Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1868)
- Date
- 1868-02-25
- Page
- Seite 179 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Frank und die Frankisten. (Schluß.) Im Prozesse, der gegen ihn vom geistlichen Tribunale angestellt wurde, kamen alle seine Schwindeleien an den Hellen Tag, namentlich, daß er sich seinen Anhängern als den auf Erden niedergestiegenen Messias (d.h. menschgewordenen Gott) ausgegeben hatte, sich von ihnen anbeten ließ, und daß er in Polen nur darauf bedacht war, einen Landstrich angewiesen zu erhalten, um mit seinen Sektirern im Schatten der Heimlichkeit den mystischen Unfug fortsetzen zu können. Er hatte auch oft geäußert, wenn er nur zweihundert in Waffen geübte Anhänger gehabt hätte, würde er sich einen gesonderten Wohnplatz erkämpft haben. Es scheint, daß die Inquisition gegen die der Heuchelei angeklagten Frankisten die Folter angewendet hat. Auch gegen Frank muß wohl die Tortur in Gebrauch gekommen sein; es ist sonst nicht erklärlich, warum dieser Erzlügner ein so offenes Geständniß abgelegt hat. Er gestand nämlich ein, daß er, als Jude geboren, zur mohammedanischen Religion übergetreten sei, um irgend einen Vortheil von der Pforte zu erhalten. In seiner Erwartung getäuscht, habe er sich nach Kamieniez begeben, um sich zum Führer der Contratalmudisten aufzuwerfen. Er habe das christliche Bekenntniß geheuchelt und die Taufe empfangen, um dasselbe Spiel in Polen zu treiben, wie früher in der Türkei. Auf dieses Geständniß, verbunden mit der Aussage von Zeugen gegen ihn, wurde er als öffentlicher Betrüger zur Haft in einer Festung verurtheilt (am 19. Februar 1760). Seine eifrigsten Parteigänger Heilten sein Loos, der Troß der podolischen Frankisten wurde theils nach seiner Heimath entlassen, theils zu Schanzenarbeit an der Festung Czenstochau verurtheilt. In seiner Gefangenschaft machte Frank allerhand Versuche, seine Schwindeleien wieder zu beginnen. Er schickte prophetisch klingende Sendschreiben an die Juden, Popen nach Moskau, er und sein Anhang wollten griechisch-katholisch werden, und strebte nach Propaganda in Mähren und Böhmen. Als im Herbste 177 2 die Festung Czenstochau dem russischen Feldherrn Suwarow übergeben wurde, erhielt Frank die Freiheit wieder; auch erhielt er später mehrere Male Geldunterstützungen von der Kaiserin Katharina II. Weshalb? ist freilich unerklärt; man hielt ihn für einen russischen Spion. Aber was konnte er als solcher in Brünn und Offenbach nützen? Mit seinem Aufenthalte außerhalb Polens begann Frank eine neue Rolle, indem er völliger Zurückgezogenheit huldigte, sich dabei mit Geheimniß und fürstlichem Aufwande, besonders auch sehr reichen Almosenspenden umgab, eine Anzahl unbedingter Anhänger um sich sammelte, sie militärisch kleidete und einschulte, den Katholieismus zwar zur Schau trug, seinen kabbalistischen Unsinn aber beibehielt und sich hierzu dreier Soharisten, alter Anhänger von ihm, bediente. Seine Tochter mußte ihm dazu dienen, indem er auch diese als eine Gottmenschin darstellte. Der Inhalt seiner Lehre war aber nichts Anderes, als nach Geld zu trachten und sich jedes Betruges dazu zu bedienen. — Jndeß ist seine spätere Geschichte viel dunkler, als sein bisheriger Lebensgang. Warum er Brünn verlassen, in Offenbach geduldet wurde, wo er dem Fürsten das Schloß abkaufte, daselbst eine völlige Souveränetät ausübte, woher er für seine Verschwendung und die Erhaltung von fast 1000 Menschen so viele Jahre hindurch die Mittel zog? dies ist Alles auch durch die vorliegende Arbeit ungelöst. Ueberhaupt sind über die folgenden Jahre die Nachrichten spärlich und lassen nur einen sehr sparsamen Blick in einige Theile des mysteriösen Lebens im Schlosse zu Offenbach werfen. Zuletzt freilich häufte er ungeheure Schulden auf, und starb im December 179!. Seine Tochter Eva setzte den Schwindel eine Zeit lang fort, geriet!) aber zuletzt in die ärgsten Geldverlegenheiten. Dies Alles hat Schenck-Rinck bereits mitgetheilt, und gerade als gerichtlich eingeschritten werden sollte, soll Eva plötzlich gestorben sein, ist aber vermutlich entflohen. Von ihr und ihren Brüdern kam niemals wieder etwas zu Tage. Die Frankisten in Polen, welche durch ihre Anfangs heuchlerische Taufe und ihre guten jüdischen Köpfe zu Reichthümern und Ehrenstellungen gelangt waren, bewahrten ihrem Oberhaupte noch lange ein gutes Andenken und befolgten seinen Rath, sich nur unter einander zu verheirathen, das geschah noch in den ersten oder zweiten Generationen. Ob ihre Nachkommen noch im Geheimen frankistisch gesinnt und dem Katholicismus noch immer abhold sind, weiß der unter ihnen in Warschau lebende Dr. Skimborowicz selbst nicht zu beantworten. Wenn nun auch die Arbeit des Herrn Dr. Grätz einzelne und nicht unwichtige Punkte in diesem an Gemeinheit und niedrigen Leidenschaften reichen Bilde dunkel gelassen; wenn sie andrerseits unterlassen hat, dasselbe mit vielfachen ähnlichen Erscheinungen jener Zeit außerhalb der jüdischen Welt in Zusammenhang zu bringen, wodurch mancher Erfolg des Betrügers erklärt werden konnte — so hat sie doch das große Verdienst, den ganzen Vorgang in seiner organischen Entwickelung in das vollste Licht gestellt zu haben. Was ist, fragen wir, im Grunde dieser ganze traurige Frank'sche Schwindel? Nichts Anderes als eine Zwischenstation zwischen dem Sabbathaismus und dem jetzigen Chassidismus. Merkwürdiger Weise war einer der vier Wortführer der Rabbinen bei der zweiten Disputation, die in der Kathedrale zu Lemberg stattfand, derselbe Israel, nachher Baal Schein genannt, welcher der Stifter des jetzigen Chassidismus geworden, dieses Chassidismus, der sich vom Sabbathaismus und Frankismus nur darin unterscheidet, daß er nicht aus dem Juoenthmne austritt, nicht einen, sondern eine große Zahl von Wunderthätern hat,