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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-18 · Heft 8 (18.2.1868) · p. Seite 145

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 8 (18.2.1868)
Date
1868-02-18
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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145 erkennen wir, daß er hiermit nur lokalisirt, weil sein Wissen nur ein locales ist. Er kennt 'nur die Juden in. Frankreich und sein desfallstges Wißen beschränkt sich auf das Jahr 1867. Bon den deutschen, englischen, italienischen u. s. w. Juden und von früherer Zeit weiß er nichts. Und was ist denn in diesem Jahre in Frankreich vorgegangen? Sind da Thatsachen zum Vorschein gekommen, die zu einer Beurtheilung aufrufen? Hat die Synagoge irgend eine Erschütterung erfahren? Sind in und mit ihr besondere Maßnahmen getroffen worden? Ist die französisch-jüdische Hierarchie angegriffen oder gar beseitigt worden? Ist ein schwerer Verlust eingetreten, der alles Jüdische ganz und gar in Bewegung setzte? Von allem Dem Nichts; es war dort alles so ruhig, wie immer, so spiegelglatt wie das Meer zur Zeit der Windstille. Die Sache ist einfach die, daß Herr Michaud einige jüdisch-französische Schriften vor sich liegen hat, aus ihnen die Aeußerungen verschiedener Männer, zuin Theil bei besonderen Veranlassungen, zum Thcil aus dem Zusammenhänge gerissen heraushebt, und diese bieten ihm den Stoff zur „Krise, Zersetzung, Verfall" des Judenthums in Frankreich im Jahre 1867. Nun, wollten wir dasielbe Experiment z. B. auf katholischem Boden machen, welche Schreckensbilder würden wir entwerfen können und aus welch anderem thatsächlichen Stoffe. Nun ist bekanntlich die jüdisch-französische Literatur weder eine reiche noch eine reichhaltige, und Herr M. beschränkt sich aus guten Gründen ganz allein auf sie; und zitirt daher aus unseren, ins Französische übertragenen Vorlesungen und aus der in's Französische übersetzten geschichtlichen Abhandlung des Kr. Grätz ,,Sinai' et Golgatha“ nur gelegentlich einige Stellen, ohne sich auf. deren ganzen Jdeengang einzulassen. Seine Quellen sind also die Archives israelitcs, das L'nivers israclite, eine Flugschrift von Alexandre Weill, einige Gedichte von Ludwig Wiehl und — das Buch von Hippolyte liodrigues: les Irois filles de la bilde. Wie weit dieses Machwerk, wie weit Herrn Weill's Expektorationen wirklich aus dem Judenthume entsprossen, oder in ihm wurzelnd, oder nur innerhalb seiner Grenzen geblieben, angesehen werden können, macht dem Herrn Abbe keine Sorge; er bildet sich ein durch diese Schriften ganze Kategorien der Juden repräsentirt zu sehen, und dies paßt eben in seinen Zweck, die Judenheit in eine ganze Menge von Parteien izerfallen darstellen zu können. Sehen wir nunmehr ein wenig genauer zu. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 7. Februar. Von unserer Brochüre: „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" wird jetzt eine Uebersetzung auch in polnischer Sprache in Galizien erscheinen. — An Predigten und Reden sind uns in jüngster Zeit wieder zugekommen: Noch eine Gedächtnißrede auf Rapoport von Rabb. Dr. I. Wallerstein in der Synagoge der altschottländischen Gemeinde in Danzig. Gedächtnißrede auf Meisel von.Prediger vr. S. Kohn in Pest und von Oberrabb. M. Hirsch in Altofen. Bon Dr. Kohn auch eine Festpredigt zur Emancipationsfeier, aus dem Ungarischen übersetzt, gleichen Inhalts zwei von M. Hirsch „Joseph's Lebensgeschichte das Urbild der Lebensgeschichte Israels" und die „Wunder." (Die letzteren sind sämmtlich in Pest erschienen, die des Dr. Wallerstein in Danzig.) — Der Rabbiner und Prediger an der Neu-Synagoge zu Prag, Herr vr. S. H. Sonneschein hat das erste Heft einer „homiletischen Monatsschrift" erscheinen lassen, welche jährlich in 12 Heften zum Preise von 2 Thlr. erscheinen soll. Den Inhalt sollen außer Predigten, Hagada- und Bibelerklärungen, Geschichte und Theorie der jüdischen Homiletik, Aufsätze über Religionsunterricht und Recensionen bilden, also was unser „Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin"*) in den Jahren 1834—36 enthielt. Man kann dem Unternehmen nur das beste Gedeihen wünschen. Die Zeitschrift würde positiv und negativ ein sehr wirkungsvolles Feld haben, wenn sich die geeigneten Kräfte dazu vereinigen. Denn wenn wir dainals mit dem verhältnißinäßig noch großen Mangel an jüdischen Kanzelvorträgen zu kämpfen hatten, so findet jetzt das Gegentheil statt, und der Herausgeber wird mit der Fluth homiletischer Erzeugnisse, die sich über ihn ergießen wird, zu ringen haben. Dieses Uebel ist aber mit dem zweiten verbunden, daß die jüdische Homiletik in den letzten Deceunien an Werth der Erzeugnisse im Ganzen viel verloren hat. Die Jünger der jüdischen Kanzel glauben in ihrer Mehrzahl, daß das Predigen „gar keine Kunst" ist, daß dazu kein Studium gehöre; es hat sich eine Nonchalance eingebürgert, welche Alles für gut genug hält, was aus dem Munde kommt, und es wagen sich Produkte an das Licht der Oeffeut- *) Ist 1854 in 2. Stuft. (Leipzig, Baumgärtner) nochmals erschienen.

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