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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-25 · Heft 9 (25.2.1868) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 9 (25.2.1868)
Date
1868-02-25
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 Das jüdische Elementarschvlrvesen in Preußen in den Jahren 1862—1864. Ueber den faktischen Bestand des jüdischen Elementarschulwesens in Preußen finden bis jetzt nur unsichere Meinungen statt, und wir scheuen daher die bedeutende Mühe nicht, aus den soeben über das Elementarschulwesen in. Preußen erschienenen statistischen Nachrichten (Berlin, Verlag von Wilhelm Hertz) die dahin gehörigen Notizen herauszuziehen und zusammen zu stellen. Wir haben vor Kurzem gezeigt, daß die Gymnasien, Real- und Bürgerschulen von verhältnißmäßig sechs bis sieben Mal mehr jüdischen Schülern als von christlichen besucht werden, woraus sich von selbst ergiebt, daß eine nicht unbeträchtlich geringere jüdische Schülerzahl Elementarschulen besuchen muß. Ein noch stärkeres Moment bildet in dieser Beziehung der Umstand, daß viele jüdische Kinder die christlichen Elementarschulen besuchen, indem es an vielen Orten, ja in ganzen Regierungsbezirken keine jüdischen Elementarschulen giebt, die vorhandenen jüdischen Religionsschulen aber mit Recht nicht zu den Elementarschulen gerechnet werden. Es ist daher von gar keinem Gewicht, wenn im Durchschnitt in der ganzen preußischen Monarchie (ohne die annektirten Provinzen) 750 Seelen der Bevölkerung auf eine öffentliche Elementarschule, 705 Evangelische auf eine evangelische, 828 Katholiken auf eine katholische, und 1,007 Juden auf eine jüdische Schule kommen, denn demungeachtet wird in der Regel die Schülerzahl in einer jüdischen Schule bei Weitem geringer als in einer christlichen Schule sein. Es bestanden Ende 1864 unter 25,120 öffentlichen Elementarschulen mit 38,053 Klassen, 34,803 Lehrern und 2,016 Lehrerinnen 260 jüdische Schulen mit 381 Klassen, 376 Lehrern und 4 Lehrerinnen; es ist also erst die 96. Schule eine jüdische, während bekanntlich der 73. Mensch ein Jude ist. Von den gedachten Schulen waren 210 in den Städten, 50 auf dem Lande. Es befanden sich unter 19,226,270 Einwohnern 3,457,301 Kinder im Alter vom vollendeten 5. bis zum zurückgelegten 14. Lebensjahre. Von diesen besuchten 3,026,743 Kinder die Elementarschulen, und unter diesen befanden sich 37,483 jüdische Kinder. Davon besuchen 17,735 jüdische Schulen, also 19,748 jüdische Kinder die christlichen Elementarschulen. Concessionirte Privatschulen gab es unter 1460 im ganzen Staat 129 jüdische. Von 1861 bis Ende 1864 hat sich die Zahl der jüd. Schulen um 119 vermehrt, die Classen um 144, die Lehrer um 129 und die Lehrerinnen um 1. Obgleich nun in der That neue jüdische Schulen errichtet worden sind, so hat diese außerordentliche und unverhältnißmäßige Vermehrung ihren Grund in einem ganz anderen Umstande, nämlich einentheils in einer Berichtigung der Tabellen, andrentheils und hauptsächlich in Folgendem: Als Kriterium für die Bezeichnung einer jüdischen Schule als öffentliche, ist gegenwärtig die Thalsache angenommen worden, daß der Lehrer entweder von der jüdischen Cultusgemeinde allein, oder mit Hülfe der politischen Gemeinde unterhalten wird, wogegen diejenigen Schulen, deren Lehrer weder von der Cultusgemeinde noch von der politischen unterhalten werden, lediglich als Privatschulen und die bloßen jüdischen Religionsschulen garnicht gerechnet worden sind. Bei Aufstellung der früheren Tabellen von 1859—61 waren diese Unterschiede nicht überall gleichmäßig zu Grunde gelegt worden. Auf diesen Umstand, wie er in dieser Weise wörtlich in dem ministeriell statistischen Werke ausgesprochen worden, wollen wir besonders aufmerksam machen. Denn wenn die Charakterbezeichnung in den statistischen Tabellen noch lange nicht die wirkliche Behandlung der jüdischen Schulen Seitens des Ministeriums nach diesem Grundsätze bedeutet, so giebt es doch immer einen Grund ab, der bei den resp. Anträgen geltend gemacht werden kann. Es kamen nach obigen Angaben durchschnittlich auf jede jüdische Schule 45 Schüler. Gehen wir in das Einzelne ein, so existirten Ende 1864 in der Provinz Preußen in den Regierungsbezirken Königsberg, Gumbinnen und Danzig gar keine jüd. Schulen, hingegen im R-B. Marienwerder 10 jüdische Schulen mit 16 Klassen und 17 Lehrern; — in der Prov. Posen 78 jüd. Schulen mit 138 Klassen und 135 Lehrern; — in der Prov. Brandenburg bestanden in der Stadt Berlin 4 jüd. Schulen mit 22 Klassen, 24 Lehrern und 2 Lehrerinnen, im R-B. Potsdam keine, im R-B Frankfurt a. O. 2 jüd. Schulen mit 3 Klassen und 2 Lehrern; — in der Prov. Pommern hatten die R-B. Stettin und Stralsund keine jüd. Schulen, der R-B. Cöslin 5 jüd. Schulen mit 8 Klassen und 8 Lehrern; — in der Prov. Schlesien hatte der R-B. Breslau 1 jüd. Schule mit 1 Klasse und 1 Lehrer, Oppeln dagegen 15 Schulen mit 39 Klassen, 38 Lehrern und 1 Lehrerin, Liegnitz keine; — in der Prov. Sachsen hatte der R-B. Magdeburg 1 jüd. 9*

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