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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-25 · Heft 9 (25.2.1868) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 9 (25.2.1868)
Date
1868-02-25
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 Ich bitte Sie, Herr Redaeteur, diese Zeilen zu veröffentlichen; vielleicht findet sich ein Moses, um dieses halsstarrige Geschlecht in das gelobte Land der Bildung und Selbfterkenntniß zu führen!" Der Inhalt dieses Berichtes stimmt mit den Schilderungen überein, die wir seit Jahrzehnten aus jenen Landstrichen erhallen, stimmt auch mit dem.in Nr. 6. d. Bl. aus Memel Berichteten. Die Ursachen dieses großen Elendes und Verfalles sind nicht schwer zu finden: die Absperrung der russischen Grenze gegen den Verkehr mit den Nachbarländern, die Anhäufung der jüdischen Bevölkerung mit dem Verbot des Wegzuges, sei es nach dem russischen Inland, sei es nach dem Ausland, und der Mangel an aller Schulbildung — man erinnere sich, daß viele Gemeinden in Polen vergebens nach der Erlaubniß, Elementarschulen zu gründen, verlangten, so lange das polnische Regime unter dem russischen Scepter dauerte — lösen das Räthsel vollständig. Das erste Moment vermögen wir kaum zu bekämpfen, da dies prinzipielles System der russischen Regierung ist, welches weit über unsere Sphäre hinausreicht. Dagegen wiederholen wir immer und immer die Forderung an die kaiserliche Staatsregierung, den Juden in Polen und Lithauen die Freizügigkeit im weiten Czaarenreiche zu gewähren, und können dies um so mehr, als es mit weisen national-ökonomischen Zwecken für die Gesammtheit der ganzen russischen Bevölkerung zusammenfällt. Ebenso hängt es freilich vorzugsweise von der Staatsregierung selbst ab, ob und wie Schulen für diese Volksmasse gegründet werden. Doch ist dabei nicht zu übersehen, daß diese jüdische Bevölkerung selbst die Mittel zur Erhaltung solcher Schulen nicht besitzt, und da man die völlige Dotirung derselben von der Regierung weder fordern noch erwarten kann, so ist dies der Punkt, in welchem auswärtige Glaubensgenossen dem drängenden Bedürfniß zu Hülfe kommen könnten. Wir gestatten uns hierauf die volle Aufmerksamkeit der Alliance isra£- lite universelle zu richten. So nützlich Schulen in Bagdad und Tetuan sein mögen, dringender und von zuverlässigerer Wirkung wären die für die Juden Lithauens. Die Falascha's in Abtzssinieu uud die kleinen jüdischen Trümmer in China mögen uns interessiren; aber alle Fibern unseres Herzens müssen von der traurigen Lage unserer Glaubens- und Stammesbrüder in einem so nahen Lande erzittern. Dort werden alle Bemühungen durch die Barbarei der ganzen dortigen Bevölkerung stets fraglich verbleiben; hier aber, in einem Culturstaate und an der Grenze der civilisirtesten 'Nationen ist der Erfolg sicher und die Forderung deßhalb um so peremptorischer. Allerdings glauben wir, daß diese jüdischen Schulen zugleich Handwerks- und Gewerbeschulen sein müßten, daß in denselben Anleitung zu technischen Fertigkeiten gegeben, besonders z. B. Zeichnen gelehrt werden müßte. Aber darum handelt es sich noch nicht, sondern zunächst um den Impuls zu geben uud eine lebhafte Theilnahme für diese Unglücklichen zu erwecken! Die Redaction. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, im Februar. Die „Hamb. Nachr." sagen bei Gelegenheit des Begräbnisses Reichenheims: „Wir würden uns einer Unterlassungssünde schuldig machen, unterließen wir, die Bemühungen der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Linderung des herrschenden Elends rühmend anzuerkennen. Im Bazar sitzen neben den Damen von Geburt die Frauen unserer Banquiers, mit Frau Gräfin Bismarck theilt die junge Gattin eines Modewaarenhändlers den Verkauf in einer Bude. Aus jüdischen Häusern sind die reichsten Beiträge gekommen, werden die ansehnlichsten Einkäufe gemacht. Die Zeiten sind längst vorüber, in denen sich der Israelit über Zurücksetzung beklagen konnte. Auf seiner Runde, die der König nach der Polonaise des Supscripfionsballes im Saale macht, redet er. stets mehrere Geldmänner von Ansehen an und läßt sich ihre Gattinnen vorstellen. Im Ghetto haben wir wahrlich nicht mehr die Söhne Jakobs zu suchen." Krotoschin, im Januar. (Privatmitth.) In der hiesigen höhern Töchterschule wird seit Anfang d. Mts. auch jüdischer Religionsunterricht ertheilt. Von der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß die Religion die Grundlage alles Unterrichts und aller Erziehung bildet, und daß namentlich die allen Religionen gemeinsam zu Grunde liegenden Lehren von der Liebe zu Gott, zu den Mitmenschen und 'zum theuren Vaterlande hierbei maßgebend sind, haben die Väter der Stadt einem längst gefühlten Bedürfnisse Rechnung getragen und dem Rabb. Herrn vr. Joel aus der städtischen Schulkasse ein Honorar für den jüd. Re-

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