Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1868)
- Date
- 1868-03-03
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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188 bete zu erreichen, ist die Absicht meiner Interpellation. Ich würde der Staats-Regierung dafür dankbar sein, wenn sie zur Beruhigung der Gemüther beitragen und entweder den Sachverhalt in einer anderen Weise, wenn er anders liegt, darthun, oder die Schritte bezeichnen wird, welche sie zur Genugthuung für die Personen, denen Gewalt geschehen ist, ergreifen will. Finanz-Minister: Gegenwärtig besteht in Jerusalem kein preußisches Consulat, sondern ein Cönsulat des Norddeutschen Bundes. Aus diesem Grunde ist an das Staats-Ministerium kein Bericht über diese Vorgänge eingegangen; ich werde aber das vorliegende Material dem Bundeskanzler-Amte zur weiteren Ermittelung zugehen lassen. (Heiterkeit*). Österreichischer Kaiserstaat. Pest, 20. Febr. Schon Samstag hielten die Mitglieder der israelitischen Conferenz unter dem Vorsitze des Herrn Lanuh eine Vorbesprechung. Sonntag haben sich die Hrn. dem Cultusminister, Freiherrn v. Eötvös, vorgestellt, der sie sehr warm empfangen; unter Anderm sagte der Freiherr beiläufig: „Dies ist der schönste Tag meines Lebens, der ersehnteste Entgelt für meine dreißigjährigen Bestrebungen." Die Audienz war in Ofen in dem Gebäude des Cultusministeriums. Am Abende desselben Tages fand ein Banket in der Leitner'schen Restauration statt, die Mitglieder wurden einander vorgestellt. An Wein, namentlich an Champagner, an guter Laune und an Toasten fehlte es nicht. Dem König, dem Minister u. s. w. wurden stürmische Ejens gebracht. Erst lange nach Mitternacht trennte sich die Gesellschaft. Nachdem nunmehr der Cultusminister Freiherr v. Eötvös die Sitzung eröffnet hatte, Lezeichnete er die Aufgabe des einzuberufenden Congresses. Die Conferenz solle den Wahlmodus bestimmen, nach welchem die Gemeinden des Landes (bte Nebenländer nicht eingerechnet) auf dem Congresse zu vertreten seien; den Vertretern werde dann der Schulgesetzentwurf vorgelegt werden. Die Sitzung wurde im Gemeindesaale fortgesetzt. Dr. Hirschler beantragte drei Comitös zu wählen: das Comitö für das Wahlstatut und zwei *) Wenn wir nicht glauben müßten, daß die Antwort nur eben eine augenblickliche Zögerung decken soll, wäre es traurig, in der Doppelheit der Vchörden den Aufschub der Hülfe zu finden. Redact. andere Comitss, welche die Principien, die dem Wahlstatute zu Grunde gelegt werden sollen, zu besprechen hätten. Die 1857er Volkszählung 'wurde, in Ermanglung einer bessern, als Basis für den Wahlmodus angenommen. Das Elaborat des ersten Comites wird morgen schon vorgelegt. Außer den genannten Herren wurden noch die Herren Leopold Popper und Ignaz Barnai, welcher auch zum Schriftführer der Conferenz gewählt wurde, berufen. Wadowice (Galizien), Ende Januar. (Privatmittheilung.) Unter der Ueberschrist „Der Fluch des Rabbi" machte soeben eine Bannfluchgeschichte, die sich im Laufe dieses Monats in Tarnow zugetragen hat, die Runde in den Journalen. Es hat sich sogar in Wien ein sogenanntes Witzblatt gefunden, welches diese Notiz im klerikalen, d. h. jndenfeindlichen Interesse ausbeutend, jenes in unserer Zeit in der That unerhörte Factum als Carricatur bildlich veröffentlichte. Auf einen Juden, der ein warmes Herz für Religion und Religionsgenossenschaft hat, muß dieser Skandal einen höchst peinlichen Eindruck machen, so daß wir eine lange Zeit, die Wahrhaftigkeit dieser Notiz bezweifelnd, das Ganze für eine maliziöse Erfindung gehalten haben. Nun erhielten wir von sehr achtbarer Seite die in Lemberg erscheinende Gazeta Narodowa Nr. 9, vom 12. Januar. Dieses Blatt ist die Quelle jener verstümmelten und carrikirten Notiz. Der Tarnow, 11. Januar datirte Artikel beschreibt diese Thatsache so umständlich und — wie es scheint — so wahrheitsgetreu, daß, wenn nicht sogleich von Seiten des Tarnower Rabbinats preßgerichtlich dagegen eingeschritten wird, dieses Stillschweigen, nach dem bekannten Sprichworte: qui tacet consentire videtur, die beredteste und unwiderleglichste Bestätigung dieses scandalösen Vorganges wäre. Sie gestatten wohl, hochgeehrter Herr Redacteurl daß wir nachfolgend diesen Artikel des poln. Bl. in deutscher Uebersetzung wiedergeben. Er lautet wörtlich also: Tarnow, 11. Januar. Am 31. December v. I. kam Herr Israel Rappaport, Rabbiner zu Tarnow, in Gesellschaft zweier oder dreier Personen zum Kaufmann Esras Heller und verlangte von ihm 25 Gulden, angeblich als Beisteuer zu einer für die Armen veranstalteten Collecte. — Da nun Heller Vater von vier Kindern ist und ein geringes Vermögen besitzt, erklärte er, daß zwar seine erste Pflicht die Erhaltung seines dürftigen siebenzigjährigen Vaters sei, er sei jedoch