Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1868)
- Date
- 1868-02-11
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Zum Behufe des erster« Zieles soll eine Bibliothek der alten und der neuen jüdischen Literatur, die periodische mitinbegriffen, gegründet werden. Ferner soll der Verein zur Bibliothek ein Lese-Lokal einrichten. Indem wir dies thäten, wären wir schon unterwegs auch nach dem andern Ziele hin, welches die veredelte Geselligkeit ist. Das Lese-Lokal zur Bibliothek soll der Sammelplatz werden für Alle, welche die Einsicht in die Wissenschaft der Religion anstreben und verbreiten helfen wollen. Es wird hier ein edler Unterhaltungsstoff dargeboten sein, um einen veredelten Umgang unter den Besseren zu vermitteln, die hier einander suchen sollen und finden. Hier soll die Lernlust die Lehrer, und der Lehrberuf die Lernenden antreffen. Hier soll beständig, vermöge des gesellig freien Gedankenaustausches, ein Jeder zum Lehrer und zum Lernenden zugleich gemacht werden. Unter solchen Anknüpfungspunkten und Impulsen, welche von der Wissenschaft ausgehen, um ihr zu dienen, würde sich eine ausdchntere veredelte Geselligkeit von selbst ergeben, während sie nach einem engeren Maßstabc bereits begonnen hätte. Israeliten! Ich wende mich an Sie Alle, ohne Unterschied der alten und der neuen Richtung, in einer Angelegenheit, zu deren Gemeinsamkeit sich Jeder wird bekennen müssen. Denn, als Juden, müssen Sie sich Alle dazu bekennen: daß die veredelte Geselligkeit eine Thatsache der Religion sei. Sie sind Alle gleich aus Religion haftbar für die Vermehrung der Erkenntniß und für die Hebung der geselligen Tugenden. Gerade, weil, wegen der Abweichungen zwischen den alten und den neuen religiösen Ansichten, die jüdische Gesammtheit sich in verschiedene Gemeinden hat zertheilen müssen, erscheint es von doppeltem Werthe, ein Gebiet der Einigung wahrzunehmen. Männer und Frauen, Väter und Mütter, Söhne uud Töchter! Aus naheliegenden Gründen ist hier zu Lande wehr, wie anderwärts die Pflege des Wissens und die Läuterung der Geselligkeit ein gebieterisches Erforderniß. Dies in noch weit erhöhterem Grade für die jüngere Generation, die durch Vernachlässigung des Wissens auf den zuverlässigsten Führer unter den Stürmen der Jugend verzichtet, und die am gefährlichsten bedroht ist, durch böse oder fade Gesellschaft an der Sittsamkeit gelockert, an Geist entwerthet und so in der Blüthe geknickt zu werden. Israeliten! Wohlan denn! Lassen Sie uns das Banner der Wissenschaft in einer edlen Geselligkeit entfalten mit dem gerechten Stolze, daß es das Banner unserer Religion sei, und auch die nicht von Israel fitib, werden sich zu uns gesellen mögen. Chicago, Jll., 5. Dec. 1867. Rabbiner Oe. Chronik. Nachträge. Wien, 2. Februar. An die Vertretungen der israelitischen Cultusgemeinden Wien, Brünn und Prag und an Fachmänner, wie Dr. Jcllinek, Professor Dr. Wessely und Professor Dr. Kämpf ist von Seite des Ministeriums für Cultus und Unterricht die Aufforderung zur Abgabe eines Gutachtens über die Bedürfnisse zur Errichtung einer Lehranstalt für Ausbildung von Rabbinen «Rabbinatsschulen) ergangen. Pest, 1. Februar. Das Einladungsschreiben des BaronEötvöszur jüdischen Notablen-Confercnz erklärt als Aufgabe derselben: Jnformirung der Regierung, die Regelung der Gemeinde- und Schulverhältnisse der Juden Ungarns, specicll deren Vereinbarung mit den neuen gesellschaftlichen und administrativen Verhältnissen Ungarns. Anzeigen. Die Gemeinde Anschi Ghesed dahier, sucht einen Chasan auf die Dauer von 2 Jahren mit dem Gehalte von 2000 Dollars. Derselbe muß einen tadellosen moralischen Charakter besitzen, tüchtig musikalisch gebildet, im Stande sein, das Chor zu unterrichten uud zu leiten, sowie den Gottesdienst mit Orgelbegleitung und Chor vortragen zu können. Anmeldungen und Zeugnisse sind spätestens bis zum 28. April 1808 einzureicheu bei Herrn S. Schuster, President, Nr. 69 Avenue 0. New-Iork.