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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-10 · Heft 11 (10.3.1868) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 11 (10.3.1868)
Date
1868-03-10
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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203 Mißverständniß seiner befremdenden und seltsame» Sprünge. So versucht Herr Deutsch, die Hagada zu characterisiren und gegen diejenigen zu vertheidigen, welche sie als grotesk und bizarr, oft auch als kindisch und widersinnig anklagen. Wie dies bei solcher Tendenz immer geht, überwuchert die Apologie die klare Auffassung und das richtige Verständniß. Der Vers, geht dann etwas näher auf den Inhalt der Hagada ein, spricht von ihrer Metaphysik, die doch so unbedeutend und verworren, von ihrer Engellehre, die sie dem Parsismus entlehnt, und vor der sie die Gotteslehre kaum geschützt und sie selbst zu Spuk- und Gespenstergeschichten herabgewürdigt hat; von den Wundern, welche sie am Ende der Schöpfung der letzteren verher eingeordnet hält, von der Seele, deren Präexistenz sie annimmt, von der Unsterblichkeit der Seele und der Wiederauferstehung, der nur zeitweiligen Bestrafung der Bösen und der Prophetie, worauf der Vers, eine Auswahl ethischer Gnomen und Gleichnisse anführt. — Dies ist der Abriß der gedachten Abhandlung in der Quarterly Review. Unsere Leser werden daraus ersehen haben, daß dieselbe keinen wisienschaftlichen Werth hat, und das Verständniß des Talmuds selbst nicht fördert. Auch das können wir sagen, daß sie in Deutschland für alle diejenigen, welche sich für den Talmud interessiren, ohne denselben selbst kennen zu lernen, nichts Neues bringt, sondern nur das öfter Gesagte geordnet und in lebhafter Sprache und anziehender Weise vorträgt. Anders in England, wo man den Talmud lediglich aus den Beschimpfungen und Schmähungen der von der Missionsgesellschaft durch ihre Söldlinge verfaßten und verbreiteten Schriften kennt*), und wo man doch für alles Theologische ein so überaus großes Interesse hat. Hier war diese Abhandlung von großem Werthe und, da sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen so glücklich war, von außerordentlicher Wirksamkeit. Sollte es möglich sein, eine Uebertragung dieser Abhandlung in ein allgemein gelesenes deutsches Journal, z. B. die Gartenlaube, zu bringen, so würde sie auch da von bestem Erfolge sein. Denn zur Bekämpfung von Vorurtheilen bedarf es immerwährender Wiederholung. Nur Eines wünschten wir dabei: Wer über den Talmud schreibt, hat in der Regel die Absicht, ihn gegen die ungerechten und unwürdigen Schmähungen zu vertheidigen, denen derselbe so viele Jahrhunderte hindurch ausgesetzt war. *, Wir erinnern zum B. an die vi-iV mn-re von M’ C a u 1. Er hebt daher mit gutem Grunde die vielen Lichtseiten desselben hervor. Dadurch bewirkt er aber, daß er einentheilZ kein klares und volles Licht über seinen Gegenstand verbreitet, und anderentheils daß er zu neuen Angriffen nur zu viel Veranlassung giebt. Es ist daher Zeit einen anderen Weg einzuschlagen, und durch die rein geschichtliche Auffassung des Talmuds Licht und Schatten, wie sie in ihm vorhanden find, hervortreten zu lassen und verständlich zu machen. Einen Anfang hierzu hat der vor zwei Jahren erschienene Vortrag des Dr. Tobias Cohn zu Potsdam „der Talmud" (Wien, Herzfeld & Bauer 1866) gemacht, der viel weniger Verbreitung gefunden, als er es verdient, so wie unsere Artikel „Zur Charakteristik des Talmuds" S. 273—533 im Jahrgang 1866 d. Zeit., dazu beizutragen versuchten. Ungarisch-jüdische Uotablenversammlnng. III. Neu-Verbaß, 19. Februar. Heute befinde ich mich bereits in der angenehmen Lage, über den Beginn der für die Israeliten Ungarns so viel Heilsames versprechenden Berathungen der Notablen-Conferenz berichten zu können. Samstag, d. 15., fand im Sitzungssaale der Pester israelitischen Gemeinde eine Vorberathung der einberufenen Vertrauensmänner, unter dem Vorsitze des Herrn Jacob Länyi, Präses der Pester Gemeinde, statt. Es wurde beschlossen, am nächsten Tage dem Herrn Cultusminister Baron Eötvös die Aufwartung in corpore zu machen. Sonntag Vormittags 10^2 Uhr wurden die Notablen von Sr. Excellenz empfangen. Herr Länyi, Führer der Vertrauensmänner, sprach den Dank aus für die Sorgfalt, welche der Herr Cultusminister — nachdem er ein Vierteljahrhundert hindurch mit den Waffen seines hohen Geistes für die Bürgerrechte der Juden gekämpft — nun auch den innern Angelegenheiten derselben zuwendet. Die beiläufige Antwort seiner Excellenz, welche die Zuhöhr er in die gehobenste Stimmung versetzte und sie zu stürmischen klje» - Rufen begeisterte, giebt der Berichterstatter des „Pester Lloyd" nach dem Gedächtnisse wie folgt wieder: Ich danke für Ihr Vertrauen. Der schönste Tag meines politischen Lebens war der, an welchem das Vaterland sich mehr als 400,000 Landesbürger erwarb, und wenn bei bedeutenden Ereignissen von einem unbe- 11* / J r

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