach Mitternacht dauernde Beisammensein der Vertrauensmänner bekundet — wie der „Ungarische Lloyd" bemerkt — den Eintrachtssinn, der die Mitglieder der Conferenz beseelt. Vorgestern, am 17., um 10 Uhr Vormittags eröffnete der Herr Cultusminister die Berathnngen der Vertrauensmänner iu seinem Empfangssaale. Se. Excellenz führten den Vorsitz, ein Ministerialbeamter fungirte als Schriftführer. Die Notablen waren sämmtlich erschienen mit Ausnahme des durch Gesundheitsrücksichten abgehaltenen Herrn S. W. Schoßberger de Tornya aus Pest; dagegen ist, zur Vervollständigung der Liste, der in diesen Blättern als wohlthätig gerühmte Grundbesitzer, H. Leopold Popper aus Hlinik, gegenwärtig in Hietzing wohnhaft, zu nennen. In der Eröffnungsrede skizzirte der Herr Minister die Aufgabe der Conferenz folgendermaßen: Er bemerkte, daß jetzt nach der Gleichstellnng der Israeliten, dieselben auch als Confession berechtigt seien ihre inneren Angelegenheiten unter Wahrung des Oberaufsichtsrechtes des Staates autonom zu ordnen und zu verwalten. Diejenigen Normen festzustellen, nach denen ste ihre Autonomie thatsächlich üben wollen, dazu werden eben nur die Israeliten selbst durch ihre Vertreter im Congresse berechtiget sein. Zuvor aber müsse jener Modus gefunden sein, nach welchem der Congreß einberufen, wie er zusammengesetzt, in welcher Weise die Mitglieder desselben gewählt werden sollen, dies müsse die Regierung bestimmen, da diesfalls weder irgend ein Statut, noch ein Präcedenzfall bestehe, noch auch jemand Anderer vorhanden sei, der dies statt der Regierung thun könnte. i

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