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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-02-11 · Heft 7 (11.2.1868) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 7 (11.2.1868)
Date
1868-02-11
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 Der Nbg. Commerz ienrath Leonor Reichenheim ist ge stern Morgen 10 Uhr in Folge eines Nervenschlages sanft entschlafen. Seit 1859 war der Verstorbene ohne Unterbrechung und stets als Vertreter der Kreise Waldenburg-Reichenbach Mitglied dieses Hauses. Neben seiner Thätigkeit in vielen einzelnen Commissionen dieses Hauses war er in den Jahren 1859—1862 stetes Mitglied der Commission für Handel und Gewerbe und in den Jahren 1863 bis zuletzt unausgesetzt Mitglied der Budget-Commission. Wir Alle, namentlich die Mitglieder früherer Häuser und vor Allem die Mitglieder der früheren Budget-Commission, wissen es, mit welchem rastlosen Eifer, mit welcher unermüdlichen, sich und seine Kräfte nie schonenden Thätigkeit er sich dem Dienste der öffentlichen Interessen des Vaterlandes gewidmet hat, und was er namentlich in Klarstellung der Verhältnisse geleistet hat. Ich ersuche die Mitglieder des Hauses, das Andenken des Verstorbenen zu ehren und sich von ihren Plätzen zu erheben. (Sämmtliche Mitglieder erheben sich.) Das Begräbniß wird Mittwoch, 29. d. M., Morgens 10 Uhr, pünktlich vom Trauerhause, Thiergartenstraße 19, Statt finden. Ich werde daher zu dieser Stunde keine Sitzung anberaumen. lSo hat das Geschick bestimmt, daß die parlamentarische Wirksamkeit des Verstorbenen mit der Schilderung desselben in Nr. 40 ff. des v. I. ihren Abschluß gefunden.) Berlin, 29. Jan. Heute Morgen fand die Beerdigung des am 26. d. Mts. hier verstorbenen Abgeordneten, Commercien- und Stadtrathes Leonor Reichenheim unter ganz ungewöhnlicher Betheiligung Statt. Vier- bis süufhundert Personen hatten sich im Sterbehause eingesunden; die weiten Räume der Villa des Verstorbenen im Thiergarten reichten weithin nicht aus, das Trauergefolge zu fassen, welches durch den Garten und die berühmten Treibhäuser sich zu vertheilen genöthigt war. Die Mehrzahl der Anwesenden bestand aus Mitgliedern des Abgeordnetenhauses, dessen Präsidenten, Schriftführer, so wie Vorstände und hervorragendste Mitglieder aller Fractionen erschienen waren; die äußerste Rechte war allein durch sechszig Mitglieder vertreten. Auch viele Mitglieder aus den neuen Provinzen, wie die Abg. Windthorst iMeppen), Braun (Wiesbaden) u. A. fehlten nicht. Andererseits waren der Rector der Universität, Geheimrath Beseler, eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten, den Ober-Bürgermeister Sehdel und den Stadverordneten-Vorsteher Kochhann an der Spitze, Deputationen der berliner Schützengilde, verschiedener Vereine rc. anwesend. Die Mitglieder des Ministeriums waren nicht erschienen, dagegen bemerkte man die Staats-Minister a. D. Graf Schwerin und v. Patow. Der mit Blumen und Kränzen reich geschmückte Sarg stand in einer aus exotischen Gewächsen gebildeten Halle, von brennenden Kerzen umgeben. Die Söhne und Brüder des Verstorbenen standen zunächst. Der Rector der jüdischen Religionsschule, Herr Dr. Kirsten:, welchem die Erziehung der Kinder des Hauses anvertraut ist und der deßhalb dem Verstorbenen nahe stand, hielt auf Wunsch der Familie die Gedächtnißrede und gab in kurzen, warm empfundenen und die ganze Versammlung tief ergreifenden Worten ein Lebensbild des Heimgegangenen, indem er betonte, wie derselbe, nicht im Wohlstände geboren, durch eigene Strebsamkeit und Thätigkeit sich emporgearbeitet, wie er schon mit 14 Jahren genöthigt, die Schule zu verlassen, durch unermüdliche Selbstthätigkeit sich Wissen erworben und sich fähig gemacht, nachdem er das eigene Haus aufgerichtet, seine geistigen und materiellen Kräfte dem Dienste des Vaterlandes zu weihen. Der Redner beleuchtete die Thätigkcit des Verstorbenen als Mitglied der Landesvertretung, der städtischen Behörden, der jüdischen Gemeinde und zahlreicher gemeinnütziger Vereine und Unternehmungen. Bon Mitgliedern des hiesigen Brüdervereins wurde dann der Sarg durch die Kette der Bürgerschützen getragen, in den Leichenwagen gehoben und, von einer unübersehbaren Wagenreihe begleitet, nach dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde gebracht, auf welchem im Aufträge der letzteren der Rabbiner Di-. Aub die Weiherede und das Gebet hielt und die Bestattung an dem von der Gemeinde gewährten Ehrenplätze in der vordersten Gräberreihe erfolgte. Potsdam, 2. Februar. Privatmitth.) Am Freitag den 31. pr. erschien eine Deputation des Vorstandes der hies. Gemeinde bei dem Rabbiner Dr. Tobias Cohn, und indem sie demselben ein Paar prachtvolle silberne Armleuchter mit der Inschrift: „Ihrem verehrten Prediger, Herrn Dr. Cohn zur Erinnerung an die Säcular - Feier der Synagoge am 29. December 1867. Die Vorsteher und Repräsentanten der Gemeinde zu Potsdam" überreichte, sprach der Vorsitzende

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