Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1868)
- Date
- 1868-02-18
- Page
- Seite 159 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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159 ihn. Die Abgöttern, welche seine Anhänger mit ihm trieben, sein verschwenderischer fürstlicher Aufwand, zu welchem die Mittel aus unbekannten Quellen flössen, einige unbesonnene Auslassungen des mit dem Erfolge unzufriedenen Frank und die Geständnisse einiger Anhänger, welche behaupteten, daß Frank Christus sei, sowie endlich die Verrätherei eines derselben, der von den Almosenspenden ausgeschloffen worden, führten die Verhaftung Frank's am 26. Januar 1760 herbei. (Schluß folgt.) Das Tanzkränzchen des israelitischen Frauen- Vereins in Pest. Der genannte Verein war auf den Gedanken gekommen, zum Besten seiner Waisenmädchen ein „Tanzkränzchen" zu arrangiren. Diese Absicht wurde durch die Mitwirkung mehrerer Herren ausgeführt, und zwar zum ersten Male am 25. Januar. Ein sehr schön abgefaßter Bericht erschien im „Pesther Lloyd", und wir heben aus demselben einige Stellen heraus. Er beginnt: „Die wilde Taube hat ihr Nest, der Fuchs seine Höhle, der Mensch sein Vaterland, — Israel nur das Grab!" — Nun, Lord Byron in allen Ehren, aber wer am vergangenen Sonnabend all die Hunderte von Söhnen und Töchtern Israels gesehen, die sich Kopf an Kopf durch die Säle des Hotel Europe drängten, strahlend von äußerem Glanze und innerer Freude, dem wird es wohl klar geworden sein, daß dieses Israel an alles Andere denke, als an das Grab. Es war im Gegentheil ein frisches, fröhliches Leben, das sich durch die Säle ergoß, wie ein breiter, mächtig rauschender Strom, dessen Fläche nicht bloß von dem Widerschein der Diamanten und Perlen, sondern auch von dem geistigen Funkensprühen dieses an Intelligenz so überreichen Stammes leuchtete. ,,A propos“, sagte mir eine der hundert Schönheiten, die da beisammen waren, „Sie haben mich ja noch gar nicht besucht, seit ich eine gleichberechtigte Staatsbürgerin | geworden. Nun, sehen Sie mich einmal genau an! Wie finden Sie, daß die Emanäpation mir anschlägt?" Und dabei wandte sie mit der Grandezza einer Königin den wundervollen Kopf zuerst nach rechts, dann nach links, dann ließ sie mit sieghafter Zuversicht die großen schwarzen Augen wieder halb sinnend, halb fragend auf mir ruhen. Ich betrachtete diese bezaubernde Büste, die vor dem karrarischen Marmor noch das Eine voraus hat, daß in ihr ein warmes Herz schlägt; mein Blick glitt über Idie edlen feinen Züge, dann versenkte er sich in die geheimnißvolle Nacht dieser Augen, in diese Nacht, aus der p furchtbar wetterleuchten kann, wenn sich die dichten Brauen Gewitterwolken gleich zusammenziehen, und die auch wieder an die wundervollen Frühlingsnächte mahnt, wenn ein Lächeln der reizenden Lippen das schöne Antlitz wie mit sanftem Mondenscheine übergießt; ich sah im Haar die Diamanten schimmern; noch zitterte der melodische Klang der volltönenden Stimme in meiner Seele nach; und er weckte die Erinnerung an die vielen, vielen genußreichen Stunden, welche mir der frische und unerschöpflich tiefe Geist dieser Frau bereitet — und ich mußte mich unwillkürlich fragen: was hätte ein Mensch — oder sagen wir nicht Einer, sagen wir all die Hunderte, welche sich zusammengenommen „Parlament" nennen, was hätten sie hier noch zu bieten vermocht, was nicht viel eher und in viel reicherem Maße von hier gegeben werden könnte? Aehnliches dachte wohl auch der kleine blasse Mann mit den feinen Zügen und der tief durchfurchten Denkerstirne, der dort an der Seite eines der „Arrangeurs" auf der Estrade stand und das träumerisch blickende Auge über das bunte Gewühl streifen ließ, der Mann, auf welchen einer seiner Verehrer die liebenswürdige Impertinenz dichtete: „Du, vom Gott Apoll Geküßter, Holder Musen Hoherpriester, Kaunas D i ch freu'n, zu sein Minister- Für den Kultus der Philister?" Das milde Lächeln, das um seine Lippen spielte, war wohl der Reflex des Gedankens, daß er es war, der schon vor drei Jahrzehnten für die in ihren Menschenrechten so schwer gekränkten Juden seine Stimme erhob; — er mochte sich daran erinnern, wie man ihm, damals noch einem halben Jünglinge, mit mitleidigem Achselzucken den väterlichen Rath ertheilte, er möge seinem poetischen Gemüthe in Werken wie der schwärmerische „Karthäuser" Lust machen, aber die Lösung oder — in diesem Falle richtiger gesagt —die Nichtlösung großer politischer Fragen den „gewiegten Staatsmännern" überlassen. Heute sind diese gewiegten Staatsmänner, wenn sie der gütige Himmel nicht vor solcher Beschämung aus diesem. irdischen Jammerthale abrief, unters „alte Eisen" geworfen; „Besen, Besen, bist gewesen" und die Juden tanzen als freie vollberechtigte constitutionelle Staatsbürger über die Parquetten des Hotel Europe dahin. Der Dichter aber — echte Dichter sind immer auch Propheten — der Dichter, der all dies prophezeite, der als Staatsmann nur zu beschleunigen gewünscht hatte, was der Dichter längst als eine unabweisliche Pflicht erkannte, die früher oder später denn doch erfüllt werden muß und wird — er blickt heute mit erbleichendem Haare — selig über die endliche Verwirklichung eines Jugendideals — in dieses frohe Treiben hinein und nicht sein Herz allein, auch sein staatsmännischer Geist freut sich dieser Fülle von Reichthum, Anmuth und geistiger Kraft, die nunmehr dem großen Stammkapitale der ungarischen Nation zugewachsen."