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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-03-03 · Heft 10 (3.3.1868) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 10 (3.3.1868)
Date
1868-03-03
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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186 Lehrstande befinden sich nicht unter den Berufenen, weßhalb mit Sicherheit zu schließen ist, daß die Vertrauensmänner auch nicht über solche Fragen werden ihre Meinung abzugeben haben, die nur Schulmänner von Fach zu beantworten vermögen. Vor allem werden die Notablen zpohl ein provisorisches Wahlstatut auszuarbeiten haben, welches die Mischen Populationsverhältnisse des Landes berücksichtigend, bei Einberufung des Landescongresses in Anwendung zu bringen sein wird. Und da die Regierung durch ihr Vorgehen den aufrichtigen Wunsch bekundet, daß die Landesjudenheit dem Staate gegenüber als auf autonomer Grundlage basirtes, organisch gegliedertes Ganzes sich constituire — welcher Wunsch von allen Männern der Ordnung und des Fortschrittes im ungarischen Israel aufs innigste gecheckt wird — so dürfte die zweite Aufgabe der Vertrauensconferenz darin bestehen, ein Gemeindestatut zu schaffen, welches der Landesversammlung behufs endgiltiger Feststellung vorzulegen sei, und, nachdem es die Sanction erhalten, für sämmtliche ungarischisrael. Gemeinden in Kraft zu treTen habe, wobei jedoch allenfalls gewisse Vorbehalte für locale Verhältnisse nicht ausgeschlossen sein würden. Ob jedoch mit der Constituirung der jüdischen Confession als autonomer Körperschaft auch schon sofort eine vollständige Gliederung der Gemeinden — Local-, Bezirks-Landesgemeinde — Platz greifen werde, ist schon aus dem Grunde noch ungewiß, weil hierüber diese Ansichten selbst im Schoße der Fortschrittspartei noch divergiren. Die Pester Gemeinde z. B. beantragte in dem bekannten Memorandum die Organisirung einer Landesgemeinde; Löw dagegen findet eine solche — seiner Auseinandersetzung in B. Ch. zufolge — gegenwärtig noch für inopportun; Dr. Aron Kaczander in Miskolcz wieder beantragt im „M. Izr.“, das jüdische Gemeindewesen nach Muster der confessionellen Verfassung unserer p r o te st a n t i s ch e n Mitbürger zu vrganisiren. Was hingegen die Orthodoxie betrifft, so beschränkt sich deren angebliches Organ „Magyar Zsidd“ in seinen mir bisher zu Gesichte gekommenen Artikeln über diesen Gegenstand, auf die Forderung, daß der einzuberufenden Landesversammlung ein „detaillirtes, klares Programm vorgelegt werde, worin alle jene Gemeindeangelegenheiten einzeln aufzuzählen seien, zu deren Regelung der Congreß berufen sei", welche Forderung schon in der vorjährigen Eingabe der Orthodoxen gegen das Pester Memorandum gestellt wurde, und worüber ich bereits in einem meiner Berichte Näheres mitgetheilt habe. Schließlich werden die Notablen Vorschläge bezüglich der Verwendung des wahrscheinlich bereites zu nahe 2 Millionen Gulden ö. W. angewachfenen israel. Landesschulfondes zu machen haben. Die Fortschrittspartei wird, aller Voraussetzung nach, die Errichtung eines vereinigten Rabbiner- und Lehrerseminars, sowie die Subventionirung der Volksschulen kleinerer Gemeinden proponiren, während das Organ der Orthodoxen wünscht, daß in erster Reihe eine je größere Anzahl tüchtiger Volksschulen creirt und aus den Mitteln jenes Fondes erhalten werden sollen; die Errichtung eines Rabbinerseminars aber verschoben werden möge. „Wir benöthigen — ruft „Magyar Zsidö“ aus — wackere gebildete und patriotische I Landesbürger, alles Uebrige steht erst in zweiter Reihe; das Seminar — kann warten!" — Für heute theile ich noch mit, daß 100 israel. Bürger der Stadt Arad an den Baron Eötvös, anläßlich der von Sr. Excellenz für den 17. d. ausgeschriebenen Notablen-Conferenz, folgende vom 3. d. datirte Adresse gerichtet haben. „Ew. Excellenz Herr Minister! Noch ist unser Herz von den durch die Gleichberechtigung hervorgerufenen Gefühlen des Dankes und der Freude gehoben, und schon dehnen Ew. Excellenz Ihre Fürsorge auch auf unsere Cultusgemeinde- und Unterrichtsangelegenheiten aus, und stellen es sich zur nächsten Aufgabe, diesen aus Rücksicht der Religion und Bildung für uns so überaus wichtigen Angelegenheiten durch den belebenden Einfluß des so lange entbehrten Constitutionalismus und der Freiheit neuen Aufschwung zu verleihen. Ew. Excellenz Herr Minister! Wir drücken unseren tiefsten Dank und unsere Hochachtung für jene hohe staatsmännische Entschließung aus, wonach Ew. Excellenz die freiere, den Anforderungen der Verfassung und des vorgeschrittenen Zeitalters entsprechende gesetzliche Umgestaltuug unserer Cultusgemeinde-, insbesondere aber der Unterrichtsangelegenheiten zu Ihrer erhabenen Aufgabe stellten, und sprechen wir unseren heißesten Dank dafür aus, daß uns Gelegenheit geboten wurde, unseren Wünschen in diesen für uns so hochwichtigen Angelegenheiten Ausdruck geben zu können, denn es ist unsere unerschütterliche Ueberzeugung, daß unter der weisen Führung Ew. Excellenz unsere Cultusgemeinde- und Unterrichtsangelegenheiten einer neuen Blüthe entgegengehen und mächtigen Aufschwung nehmen werden/ Sal. Blum.

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