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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-25 · Heft 9 (25.2.1868) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 9 (25.2.1868)
Date
1868-02-25
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
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m dessen Präsident' schon am Mitttvoch den Candidaten von seiner Ernennung verständigte. Die Publicirung derselben wurde verzögert, weil wegen Beeidigung des neu Ernannten beim Justizministerium eine Anfrage geschah, die umgehend mit dem Bescheid erwidert worden, daß sie genau so vorzunehmen sei, wie die aller Staatsbeamten. Ich brauche wohl nichts hinzuzufügen, um die Tragweite dieser Ernennung hervorzuheben. Es ist die erste, welche den Juden in Oesterreich den Weg zum Richteramte bahnt, das ihnen anderwärts, in Deutschland*) z. B-, so streng oerschlosist. Gewünscht wird in liberalen Kreisen, daß diese Ernennung nicht beendigt werde, wie eine ähnliche im Jahre 1849, die später, als die Tage der Reaction anbrachen, dadurch wieder „gutgemacht wurde/' daß man den Ernannten zwang eine Advocatenstelle anzunehmen, die er erhielt, ohne die Advocatenprüfung gemacht zu haben. Lemberg, 29. Jänner (Privatmitth.). Die Wahl unseres jetzigen israel. Gemeindevorstandes giebt der hiesigen israel. Gemeinde das schönste Zeugniß des Fortschrittes und der Intelligenz. Der Reichsraths- Abgeordnete Herr Dr. Landsberger, dann Herr Dr. Hönigsmann und Herr Moriz Kolischer sind Männer von hohem Streben und Wirken, denen die Herren DDr. Julius Kolischer und I. Frenkl in würdiger Weise angereiht zu werden verdienen. Die Geschäftsvertheilung unter diesen Herren veranlaßt uns zu manchen Betrachtungen. Dr, Landesberger und Dr. Hönigsmann haben das Schulfach übernommen. Wie die „Presse" neulich besagte, verfügt die israel. Schulcasse über einen beträchtlichen Fond, während die Lehrer in Noch und Elend leben müssen. Diesem Uebelstande abzuhelfen hat das h. Ministerium für Cultus und Unterricht aus dem allgemeinen israel. Schulfond Galiziens eine Subvention von 1600 fl. jährlich als Gehaltszulage für die Lehrer bewilligt. Leider erheben sich jetzt Stimmen in der Gemeinde, daß man, anstatt diese Subvention ihrer Bestimmung zuzuwenden, noch Lehrer für die polnische Sprache bei der Schule dafür anstelle. Es ist wahr, daß nach der neuen Verfassung in Oesterreich, unsere Schulen *) Nicht überall, z. B. nicht in Hamburg und Baden; dagegen in Preußen, welchem also auch hierin Oesterreich in schnellem Aufschwung vorangekommen ist. neben der allgemein wissenschaftlichen auch eine politisch-nationale Seite haben, der Rechnung zu tragen ist; allein, sollen das die armen Lehrer von der für sie bestimmten Unterstützung bestreiten? — Der große Mendelssohn sagte, als er einige Tage kümmerlich gelebt, um sich für das Ersparte eine Grammatik zu kaufen: „Ich habe mir diesesBuch erhungert!" — Die hiesigen israel. Lehrer haben sich durch bald drei Dezennien den in der Schulcasse erliegenden Refervefond erhungert, ohne ihn zu besitzen. Für wen liegt eigentlich dieser Fond? Wartet er etwa auf einen dereinstigen, lachenden Erben, der ohne Sorg' und Mühe, in stiller Sehnsucht mit ihm davonziehen wird? Wie schön wäre es, wenn der jetzige Gemeinde- Vorstand, vereint mit der löblichen Direction und Jnspection der Schule, diese Baarschaft als Pensionsfond für die Lehrer anlege, da letztere nach dem Gesetze pensionsfähig sind; damit sie nicht nach mühselig durchkämpften Tagen, erst ahnungstrübe in die Zukunft sehen müßten. Diese Herren würden sich ein ebenso großes Verdienst, wie die Gründer der Schule selbst, erwerben. Die israel. Cultusangelegenheiten hat Herr Dr. Frenkel übernommen. Was unseren Tempel betrifft, so können wir in befriedigendster Weise sagen, daß er sich an jedem Samstage und an Feiertagen des zahlreichsten Besuches erfreut; und dies verdanken wir vorzüglich den gediegenen Predigten unseres allgemein beliebten Rabbiners, Hrn. Bernhard Löwen stein, und dem trefflichen Gesänge unseres durch Bildung, Religiosität und talmudisches Wissen ausgezeichneten Oberkantors, Hrn. Oswald Weiß. Bedenkt man jedoch manche Vorkommnisse in unserem Tempel etwas genauer, so fällt wohl bald die Frage auf: Wer hätte nicht auch etwas auszusetzen? So sehr wir das Streben unserer geehrten Tempelverwaltung, während des Gottesdienstes Ruhe und Ordnung zu erhalten, nach Verdienst würdigen, so ist es dennoch nicht recht, daß man zuweilen an Feiertagen und auch sonst bei manchen Festivitäten dem israel. Publikum den Eintritt in den Tempel wehrt und die Thore sperrt. Zwar fällt dies zuweilen dem Betragen des Publikums selbst zur Last, allein die Verwaltung geräth dadurch mit ihrem eigenen Streben in Collision. Sie will im Tempel Ruhe erhalten, und die draußen gebliebene Menge scheut es nicht, unter stürmischem Rufen an die Thore zu klopfen, so daß

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