Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1868)
- Date
- 1868-02-18
- Page
- Seite 150 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226644--25809-3261321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
150 Amerika den Einfall, zu verkünden, daß ihm eine Gestalt erschienen sei, welche ihm die baldige Ankunft des Messias verkündigte; natürlich mußten die Juden ihn religiös präparirt empfangen, und damit kein Gewissen durch die Widersprüche der Autoritäten beirrt sei, faßte er ein Ceremonial-Gesetz ab, das von den Orthodoxen ungleich höher gestellt wird, als die zehn Gebote, und die Schule, der Herr Dr. Hildesheimer angehört, erklärt laut und offen, daß, wer ein Jota dieses Buches nicht befolgt, kein Jude sei. Hätten diese Leute Logik, so müßten sie die Erzväter so gut wie die Propheten und Psalmisten aus dem Judenthume ausstoßcn, denn es ist wohl unzweifelhaft, daß diese Dignitäre des Judenthumes nicht Alles befolgt haben, was jener Rabbi aus dem Orient im 16. Jahrhunderte gelehrt hat. Und da die gebildeten Juden auch Jene, welche sich die ganze Woche nicht kämmen, als Brüder anerkennen, so sollten „Hegelianer^ ä la Hildesheimer doch Anstand nehmen, Jeden aus dem Judenthume auszustoßen, der sich Samstag seine Haare mit einem Werkzeuge schlichtet. Diese Schule lehrt aber, daß ein solcher Freund der Reinlichkeit nicht befähigt ist, einen Eid zu leisten, als Zeuge zu fungiren oder gar einen religiösen Act, wie z. B. eine Convertirung, vorzunehmen. Da der Staat ganz andere Anforderungen an das Recht und die Pflicht, ein Jude zu sein, stellt, als diese Zeloten, so geht daraus hervor, daß er ihnen die Führung der Geburts¬ und Heiratsregister schleunigst entziehen muß, wenn er nicht der Majorität der Juden bürgerliche Rechte entziehen soll. Der Ruf nach Civil-Ehe und Civilrcgister ertönt also an unsere Verfassungs-Minister auch aus dem Kreise der Juden, und da die jüdischen Jesuiten die Sache auf die Spitze treiben, so tritt die Mahnung auch an die Gemeinden heran, ihre Kinder vor den Verrenkungen des Geistes durch diese religiösen Seiltänzer zu bewahren. Das Judenthum entbehrt eines Stellvertreters Gottes auf Erden, es entbehrt der Concilien. Was also irgend ein Gelehrter docirt, kann kein Dogma sein. Da die Gemeinden ihre Seelsorger selbst wählen, mögen die Gebildeten nicht aus Gemüthlichkeit, die gewöhnlich nur das Gewand ist, in welches Gesinnungskrüppelei sich hüllt, die Gegensätze scheuen und fragen, ob der Seelsorger jenes Visionsbuch als Dogma anerkennt oder nicht. Den Cottsorten des Herrn Di'. Hildesheimer aber muß etwas Bedacht empfohlen werden. Zum Pfaffenspielen gehört weltmännische Klugheit und Gewandtheit. Diese Zeilen haben nicht den Zweck einer Polemik. Den Herrn Do. Hildesheimer hat die Gelegenheit, nicht seine geistige Befähigung zum Wortführer seiner Partei gemacht. Er ist ein uneigennütziger und wohltätiger Mann, der nur gar zu publicistisch davon spricht; in geistiger Beziehung ist er eine Carricatur, kein Gegner. Dr. Moriz Benedikt. Wien, 25. Jan. 1868. Pest, 6. Februar. Die vollständige Namensliste der vom ungarischen Cultusministerium zu der projektirten Notablenversammlung berufenen Herren lautet: Ludwig Adler aus Eperies; Philipp Baumgartner aus Pest; Moriz Diener aus Lipto Szt. Miklos; Leo Fischer aus Herend; Dr. Ludwig Fischer aus Klausenburg; Moriz Fleischmann aus Pest; Albert Friedlieber, S. A. Ujhelh; Carl Goldberger, Altofen; Israel Grün, Maros Ujvas; Leopold Hirschl, Ghöngyös; Dr. Ignaz Hirschler, Pest; Leo Holländer, Eperies; Dr. Kain, Eperies; I. I. Kohen, Pest; Sigmund Kraus, Körös-Ladany; Jacob Lanhi, Pest; Joseph Löwh, Groß- Kanizsa; Moriz Mezei, Pest; Philipp Neumann, Ofen; Koloman Pappenheim, Preßburg; Dr. Heinrich Pollak, Pest; Polatschek, Nagh-Käroly; Dr. Joseph Popper, Miskolc;; Dr. Joseph Rozsah', Pest; Joachim Schapringer, Fünfkirchen; Samuel Scharmann, Temesvar; I. Schlesinger, Bag-Ujhely; S. W. Schoßberger von St. Tornah, Pest; Dr. Singer, Szegedin; Leopold Steiner, Großwardein; Carl Ullmann, Pest; Mor. Wahrmann, Pest; Paul Wallfisch, Arad. — Diese Notablen-Versammlung hat bekanntlich die Aufgabe, über die verfassungsmäßige Stellung der Juden in Ungarn ein Gutachten abzugeben. Aus österr. Schlesien. Man schreibt der „Silesia" aus Teschen, 10. Jänner: In den letzten Monaten des Jahres des Heils 1867 in der Sturm¬ und Drangperiode gegen Concordat und alles mittelalterliche Unwesen hat sich in der Nähe von Teschen nachstehende lustige Geschichte ereignet: Der isr. Staatsbürger F. A. in Sch—z hat es gewagt, eine im Dienste des ritterlichen Gutsbesitzers H—i in Ob. T—z stehende Kuhmagd für seine Dienste zu dingen und hat derselben ein Angeld von 2 fl. ö. W. gegeben. Ob dem edlen Gutsbesitzer daran gelegen war, die Kuhmagd