Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1868)
- Date
- 1868-02-25
- Page
- Seite 172 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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172 man hatte die anderen Kirchen durch die feindliche Nationalität gefestigt. Dies stellt sich jetzt den Hellersehenden klar vor die Augen, und darum wird gegenwärtig die obige Frage diskutirt, ob Nationalität und Kirche zu unistziren seien? Denn nicht leicht bricht sich ein verjährter und mit Zwang aufrecht gehaltener Bann. Die Strenggläubigen sehen es als eine Entweihung an, daß fortan auch in den katholischen Kirchen die russische Sprache ertönen soll, was man jetzt ebenso gebieten will, wie man es bisher verboten hatte. Man sucht nun der Sache dadurch zu Hilfe zu kommen, daß man sogar die griechische Kirche als iin Nachtheile gegen die anderen stehend darstellt. Man hat in der griechischen Kirche eine Priesterkaste geschaffen. Die Kinder der griechischen Weltgeistlichen müssen dem Stande ihrer Väter angehören, während die Söhne der lutherischen Pastoren das Vorrecht des persönlichen Adels genießen und alle Carrieren betreten können. Hierdurch ist es gekommen, daß der russische Priesterstand übermäßig vielzählig ist und weit über die Zahl der Stellen hinausgeht und dabei völlig geist- und wissenslos geworden. Als im vorigen Jahre eine Kirgisenhorde das Christenthum annehmen wollte, fand man keine Männer, die befähigt gewesen wären, es ihnen in begeisternder Weise zu lehren. Hierdurch will man beweisen, und hat dazu reichlichen Stoff, daß die russisch-griechische Kirche Reformen bedürfe, um sich sogleich die Wege zu ebnen, die anderen Kirchen zu russifiziren, und hierdurch wieder ein Hinderniß zu beseitigen, die anderen Nationen zu russifiziren. Wir haben dieses Bild auf Grund der russischen Blätter selbst hier entworfen, weil es leicht ist einzusehen, wie sehr auch die zwei Millionen Juden im russischen Reiche an diesen Strömungen interessirt sind, welche bereits auch die Schwellen der Synagogen erreicht haben. Amerika. Rew-Aork, 24. Jan. Der Redakteur des Hebrew Leader, Herr I. Bondi, veröffentlicht in gedachtem Blatte folgenden „Aufruf an unsere Freunde in Deutschlands": Wir halten uns auf das Heiligste verpflichtet, Sie zu ersuchen, alle Israeliten, besonders aber Lehrer, Vorbeter und Schochtim, welche die Absicht haben, nach Amerika auszuwandern, auf den unbegrenzten Nothstand, der jetzt hier herrscht, aufmerffam zu machen und dieselben vor diesem thörichten Schritte zu warnen. Eine Menge solcher Subjekte wandert hier brodlos und jammervoll umher, besonders die, welche nicht mit genügenden Kenntnissen versehen und der englischen Sprache nicht mächtig sind. Viele derselben erbetteln sich Reisegeld, um nach der Heimath zurückkehren zu können. Südamerika. Buenos Ayres, im Januar. (Privatmitth. In diesen Tagen haben sich hier bis jetzt 18 Männer, allerdings unverheirathete, zusammengefunden und beschlossen, eine jüdische Gemeinde zu gründen. Die meisten sind Deutsche, besonders aus der Hamburger Tempelgemeinde. (Diese Thatsache ist gerade, weil sie von jungen Männern aus den höheren Volksschichten hervorgeht, denen man jetzt so leicht Religionslosigkeit nachsagt, um so erfreulicher und beweist abermals die unverwüstliche Lebenskraft unserer Religion.) Nachtrag. Pest, 16. Febr. Die israelitischen Notabel n machten heute dem Cultusminister in corpore ihre Aufwartung. Auf die Ansprache des Präses der Pester Gemeinde, Herrn Lanyi, antwortete Baron Eötvös, das Elaborat der Notabeln werde keine bindende Kraft haben und dem baldigst einzuberufenden israelitischen Congresse zur Discussion vorgelegt werden. Morgen beginnen die Notabeln ihre Berathnngen. Anzeigen. Die Cultusbeamten-Stelle bei der hies. Synagogen- Gemeinde mit einem jährlichen Einkommen von 300 Thlr. ist noch vacant. Reflectanten wollen sich gefälligst behufs Uebernahme der Stelle zu nächste zm persönlich auf ihre Kosten hier einsteüen und sollen Demjenigen der gewählt wird die Reisekosten erstattet werden. Wollin in Pommern. Der Synagogen-Borstand.