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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-18 · Heft 8 (18.2.1868) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 8 (18.2.1868)
Date
1868-02-18
Page
Seite 158 (sequence 18)
Language
German
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158 Augenblicke schrieb sich ein erbitterter Haß zwischen den Frankisten und den Juden her. Nach einem, den 11. Juni 1756 vom Rabbinate zu Satanow erhobenen Protokoll waren die Frankisten Verletzer des Sabbaths, der Speisegesetze und der Ehe. Einen HaupLbeweis für die scheußliche MM der Frankisten bietet der Umstand, daß die Frauen der meisten Frankisten ihre Männer verließen und lieber das Härteste ertrugen, als zu jenen zurückzukehren. Die Rabbinen eröffneten eine heftige Verfolgung gegen die Frankisten, legten sie in den allerherbsten Bann und überlieferten sie als Mifsethäter den weltlichen Gerichtshöfen. Frank und seine Anhänger sannen auf Rachepläne. Auf Veranlassung des ersteren bekannten sich viele gefangene Frankisten zur Dreieinigkeit und Menschwerdung Gottes und zeigten sich zur Taufe bereit. Der Bischof Dembowski von Kamieniec setzte sie darauf in Freiheit, welche dem Bischof weißmachten, daß hundert Tausende von Juden sich der Kirche nähern wollten. Auf Befehl ihres Meisters kamen die angesehensten Frankisten in Rohatyn zusammen und beriechen einen Plan, um die Juden in's Verderben zu stürzen. Als geeignetes Mittel ersahen sie sich die teuflische Behauptung: der Talmud verpflichte die Juden, Christen umzubringen und ihr Blut zu gebrauchen. Diese Lüge war damals in Polen noch wenig bekannt und die Frankisten verbreiteten sie nun mit frecher Stirn. Es war eine selbstverständliche Folge, daß sich bald diese Anklage an verschiedenen Orten thatsächlich wiederholte. DieFrankisten gingen weiter. Sie brachten den Bischof dahin, eine Disputation zwischen ihnen und den Talmudisten über die Dreieinigkeit auszuschreiben, wozu er die Talmudisten bei einer großen Geldstrafe aufforderte. Die Verlegenheit der Rabbinen war groß. Die Frankisten arbeiteten ein Programm dazu aus, das an Schlauheit, Verbissenheit und Heuchelei wenig Seitenstücke haben dürfte. Außer der eben erwähnten Anschuldigung enthält das Programm unter neun Punkten folgende: 4) Sie, die Frankisten, glauben zwar an einen einzigen Gott und Weltschöpfer, der die Vorsehung auf das Größte und Kleinste ausdehne; aber 5) sie glauben auch, daß dieser Gott aus drei Personen (Parzufin) bestehe; darauf weisen eben die Mysterien der heiligen Schrift hin, und der Sohar spreche es mit deutlichen Worten aus. „Warum, so fragen wir euch, ihr Juden, warum glaubt ihr nicht an die Dreieinigkeit, da doch die heilige Schrift und der Sohar voll davon sind?" so riefen die Frankisten ihren Gegnern höhnisch zu. 6) „Wir glauben ferner, daß Gott in einen Leib eingegangen ist, gegessen, getrunken, geschlafen und andere Bedürfnisse befriedigt habe, nur das Alles ohne Sünde." — Die meisten Rabbinen unterwarfen sich lieber harter Geldstrafe und nur wenige stellten sich den vielen Frankisten gegenüber. Wir wissen wenig von dem, was bei der Disputation vorgegangen; die Talmudisten galten für besiegt; die Juden wurden zu großen Geldstrafen verurtheilt, und alle Talmudausgaben, deren man habhaft werden konnte, verbrannt. Glücklicherweise starb Dembowski bald darauf, und der päpstliche Nuncius Nikolaus Serra trat für die Juden ein. Sofort wandte sich das Blatts und die Frankisten wurden wieder die Verfolgten. Die polnischen Edelleute bemächtigten sich ihrer Habe, und als sie sich nach der Türkei flüchteten, wurden sie von den beutelustigen Türken nicht minder verfolgt. Sie nahmen zu Frank ihre Zuflucht, der unterdeß in Nikopolis geweilt, und er erschien türkisch gekleidet mit 50 Begleitern in Podolien und gab seinen Anhängern den Rath, sich offen zur katholischen Kirche zu bekennen. Dies führten sie in einer Supplique an den Erzbischof Lubienski von Lemberg aus, vermieden aber noch immer das Wort Taufe, weil ihnen diese, obgleich sie mit dem Judenthume völlig gebrochen hatten, noch immer als ein Greuel erschien. Abgewiesen, wiederholten sie 1759 diesen Versuch; aber als der Erzbischof nach Gnesen ging und die Administration in die Hände des Canonicus Mikulski überging, gestalteten sich die Dinge für sie günstiger. Mikulski nämlich war von dem Wunsche beseelt, für die Kirche Propaganda zu machen. In ihrer neuen Petition zeigten sie sich daher zur Taufe geneigt, verlangten aber wiederum eine Disputation zwischen ihnen und den Talmudisten. Ihr diesmaliges Programm schmiegte sich gänzlich den römisch-katholischen Dogmen an, wiederholte aber in unverschämter Verlogenheit die Blutbeschuldigung. Mikulski ging darauf ein, bestimmte den 16. Juli zum Tage der Disputation in Lemberg und legte eine Geldstrafe von 1000 Thalern auf, wenn die Rabbinen und Vorsteher nicht erschienen. Es erschienen 40 Rabbinen, die drei zu ihren Sprechern wählten. Die Verhandlung dauerte drei Tage, bei welcher sich übrigens die verschiedenen Theile wenig verstanden, da die Talmudisten und Frankisten kein Polnisch verstanden und die katholischen Geistlichen kein Hebräisch. Die traurige Folge jedoch war wieder die Ermordung von Juden auf die Blutanklage hin. Als die Disputation sich zu Gunsten der Frankisten zu neigen schien, kam Frank selbst nach Lemberg (2l. Juli) mit großem Gepränge in einem Sechsspänner, wie ein orientalischer Fürst gekleidet und hinter ihm her eine lange Reihe von großen und kleinen Wagen, angefüllt mit Solchen, welche ihren Anschluß an die Kirche erklären sollten. In der Hauptsache erreichten sie aberihr Ziel nicht: es kam keine allgemeine Judenverfolgung, keine Razzia gegen den Talmud und sie erhielten keinen Strich Landes, wieder eine besondere Sekte zu bilden, im Gegentheil erhob sich ein starker Verdacht gegen sie, und so nöthigte endlich Mikulski sie, sich taufen zu lassen, was ungefähr 1000 Frankisten thaten, und Frank selbst, der dies jedoch erst unter der Pathenschaft des Königs in Warschau that, ebenso wie seine Frau mit ihrem neugeborenen Töchterchen Eva, welche später von einer außerordentlichen Schönheit gewesen und den Schwindel ihres Vaters fortsetzte. Sein Erscheinen in der polnischen Hauptstadt mit zahlreichem türkisch gekleidetem Gefolge machte großes Aufsehen. Allein bald vergrößerte sich der Argwohn gegen

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