Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1868)
- Date
- 1868-02-18
- Page
- Seite 151 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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151 in seinem Dienste zu behalten, wissen wir nicht, er hat jedoch in einem Schreiben vom 11. October v. I. dem F. A. das Angeld mit dem Bemerken zurückgesendet, daß die Aufnahme der Kuhmagd gesetzwidrig sei. Der Israelit wendete sich demnach an seinen Gemeindevorstand, welcher das Angeld ordnungsmäßig an den Gemeindevorstand von Ob. T—z zurücksendete, damit dasselbe an die verdungene Kuhmagd zurückgestellt und diese zum Antritt ihres neuen Dienstes bewogen werden möge. Darauf erhielt der Gemeinde- Vorstand von Sch—z von dem Gemeindevorstand von Ob. T—z nachstehende denkwürdige Zuschrift: „Löblicher Gemeindevorstand! Es nimmt den gefertigten Gemeindevorstand sehr Wunder, daß ihm das übersendete Angeld in Höhe von 2 fl. ö. W., welches dem Israeliten A—t in Sch—z hätte zurückgestellt weroen sollen, wieder zurückgesendet wurde, mit dem Bemerken, daß die Magd in Diensten des Israeliten A—t einzutreten hätte, aber der löbliche Gemeindevorstand wird nicht wissen, daß nach dem k. k. Gesetze Israeliten christliche Dienstboten nicht halten sollen; daher wird aus diesem Grunde das Angeld noch einmal zurückgesendet und der löbliche Gemeindevorstand ersucht, dem Israeliten A—t das Geld zurückzustellen und ihm bekanntzugeben, wenn er Lust hat, gegen das bestehende Gesetz Beschwerde zu führen. P. B., Ob. T—z, am 3. Oct. 1867. Bürgermeister." Bemerkenswerth ist bei dieser lustigen Geschichte, daß obiges Decret nur die Unterschrift des Bürgermeisters enthält, der Context desselben jedoch auffallenderweise von derselben Hand geschrieben ist, von welcher der erwähnte Brief des Gutsbesitzers an den Israeliten A-t herrührt. (Wir hoffen, daß nach der Publicirung des Staatsgrundgesetzes dergleichen nicht mehr Vorkommen kann. Redaktion.) Donaufürstenthümer. Bukarest, 31. Jan. (Privatmitth.) Die übrige Welt mag sich von Reden und Adressen täuschen lassen; wir können dies um so weniger, als die traurigen Thatsachen uns immerfort auf den Leib rücken. Wir dürfen es aber auch nicht im allgemeinen Interesse der Wahrheit, weil hier in unerhörter Weise ein Netz von Täuschungen gewoben worden und wird, und man niemals dulden darf, daß die Lüge triumphire. Der Kern der Sache ist, daß man alle Vorgänge gegen die Israeliten hier von Anfang an dadurch decken wollte, daß man zwischen den rumänischen und ausländischen Juden zu unterscheiden vorgab und die letzten als vagabondirendes Gesindel brandmarkte, das aus dem Lande zu schaffen für die Regierung eine Rothwendigkeit sei. Dem widersprach nun von vornherein, daß man diesen Unterschied gar nicht machte, und daß man Dekrete, Strafgelder, Mißhandlungen und Austreibungen gegen alle Juden, gegen wohlhabende und arme, gegen Familien, die seit Jahrhunderten, und solche, die seit kürzerer Zeit in Rumänien wohnen, richtete, und weder nach Vermögen noch nach Stand und Beschäftigung dabei fragte. Andrerseits geben wir wohl zu, daß sich in unserem Lande allerlei Leute von zweideutiger Art umhertreiben; diese aber sind nicht blos Juden, nicht einmal der Mehrzahl nach Juden, und könnte ihnen durch eine wirkliche Handhabung der Polizeigesetze gewehrt werden. Dies aber thut man gerade nicht, und trifft gerade diejenigen Juden am meisten, welche ruhig an bestimmten Wohnplätzen ihrem Gewerbe obliegen und den geringen Verkehr unterhalten, der hier zu Lande noch besteht. Jetzt versucht man es auf eine andere Weise; man will Verdacht und Beschimpfung aus alle Juden in Rumänien wälzen, und wählte sich dazu die Feder eines Franzosen, eines gewissen Ernest Desjardins, der, wie er selbst gesteht, „einige Wochen" sich in Rumänien aufgehalten und nun eine Broschüre veröffentlicht, in welcher er alle Juden des Landes der schimpflichsten Fehler und Laster beschuldigt. Glücklicherweise verräth er seine Parteilichkeit und Unwissenheit in jeder Zeile, macht historische und geographische Schnitzer, wie sie bei den Franzosen nicht ungewöhnlich sind, zieht aber daraus Folgerungen, die dem Kundigen lächerlich erscheinen, aber in Frankreich täuschen sollen und können. Wir überlassen die Widerlegung dem „Echo Danubien,“ das sich in unserer Bertheidigung bis jetzt so geschickt bewährt hat. Wir rumänischen Juden sind schon so weit gekommen, daß wir die Forderung der Gleichberechtigung garnicht mehr stellen, sondern nur ruhig und geschützt unserem Lebensberufe obliegen wollen. Aber dies ist es ja eben, was uns für unsere Zukunft noch zittern läßt, und gerade weil Regierung und Kammer sortfahren 8*