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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-18 · Heft 8 (18.2.1868) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 8 (18.2.1868)
Date
1868-02-18
Page
Seite 160 (sequence 20)
Language
German
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160 Weiterhin heißt es: „Als kürzlich die Gleichstellung der Juden proklamirt wurde, machte ein klerikales Blatt seinem Aerger darüber, daß sich „das Blau des Himmels" nicht mehr verhängen laste „mit Pnrpurmänteln und mit dunkeln Kutten", in der Bemerkung Luft: der Jude vermöge sich doch niemals der Nation zu assimiliren, in deren Mitte er lebe; Longobarden, Mauren und hundert andere Nationen seien zu Grunde gegangen und aus den betreffenden Ländern spurlos verschwunden; die Juden allein hätten sich dort erhalten, sie allein hätten jede nationale Katastrophe überlebt, und seien mit dem Stufe: Ja Nation est tnorle, vive la Nation!“ stets sofort in das Lager des neu aufstrebenden Volkes übergegangen. Die Erscheinung ist wahr, sie ist auch wunderbar, aber sie hat einen andern Grund. Er liegt darin, daß die Juden seit Jahrtausenden mehr als jeder andere Volksstamm Zusammenhalten, in guten wie in schlimmen Zeiten — ja in den schlimmen Zeiten noch viel mehr als in den guten. Wo die schwache Kraft des Einzelnen, sich selbst überlasten, unfehlbar erliegen müßte, da schaaren sie sich zusammen, wie sie da sind, all' die Bewohner einer Gemeinde, und wenn dies nicht ausreicht, all' die Bewohner eines Landes, und wenn auch das noch immer nicht ausreicht, dann reichen sie sich die Hände von einem Ende der Welt bis zum anderen und Sir Moses Montefiore geht von London nach dem Libanon, uin seinen bedrängten Glaubensgenossen Schutz und Hilfe zu bringen. Wenn über ein Land oder ein Volk eine große Katastrophe heinbrach und alles nationale Leben ringsum vernichtete, da schaarten sich die Juden zusammen wie ein Häuflein Soldaten, das von dem Gros einer versprengten Armee abgeschnitten worden, sie formirten Schulter an Schulter ein mächtiges Carrs und so gelang es ihnen, sich durchzuschlagen. So haben sie es seit Jahrtausenden gemacht; so machen sie es auch heute noch und nicht, daß sie dies verlernen, sondern, daß wir Alle es von ihnen erlernen mögen, das wäre zu wünschen." Kuriosum. Die österreichischen Blätter enthielten in sehr emphatischer Weise ein Telegramm vom 6. Februar: „Der ehemalige Hvfkanzler Graf Forgach ist in Rom mit der Tochter des israelitischen Kaufmanns Ed er er getraut worden. Der Erzbischof von Köln hat die Taufe und den Trauungsakt vollzogen. Graf Clam- Gallas und Fürst Dettingen waren die Trauungszeugen." Bei Lesung dieser Worte dachten wir daran, daß gewisse Schichten der Juden jetzt — gewiß in sehr anmaßlicher Weise — die Sitte der fürstlichen Familien an nehmen, daß eine Braut ohne Weiteres zu der Kirche des gekrönten Bräutigams übergeht. Aber weitere Mittheilungen der öffentlichen Blätter zeigten uns, was für ein Vögelchen die nunmehrige Frau Forgach sei. Es wird nämlich berichtet: „Der ehemalige k. ungarische Hofkanzler Graf Anton Forgach hat sich, wie uns heute von zwei Seiten gemeldet wurde, dieser Tage mit der von ihrem Gatten geschiedenen Frau Ederer aus Prag vermählt. Graf Forgach hat seine nunmehrige Gattin in Prag kennen gelernt, zur Zeit, da er daselbst als Statthalter residirte, und als er später nach Wien in die Hofkanzlei übersiedelte, unterhielt er einen regen Briefwechsel mit der interessanten Dame. Das Verhängniß trat in Gestalt der Kalab'schen Brief-Defraudationen dazwischen. Nach Jahr und Tag war, wie das N. W. T. meldet, ein von Kalab zurückgehaltener Brief mit der Devise „unterschlagen gewesen und nun zu Stande gebracht" unerwartet nach Prag und dem Manne der Frau in die Hände gekommen. Herr E., ein angesehener Kaufmann, ließ sich von seiner Frau scheiden, die seither ein völlig zurückgezogenes Leben führte. Erst in späterer Zeit näherte sich ihr Graf Forgach wieder und bewog sie zum Glaubenswechsel. Frau E> trat vom Judenthum zum Katholicismus über und ist nun — Dank der Kalab'schen Defraudationen — Gräfin Forgach." Es war also die Ehefrau Ederer, die mit dem Grafen Forgach in einem Verhältnisse stand, welches den Ehemann, nachdem ihm durch den Brief bekannt geworden, zur Scheidung veranlaßte. Eine Frau, die auf solche Weise aus der Ehe scheidet, ist bei ihrer Scheidung aus ihrer Religion von ihren Glaubensgenosten mit geringem Bedauern zu begleiten. Das Gepränge bei ihrer Taufe bezeugt, welches Gewicht man auf die Moralität legt, sobald es sich — um Grafen handelt! Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.

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