Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-25 · Heft 9 (25.2.1868) · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 9 (25.2.1868)
Date
1868-02-25
Page
Seite 180 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226645--25840-3261353
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

180 die immer von Neuem entstehen, und bei aller Feindschaft gegen den Talmud doch ein genügendes Maß vom jüdischen Gesetze beibehält, sonst aber dieselbe Mystik treibt und auf dieselbe Verblendung und Verdummung der Masse speknlirt. So gebiert Betrug den Betrug. Auf dem Grunde des betrügerisch in das Judenthum eingeschmuggelten So har erhebt sich in dreifachem Stockwerk das Gebäude des kabbalistischen Betruges: der Sabbathaismus, der Frankismus und der Chassidismus; genauer genommen, kann die Frank'sche Episode nur als ein Entresol gelten. Daß aber dieses Treiben stattfinden konnte und in unserer Zeit in Polen, Galizien, Ungarn und Rumänien eine so große Ausdehnung gewinnen konnte, dafür muß der Grund in der Dürre und Geistlosigkeit gesucht werden, welcher das talmudisch-rabbinische Judenthum verfallen war. Die Kultur in Westeuropa rettete hier das Judenthum, während das ungestillte Verlangen des Volkes in den östlichen Ländern diesen Auswuchs des Judenthums hervorbrachte. Die Orthodoxie hatte übrigens diese Schlange an ihrem Busen genährt, und kann sich noch heute nicht entschließen, ihr zu entsagen. Correspondenz. Glogau, 7. Februar. Gestatten Sie mir noch einmal auf einen jüngst Verewigten zurückzukommen, der es so sehr verdiente. Lrmmei Arnstein ist geboren in Sulzbach, als der jüngste Sohn des Druckereibesitzers Seckel Arnstein. Durch Schule und Privatunterrickt gut herangebildet, ging er als Jüngling von 17 Jahren nach Prag, um sich wissenschaftlich <besonders in den neuern Sprachen) und in der M. I. Landau'schen Druckerei technisch zur spätern Uebernahme der Arnstein'schen Druckerei in Sulzbach auszubilden. Schon damals (wo ich ihn in Prag kennen lernte) war sein Geist nur auf Edles und Gutes gerichtet, und ein männlicher Ernst zeichnete ihn aus,' so daß gelehrte und angesehene Männer ihn gerne bei sich sahen. Im Jahre 1831 nach Hause zurückgekehrt, lebte er gerne der Wissenschaft und überall, wo es galt Gutes und Heilsames zu schaffen, stand er mit an der Spitze. So jung er war, so hörte man doch gerne auf seine Meinung und seinen Rath; denn zwei Tugenden zeichneten Arnstein vor allen aus: Entschiedenheit des Charakters und Wahrhaftigkeit in Wort und That. Für das Recht, und für das, was er für recht und gut hielt, trat er mit aller Kraft ein, und gegen das Unrecht kämpfte er mit allen Waffen des Wortes und der That. So mag es selbst nur sehr wenigen, sogar unter seinen Freunden bekannt gewesen sein, daß durch sein entschiedenes Auftreten im Jahre 1833 der letzte Judenleibzvll in Deuschland, welcher noch in dem zum damaligen Herzogthume Hildburghausen gehörigen Städtchen Held bürg (von jedem durchpassirenden Juden) gezahlt werden mußte, aufgehoben wurde, da er diese Sache durch die Presse veröffentlichte und die Regierung vermochte, diese Schmach zu beseitigen. Körperliche Leiden und Schläge des Schicksals konnten ihn nicht beugen und er wußte sich mit einem bewundernswerthen, humoristischen Gleichmuthe darüber hinwegzusetzen. Geld hatte für ihn nur insofern Werth, als er Andern damit helfen und wohlthun konnte; denn er selbst lebte höchst einfach und ganz seinem Berufe innerhalb seines Erziehungsinstituts, das er in Fürth gegründet hatte, hingegeben. Glücklich als Gatte, wie als Vater, geliebt von seinen Freunden, hochgeachtet von Allen, die ihn kannten, — so schied er von hinnen, und sein Name, wie sein Wirken werden bei Allen in dauernd gesegnetem Andenken bleiben. Eine Slume auf da« Grab meines edlen, unvergeßlichen Freundes Lemmel Arnstein. <S. Feuilleton-Beilage zu Nr. 6.) Zu früh wardst Du den Deinigen entrissen, Du edler Gatte, Vater, Bürger, Freund: Du hast mit Allen redlich es gemeint, Drum werden Alle schmerzlich Dich vermissen. So plötzlich ist das schöne Band zerrissen; Das ist's, was jedes Auge schwer beweint. — Doch einst sind sie im Himmel Dir vereint, Die Du gelassen hier in Kümmernissen. So lebe wohl! Ein Leben sel'ger Wonne, Wo nimmer nntergeht des Heiles Sonne Erwartet sicher Dich beim Vater dort, Und Du empfängst des ew'gen Lebens Krone, Die Deinem schönen Wirken wird zum Lohne Von Gott, der auch den Deinen bleibt ein Hort. — Dr. Klein. Notiz. Professor Levy in Paris, Schwager des Mainzer Banquiers und Abgeordneten Rudolf Bamberger und des berühmten Pubicisten Dr. Ludwig Bamberger, wurde von Napoleon mit dem Unterrichte des kaiserlichen Prinzen in der deutschen Sprache betraut. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.