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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-25 · Heft 9 (25.2.1868) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 9 (25.2.1868)
Date
1868-02-25
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 Conferenz einzuberufen, deren Termin ich auf den 17. Februar l. I., Vormittags l 0 Uhr festsetzte und zu welcher Conferenz ich von Ihren Glaubensgenossen solche berief, von denen ich weiß, daß sie eine entsprechende Orientirung zu bieten vermögen. Somit ersuche ich auch Sie, von dem ich überzeugt bin, daß Sie die zweckentsprechende Regelung und gesetzliche Feststellung dieser Angelegenheit wünschen, hiermit achtungsvoll, am genannten Tage an dieser Conferenz im k. ung. Cultus- und Unterrichtsministerium (Ofen, Festung, Herrengasse im Landhaus) theilnehmen zu wollen. Mit ausgezeichneter Hochachtung — Ofen, 22. Jänner t 868 — Baron Josef Eötvös m. j>. Die berufenen Persönlichkeiten find bereits in Nr. 8. d. Bl. aufgeführt worden. Ich werde bestrebt sein, den geschätzten Lesern dies. Blattes alles Weitere, was über diese hochwichtige Versammlung verlauten wird, schnellstens zur Kenntniß zu bringen. Sal. Blum. Äus Russisch Lithauen. Im Februar. Wir erhalten aus der zuverlässigsten und unparteiischesten Quelle folgenden Bericht aus Russisch-Lithauen: Von hier aus ertönt kein Ruf nach Hülfe, wie jenseits aus Ostpreußen, und doch ist hier das Elend ein viel größeres. Man ist wohl kaum im Stande bei Ihnen eine Versunkenheit zu begreifen, wie sie sich hier darlegt! Wenn auch die armen Gemeindemitglieder, deren Vermögen sich selten auf einige Rubel beläuft, und die nur vom Schmuggel leben, weil sie sonst keine Existenzmittel haben, sich mit dem Wenigen unterstützen, dessen sie kümmerlich entbehren können, so sind hauptsächlich die Verhältnisse daran Schuld, welche das Aufkommen der hiesigen Juden fast zur Unmöglichkeit machen. Die männliche Jugend lernt höchstens etwas Gemara, von sonstiger sittlichen Bildung keine Spur. Früh schon darauf angewiesen den Lebensunterhalt zu verdienen, ohne Kenntniß der Welt, dagegen angespornt, pfiffig und betrügerisch Zollbehörden und die feile Obrigkeit zu hintergehen, erwachen in den Gemeinden Laster, die sonst den Juden unbekannt sind. Das greulichste Laster ist das Denunciantenwesen, angeregt durch den dabei ihm zufallenden Antheil und durch den Neid, den der Besitzlose gegen den Besitzenden hat. Mir sagte dieser Tage eine Frau, die bei einem Vermögen von 300 Rubeln als reich gilt, daß sie ihr Stück Brod ganz im Geheim verzehren müsse, um nicht den Neid der Uebrigen zu erregen, die im Herbst Kleie und Gras zusammenbacken, um es als Brod hinunterzuwürgen. Fleisch kochte sie für jeden Sonnabend >/2 Pfund, das freilich für sechs Personen schlecht ausreichte. Um der Denuncianten sich zu entledigen, schießen die Gemeindemitglieder Geld zusammen; dies erhält der Richter, und nur dadurch wird der Uebelthäter im Gewahrsam erhalten, da er alsdann in eine beliebige Untersuchung verwickelt wird, die ihn der Freiheit beraubt. An Gründen zu solchen Untersuchungen fehlt es nie! Wenn es selbst möglich ist, daß notorische Diebe dem Richter Geld gaben, wofür er ihnen Straflosigkeit bewilligt, so können Sie sich denken, wie tief die Grenze gesunken! Und was soll der arme Jude anfangen? ohne Vermögen, ohne Kenntnisse, in die Welt gestoßen, die ihn mit Verachtung behandelt, muß er Alles ergreifen, was ihn emporhält, um nicht vor Hunger uuterzugehen. Nur Schulunterricht und Moralitätserkenntniß können hier helfen! Bis jetzt glaubt Jeder, wenn er am Jomkippur die Al-Cheths mit furchtbaren Brustschlägen bekennt und schreit, seinen Sünden Abhülfe zu schaffen — wenn er noch so viel Selbsterkenntniß hat, sein Thun als Sünde zu erachten! Wie recht hatte vor Jahren der edle Minister Uwarow, als er Sie im Aufträge des Kaisers Nicolaus aufforderte, diese Zustände unserer Glaubensgenossen in's Auge zu fassen und durch Gründung von Schulen die Gelehrigkeit derselben zu wecken. Allein es sollte damals Nichts geschaffen und erreicht werden, als die Anschauungen eines Uwarow ihr Ansehen verloren und er selbst beseitigt wurde! Und jetzt! Es thäte Noch, es käme Jemand mit Geld, Ansehen und Hingebung ausgestattet, um diese dumpfen Massen aus ihrer Versunkenheit zu erwecken! Die Wissenschaft allein reicht nicht aus! Die Regierung selbst, wenn sie nicht die unbescholtensten Charaktere hierhersendet, die es sich zur Aufgabe machten, für das Reich hier eine Fülle von Intelligenzen zu gestalten, könnte sonst nichts ausrichten. Das bloße Befehlen reichte nicht aus! Statt nach Palästina Gelder zu senden, die Leute in Faulheit zu bestärken, wären hier Schätze anzudringen, um Schulen zu gründen, billiges Land zu kaufen, eine fleißige Bevölkerung zu unterstützen. Damit wäre Ehre und Preis zu erwerben!

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