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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-11 · Heft 7 (11.2.1868) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 7 (11.2.1868)
Date
1868-02-11
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 Rabbi, da er jetzt als Wiener Bürger anstandslos durch Herrn Dr. Jellinek getraut werden wird. — Wie es heißt, wird Dr. Hildesheim zu seiner Vertheidigung eine Broschüre erscheinen lassen. Es ist dies für ihn wieder eine willkommene Gelegenheit, in Ermanglung tüchtiger Leistungen wieder von sich reden zu machen, und seine Gegner thäten wohl am besten, seine Broschüre ganz unbeantwortet zu lassen. Sollten dergleichen Fälle sich mehren, daß die einen Rabbiner in Ehesachen nicht anerkennen wollen, was die anderen gethan, so wird die Folge sein, daß die jüd. Laienwelt auch ihrerseits auf die Civilehe dringen wird. Denn es kann ja auch der Fall Vorkommen, wo ein reformistisch gesinnter Rabbiner einen Uebertritt zum Judenthume, den ein orthodoxer Rabbiner geleitet hat, nicht anerkennen will, weil der Uebertretende zwar in Bade- und Speiscgesetzen, nicht aber in den eigentlichen Lehren und Sittengesetzen der Religion unterrichtet worden sei. Sogenannte Zuständigkeitsbeschränkungen, d. h. daß ein Paar nur von dem Rabbiner ihres Sprengels getraut werden darf, sind übrigens keine jüdische Einrichtung, und sollte sich daher ein orthodoxer Rabbiner nicht auf sie stützen. Frankreich. Paris, 27. Jan. tPrivatmitth.) Gestern haben die Wahlen für das hiesige Consistorium stattgefunden. Von etwas über 3000 Wahlberechtigten betheiligten sich es. 1700 an denselben. Von der Liste des Consistoriums drangen die Herren Gustav v. Rothschild, Halphen, Erlanger durch; die Portugiesen brachten den Notar Herrn Rehnald in das Consistorium, die sg: Oppositionspartei Hrn. Levh-Bing. Hr. Carvalho hatte die Wiederwahl abgelehnt, er erhielt bei dem Wahlact noch ungefähr 20 Stimmen und somit ist der Conflict, welcher die Demission des Consistoriums hervorgerufen hatte, beseitigt. Der Ausfall der Wahl ist jedenfalls als ein glücklicher zu bezeichnen und die gewählten Persönlichkeiten durchweg achtungswerthe und wohlmeinende Männer. Besonders kann man sich über die Wahl des Herrn Levh-Bing freuen, des unermüdlichen Vorkämpfers des Judenthums und seiner erhabenen Mission. Diese Wahl ist für den Betreffenden um so ehrender, als er sich erst seit acht Monaten in Paris aufhält. Amerika. Chicago, 20. Dec. «Vorbemerkung der Redaction.) Eines der wesentlichsten Interessen des gegenwärtigen Judenthums liegt in der Verpflanzung der jüdischen Literatur und Wissenschaft nach der neuen Welt, in der Verbreitung ihrer Geisteserzeugnisse jenseits des Oceans. Je freier, ungehemmter die Synagoge dort aufblüht, desto nothwendiger ist es auch, ihr die geistigen Stärkungsmittel zugänglich zu machen, ■ ohne welche eine gesunde Entwickelung unmöglich ist, ja ohne welche in unserer Zeit ein dauerhafter Bestand garnicht zu denken ist. Hieran hat es aber bis jetzt in Amerika durchaus gefehlt. Die jüdische Masse hat ihre Schuldigkeit gethan: sie hat Gemeinden gegründet, Synagogen gebaut, Begräbnißstättcn angelegt, Hospitäler rc. gestiftet, Wohlhätigkeitsvereine gebildet, Rabbiner, Prediger, Lehrer berufen. Die Männer aber, die als letzte dahin gegangen, haben — mit bekannten Ausnahmen — ihre Schuldigkeit nicht gethan. Sobald sie in Amerika anlangten, brachen sie die Verbindung mit Europa ab, zur Verbreitung jüdischer Werke aus Europa thaten sie garnichts, die Wortführer in der Presse verschwiegen absichtlich alle europäischen Erscheinungen. Um so erfreulicher ist es, wenn auch hierin nunmehr das Eis gebrochen wird. Wir theilten früher mit, daß ein Verein in S. Francisco sich eine deutsche, französische und englische Bibliothek jüdischer Werke angelegt und bereits in einem tüchtigen Umfange erworben hat. Jetzt erhalten wir die „Illinois Staats-Zeitung", in welcher ein Aufruf des Dr. Chronik enthalten ist, den wir deßhalb in seiner ganzen Ausdehnung hier wiedergeben. Wie die ged. Zeitung meldet, ist der Erfolg bereits jetzt respektabel zu nennen. Der Aufruf lautet: Aufruf an die Israeliten Chicago's. Unter Beipflichtung meiner College» und sonstiger achtbarer Intelligenzen, wende ich mich mit dem nachstehenden Aufrufe an die gcsammte Judenheit Chicagos. Die Güte der Sache verleihet mir den Muth dazu. Israeliten! Wollen Sie sich uns anschließeu zur Stiftung eines Vereins, der sich zwei Ziele vorstecken soll: die Förderung der jüdischen Wissenschaft und die Förderung einer veredelten Geselligkeit.

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