Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1868)
- Date
- 1868-02-18
- Page
- Seite 146 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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146 lichkeit, die nicht einmal zu den besseren Schiilerarbeiten gehören. Es brachte uns dies-sogar zu dem Vornehmen, Predigten in d. Bl. anzuzeigen, aber nicht mehr zu recenstren. Wir würden zu oft unsere Feder in Galle eintauchen müssen, und uns den Haß einer Menge Leute zuziehen um Gegenstände, welche am Ende für eine leidenschaftliche Erregung doch zu wenig bedeutend sind. Hiergegen nun durch Beispiel und Belehrung anzukämpfen, wäre eine sehr würdige Aufgabe. Das vorliegende Heft enthält eine Antrittspredigt des Herausgebers, eine Leichenrede Jellinek's und eine Krönungsrede Fassel's. Außerdem einen Aufsatz des Herausgebers „Eine Hauptaufgabe der jüdischen Predigt" und den Anfang einer solchen: „die Integrität der heil. Schrift und ein Postulat der jüdischen Volksschule" (hier hätte der Herausgeber wohl lieber deutsche Worte wählen sollen). Derselbe bespricht die in der Versammlung zu Brünn so leidenschaftlich diskutirte Frage, ob für die jüdische Volksschule eine Pentateuchausgabe edirt werden solle, aus welcher alle für die Kindheit nicht passenden Stücke weggelassen werden? Die Ausstattung des Heftchens ist sehr schön. — „Palästina. Kurzgefaßte Beschreibung Palästina's (nach der Stammeseintheilung) für Freunde des heiligen Landes und für israel. Schulen von Benedikt Hause, Lehrer an der öffentlichen Schule in Neukirchen (Prvv. Hessen). In Commission in der S. Meßner'schen Buchhandlung in Cassel." Dieses Merkchen (70 S.) ist früheren gleichen Leitfäden zum Unterrichte in der Geographie des alten Palästina darum einen Schritt voran, weil es sich nicht mehr auf eine bloße dürre Nomenclatur beschränkt, sondern mit einigen farbigen Strichen das Ganze und die Einzelheiten zu einer klaren Anschauung bringt. Es giebt annähernd schon eine Beschreibung. Wir können es daher, da es den besseren neueren Arbeiten sein Material entnimmt, den Schulen aufrichtig empfehlein Wir wollen hierbei den Wunsch nicht unterdrücken, daß über diesen Schub bedarf hinaus, eine gedigene Feder es unternähme, für die erwachsenere jüdische Jugend und das gebildete Publikum eine ausführliche Beschreibung Palästina's zu schaffen, in welcher das Ganze wie die Details in vollen und erschöpfenden Bildern geschichtlich und geographisch dargestellt werde, zugleich getragen von der höheren religiösen und humanen Idee, die der historischen Erscheinung und Bedeutung dieses Landes innewohnt. Wir sagen eine gediegene Feder, denn es würde sich nicht dabei handeln, aus zwanzig Büchern ein einundzwanzigstes zu fabriciren, welches das Oftbeschriebene noch einmal beschreibe, sondern ein Werk zu schaffen, in welchem, ohne den thatsächlichen Boden zu verlassen, eine in Form und Inhalt vollendete Schilderung her Bor- und Jetztzeit dieses Landes lebendig gegeben würde. Hierzu würde weder bloße Gelehrsamkeit noch eine blühende Phantasie allein genügen, sondern eine umfassende Sachkenntniß müßte sich mit schöpferischem Genius verbinden. Persönliche Anschauung des h. Landes könnte wohl nicht entbehrt werden. Dies wäre ein würdiges Unternehmen, dessen Erfolg ein ganz außerordentlicher sein würde. — Wir machen hier aus eine eben erschienene Schrift unseres verdienstvollen Glaubensgenossen, des Herrn vr. Hirsch in Rotterdam aufmerksam, welche alle diejenigen interessiren wird, die für den Unterricht von Taubstummen Theilnahme empfinden, und namentlich über den Erfolg der deutschen Methode sich unterrichten wollen, nämlich: ll'enseignement des Sourds-Muets, d’aprfes la mdthode allemande (Methode-Amman) inlroduit en Belgique. Souvenirs d’une visite faite aux dcoles des sourds-muels, ä Anvers, Bruxelles, Gand et liruges par D. Hirsch, directeur de l’institution des sourds-muets, de Rotterdam, dseorö de l’ordre du lion nedrlandais. Rotterdam, M. VVyt & Fils. 1868. — Wir kommen versprochener Maßen auf eine sehr wackere Schrift zurück, die im vorigen Jahre erschienen: „Die Familie in rechtlicher und moralischer Beziehung nach mosaisch -talmudischer Lehre, allgemein faßlich dargestellt von vr. P. Buchholz, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu M.-Fricdland (jetzt in Stargard). Breslau, Schletter'sche Buchhdlg. 1867." Jedermann weiß, welche Bedeutung im religiösen und Volksleben der Juden die Familie hat, und so ist es aus den verschiedensten Gesichtspunkten von Wichtigkeit, die mannigfaltigen Beziehungen der Familie in der mosaischen und talmudischen Anschauung kennen zu lernen. In zwei großen Abschnitten werden die „Ehe und „die Eltern" von der rechtlichen und moralischen Seite und in einem Anhang das mosaisch - talmudische Eherecht, die Pflichten und Rechte der Eltern, die Pflichten der Kinder und die Mündigkeit abgehandelt. Was wir hier vermissen, ist das Verhältniß der Geschwister und der anderen Familienglieder, ein Kapitel, das in einer Darstellung der Familie nicht fehlen dürfte und im mosaischtalmudischen Rechte einen nicht unwichtigen Platz einnimmt, wir erinnern z. B. an den Goel. Bei dem Zwecke, den sich der Vers, vorgesetzt, ist immer das